Nicht entwertetes Gruppenticket Schaffnerin wirft ganze Klasse aus dem Zug

Eine gnadenlose Schaffnerin hat einer Klasse einen Zwangsstopp beschert. Obwohl die Lehrerin und ihre mehr als 20 Schüler eine Fahrkarte hatten, mussten sie den Zug verlassen. Das Gruppenticket war nicht entwertet.


Bad Oeynhausen - Noch nicht einmal 20 Kilometer trennen Bad Oeynhausen und Herford - und auf dieser kurzen Bahnstrecke traf eine Schulklasse auf eine kompromisslose Schaffnerin. Die Lehrerin, die mehr als 20 Siebtklässler begleitete, hatte zwar ein Gruppenticket dabei, doch vergessen, dies zu entwerten.

Die Schaffnerin habe die Lehrerin und mehr als 20 Schüler vor die Wahl gestellt, entweder 40 Euro pro Kopf zu zahlen oder auszusteigen. Das berichtete der Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums, Klaus Keßler, auf Anfrage. Die Klasse 7e habe daraufhin in Löhne den Zug verlassen und sei mit dem Bus zur Schule gefahren. Sie hatte in Herford die Synagoge besucht.

"Die Lehrerin war damit beschäftigt, die Schüler durchzuzählen, es war ziemlich wuselig", beschreibt Keßler die Situation, wie sie ihm die Lehrerin geschildert hatte. Im Zug habe es keinen Entwerter gegeben. Darum habe die Lehrerin der Schaffnerin das Problem geschildert. "Diese hat die Klasse barsch, in sehr unhöflichem Tonfall vor die Wahl gestellt", sagte Keßler. "Das sind doch keine notorischen Schwarzfahrer."

Die Deutsche Bahn betonte, wenn das so vorgefallen sei, habe die Schaffnerin zwar korrekt, aber ohne Augenmaß gehandelt. "Wir müssen sie erst noch befragen", sagte ein Sprecher des Unternehmens. "Wenn sich das aber so bestätigen sollte, dann müssen wir mit der Kollegin mal über das Thema 'Umgang mit Kunden' sprechen."

Bahnsprecher: "Eine Ermahnung hätte gereicht"

Der Bahn zufolge hätte die Kontrolleurin einen Abwägungsspielraum gehabt. "Die bessere Entscheidung wäre gewesen, die Tickets zu entwerten und die Klasse nach einer Ermahnung weiterfahren zu lassen", sagte der Sprecher. Die Deutsche Bahn will, wenn sich der Sachverhalt bestätigen sollte, auf die Klasse zugehen. "Dann wären etwa ein Reisegutschein oder ein Blick hinter die Kulissen der Bahn ein mögliches Angebot", sagte der Sprecher.

Ähnlich unverhältnismäßig hatte im Januar 2010 eine Schaffnerin in Brandenburg reagiert. Ein 16-jähriges Mädchen hatte angeblich einen falschen Fahrschein gelöst. Da sie nicht genügend Geld für ein Nachlöseticket dabei hatte, musste sie um 21.45 Uhr am Bahnhof Königs Wusterhausen aussteigen und bei minus 18 Grad eine Stunde lang auf ihre Abholung warten.

Ein Sprecher der Bahn sagte damals, dass die Mitarbeiter von dem Vorfall geschockt seien. In Schulungen und Rundschreiben sei wiederholt darauf hingewiesen worden, dass Minderjährige selbst im Zweifelsfall nicht aus dem Zug zu weisen seien.

abl/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 384 Beiträge
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Seite 1
freiheitstehauf 26.11.2013
1. Ist nicht bei der Deutschen Bahn,
gerade die Schaffnerin fürs entwerten der Tickets zuständig, also nach Deutsche Bahn liest sich der Artikel nicht, denn es gibt auch keine Möglichkeit seine Tickets selbst zu entwerten. Daher Skandal und grober Fehler der Logik.
ratschbumm 26.11.2013
2. Die bei der Bahn in solchen Jobs tätigen
Zitat von freiheitstehaufgerade die Schaffnerin fürs entwerten der Tickets zuständig, also nach Deutsche Bahn liest sich der Artikel nicht, denn es gibt auch keine Möglichkeit seine Tickets selbst zu entwerten. Daher Skandal und grober Fehler der Logik.
habe ich bereits häufiger als "not the sharpest knife in the drawer" wahrnehmen können. Da werden sich zukünftig in vielen anderen Branchen noch ganz andere Knaller abspielen. Jedem Deutschen eine Schirmmütze, Trillerpfeife und eine Uniformjacke, sei es die der Feuerwehr und schon ist ein kleiner Gott geboren.
profni 26.11.2013
3. Keine Zivilcourage!
Ich frage mich, warum die Lehrerin unter diesen Umständen nicht einfach drin geblieben ist mit ihren Schülern. Die Schaffnerin hätte dann möglicherweise die Polizei geholt und die Lehrerin hätte denen das Versehen erklärt. Die hätten dann evtl. noch Personalien aufgenommen (wahrscheinlich nur von der Lehrerin), und die Sache mit der späteren Rechnung von der Bahn hätte sich notfalls mit Medienunterstützung bald geklärt.
suseliebesuse 26.11.2013
4. wohl kein bahnfahrer
Da hat wohl jemand keine Ahnung vom Bahnfahren. Gruppentickets oder Tagestickets müssen sehr wohl am Startbahnhof vom Reisenden selbst entwertet werden, denn diese können bereits zuvor gekauft werden und gelten dann am Entwertungstag. hierzu dienen die kleinen roten oder blauen Kästen am Bahnsteig. Leidet funktionieren sie nicht immer oder Leute, die selten bahnfahren wissen dies nicht. Schade für die Bahn, denn ich denke ein Schaffner sollte sehr wohl einschätzen können, ob eine Lehrerin mit einer ganzen Klasse im Schlepptau mit Jugendlichen verglichen werden kann, die mit dieser Masche immer wieder versuchen schwarz zu fahren.
chb_74 26.11.2013
5. Klasse Werbung!
Was werden die Jugendlichen wohl für einen Eindruck nach der Bahnfahrt haben, wenn sie bislang eher nur mit dem Auto gefahren sind? "Bahnfahren ist kacke, nur Stress und unfreundliche Beamte, voll doof!". Herzlichen Glückwunsch, DB, da hat die Schulung und Auswahl der Kundenbetreuer ja wieder perfekt funktioniert... Diese Dame ist, und das kann man auch ohne ihre "Befragung" ziemlich sicher konstatieren, für den Innendienst weit besser geeignet, als für den Kundendienst. Kundendienst sucht *mit* dem Kunden eine Lösung für Probleme, die allen Seiten gerecht wird. Hier: Abstempeln der Karte mit der Zange, freundlicher Hinweis auf die Notwendigkeit des Entwertens grundsätzlich vor Fahrtantritt, "Gute Weiterreise!" und Abgang. Alles andere ist *völlig inakzeoptabel* für ein Dienstleistungsunternehmen, egal, ob die Lehrerin vielleicht ein bisschen bockig oder grantig war oder was auch immer! Ich fahre täglich im Regionalverkehr, und so manche Zugbegleiter sind da echt fehl am Platz - viele allerdings sind auch ausnehmend freundlich, das sollte man genauso erwähnen. Die DB muss härter daran arbeiten, die "Pflaumen" aus dem Dienst an der "Kundenfront" auszusortieren, sonst schadet sie sich anhaltend. Image ist im Wettbewerb nicht zu unterschätzen...
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