Ifaisteia-Fest: Als Santorin aus dem Meer auftauchte

Einmal im Jahr scheint die Vulkaninsel Santorin auszubrechen: Der Himmel brennt, es knallt und donnert. Doch die Insulaner feiern mit dem riesigen Spektakel die Entstehung ihres felsigen Eilands - während es unter dem Meeresboden schon längst wieder grummelt.

Festival auf Santorin: Feuerwerk am Kraterrand Fotos
Fabian v. Poser

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Es brodelt. Der Vulkan scheint Feuer zu speien. Das ganze Firmament steht in Flammen. Rote, gelbe, grüne und blaue Funken erleuchten den Nachthimmel über Nea Kaméni. Silbern liegt das Meer im Feuerschein da.

Während die Gäste auf den Terrassen der feinen Restaurants von Fira mit Champagnergläsern anstoßen, taumelt die "Thalassa" auf dem Wasser. Wie eine Nussschale schwappt sie in der Caldera. Immer wieder erhellen die Flammen die Gesichter an Bord.

Donnerschläge krachen, Leuchtraketen steigen auf, funkensprühende Kugeln platzen am Himmel. Dutzende Hälse recken sich in die Luft, um das Spektakel zu beobachten. Dann wirft der Kapitän den Motor der "Thalassa" an, um noch näher heranzukommen an die Insel, um noch näher am Feuer zu sein.

Einmal im Jahr - dieses Mal am 25. August - stellen die Bewohner Santorins beim Ifaisteia-Fest die Entstehung ihrer Insel nach. Dann bauen sie auf der unbewohnten Insel Nea Kaméni im Vulkankrater eine gewaltige Batterie an Raketen, Böllern und Signalmunition auf.

Für eine Stunde steht Nea Kaméni in Flammen. Zuerst beginnt das Feuerwerk verhalten, später steigert es sich zu einem riesigen Spektakel. Am gesamten Himmel über der Caldera funkt, blitzt, qualmt und donnert es. Die Erde scheint sich von innen nach außen zu stülpen.

Heiße Quellen am Fuß der Insel

Die Geschichte Santorins begann vor rund 80.000 Jahren. Mehrere unterirdische Vulkanausbrüche schufen damals eine fast runde Insel mit einem Durchmesser von 15 Kilometern. Spätere Eruptionen veränderten immer wieder das Gesicht der Insel und sorgten für ihre jetzige Form. Heute besteht Santorin aus den zwei bewohnten Inseln Santorin und Thirassía und den drei nicht besiedelten Inseln Asproníssi, Paléa Kaméni und Néa Kaméni.

Und noch immer ist das Erdinnere in Bewegung. Zeichen der fortwährenden vulkanischen Aktivität sind die heißen CO2- und Schwefeldämpfe, die immer wieder austreten, und die heißen Quellen am Fuß von Nea Kaméni. Ist die See ruhig, halten die Ausflugsboote in deren Nähe, und die Gäste können zu den Quellen schwimmen. Der Abend schreitet voran. Die "Thalassa" schaukelt jetzt auf dem tintenblauen Wasser direkt vor Nea Kaméni.

Immer lauter werden die Böllerschüsse, immer greller die Leuchtraketen. Das Feuerwerk soll den großen Vulkanausbruch von 1630 vor Christus nachstellen. Glaubt man Vulkanologen, so war die Eruption eine der heftigsten der jüngeren Erdgeschichte. Damals brach der Kraterrand Santorins in drei Teile. Der Himmel über der ganzen Ägäis wurde schwarz, und eine 250 Meter hohe Flutwelle breitete sich in Windeseile im gesamten östlichen Mittelmeer aus.

Für Jahrhunderte unbewohnbar

Die Folgen waren lange Zeit Gegenstand einer wissenschaftlichen Debatte. Der Vulkanausbruch soll der minoischen Kultur auf der benachbarten Insel Kreta durch einen gigantischen Tsunami den Garaus gemacht haben, behaupteten immer wieder Wissenschaftler. Später fanden Archäologen auf Kreta aber Keramikstufen, die sie auf Santorin nicht entdeckten.

Ein Zusammenhang zwischen der Eruption und dem Zusammenbruch der minoischen Kultur gilt seitdem als unwahrscheinlich. Fest steht aber: Der Vulkanausbruch vor 3600 Jahren war gewaltig. Santorin, damals noch Thera genannt, war danach mit einer 60 Meter hohen Bimssteinschicht bedeckt und für Jahrhunderte unbewohnbar. Besonders schön tritt die vulkanische Geschichte der Insel am Red Beach zutage: Er liegt sichelförmig am Fuß einer mehrere hundert Meter langen, roten Schlackenwand.

Bis heute gibt es auf der Kykladen-Insel auch kaum Pflanzenwuchs. Möglicherweise sorgte eine der frühen Eruptionen auch für die Legende von Atlantis. Dass sich die sagenumwobene Stadt auf Santorin befand, dafür finden sich an mehreren Stellen Belege. Der bekannteste Verfechter dieser These ist der griechische Philosoph Platon. Er sprach von einem reichen Königreich namens Atlantis, das über Nacht in den Fluten versank. Doch es gibt bis heute auch hierfür keine schlagkräftigen Beweise.

Um 22 Uhr ist der Höhepunkt erreicht

Es wird Nacht über Santorin. Die "Thalassa" schaukelt noch immer vor Nea Kaméni. Raketenschwärme schießen immer wieder kometengleich in die Luft. Man könnte glauben, es sei ein echter Vulkanausbruch, so laut donnert es. Doch es ist nur menschengemachter Schall und Rauch, der hier zum Himmel steigt.

Seit dem letzten Ausbruch im Jahr 1950 ist es ruhig auf Santorin. Zwar messen Wissenschaftler seit 2011 verstärkte Aktivität unter dem Meeresboden. Jedes Jahr schiebt sich hier die nordafrikanische Platte mehrere Zentimeter unter die ägäische Platte. Ob und wann aber tatsächlich ein neuer Vulkanausbruch stattfinden wird, kann nicht vorhergesagt werden.

Gegen 22 Uhr ist auf Nea Kaméni der Höhepunkt des Feuerwerks erreicht. Noch einmal erstrahlt die Insel im Schein der Lichter. Noch einmal ist der mit 122 Metern höchste Punkt der Kraterinsel, der Gipfel der Georgios-Kuppel, hell erleuchtet. Dann liegt Nea Kaméni ganz plötzlich wieder im Dunkeln, und nur noch die Lichter der Schiffe auf dem Wasser sind zu sehen. Eines nach dem anderen läuft jetzt den Hafen von Fira an.

Man wankt und schwankt noch ein bisschen, wenn man nach sechs Stunden auf dem Wasser das Festland betritt. Doch das ist schnell vorbei, wenn man sich in die Sessel des Busses sinken lässt, der einen zurück in die Inselhauptstadt Fira bringt.

Fabian von Poser/srt/abl

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