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Britische Urlauber: Ägypten untersagt Easyjet-Flüge nach Scharm al-Scheich

Flughafen Scharm al-Scheich: Tausende Briten wollen nach Hause Fotos
AFP

Nach dem Absturz des russischen Airbus will die britische Regierung ihre Staatsbürger vom Sinai nach Hause holen. Doch die ägyptischen Behörden verhindern die Landung von Easyjet-Flugzeugen.

Britische Fluggesellschaften sollten am Freitag im ägyptischen Scharm al-Scheich gestrandete Briten nach Hause holen. Die Regierung in London hatte am Donnerstagabend grünes Licht für die Aktion gegeben.

Jetzt meldet die britische Fluglinie Easyjet: Die ägyptischen Behörden würden derzeit ihre Flugzeuge zur Rückholung von Touristen in Scharm al-Scheich nicht landen lassen.

Dies bedeute laut Easyjet, dass acht von zehn für Freitag geplanten Flügen des Billigfliegers ausfielen. Zwei Maschinen nach London-Gatwick und London Luton mit insgesamt 359 Passagieren an Bord seien bereits gestartet, hieß es am Mittag. Easyjet empfiehlt Kunden, in den Hotels zu bleiben und ihre Buchungen möglichst um zwei Tage zu verlängern.

Auch andere Airlines meldeten am Abend, dass ihre Abflüge nicht genehmigt wurden. So gab der britische Billigflieger Monarch bekannt, dass zwar inzwischen vier von fünf Maschinen in Scharm al-Scheich gelandet seien. Aber nur zwei davon am Freitag wieder starten dürften. Ein fünftes Flugzeug wurde nach Zypern umgeleitet. Auch zwei Thomson-Maschinen nahmen auf Zypern statt nach Ägypten Kurs, eine Thomas-Cook-Flugzeug aus Manchester wendete laut Planefinder in Albanien.

Zu viel Gepäck auf dem Flughafen

Laut der ägyptischen Luftfahrtbehörde ist eine Überlastung des Flughafens für den Engpass verantwortlich. "Tausende Menschen an einem Tag auszufliegen, ist sehr schwierig. Alle müssen die Sicherheitsmaßnahmen durchlaufen. Der Flughafen kann nicht alle diese Flugzeuge gleichzeitig abfertigen", sagte ein Sprecher. Das britische Transportministerium teilte mit, man arbeite mit Hochdruck daran, mit ägyptischen Behörden eine Lösung zu finden.

Ursprünglich sollten am Freitag nach ägyptischen Angaben 29 Maschinen britische Touristen ausfliegen. Dabei sollten besonders strenge Sicherheitsvorschriften gelten: Unter anderem dürften die Passagiere nur Handgepäck mitnehmen, sagte eine britische Regierungssprecherin. Das Gepäck solle nachgeliefert werden. Britische Sicherheitsexperten sind in Scharm al-Scheich, um zusätzliche Kontrollen durchzuführen.

Nun ist es wohl auch das von britischen Flugzeugen zurückgelassene Gepäck, welches den Betrieb am Flughafen von Scharm al-Scheich behindert. Wie der ägyptische Minister für zivile Luftfahrt, Hussam Kamal, erklärte, könne der Airport nicht mehr als 120 Tonnen an Koffern aufbewahren. "Diese große Menge beeinträchtigt den Rest der nationalen und internationalen Flüge", sagte Kamal. Zurzeit sei geplant, ein Flugzeug lediglich für den Transport des Gepäcks einzusetzen.

Cameron sieht Wahrscheinlichkeit für Bombenanschlag

Aus Sorge vor Terroranschlägen hatte die britische Regierung am Mittwoch alle Flüge zwischen Großbritannien und dem beliebten Urlaubsort am Roten Meer gestoppt. Grund ist die Vermutung, dass an Bord des über der Sinai-Halbinsel abgestürzten russischen Passagierfluges eine Bombe explodiert sei.

Der Ferienflieger mit 224 Menschen an Bord war am Samstag kurz nach dem Start in Scharm al-Scheich abgestürzt. Keine der Passagiere überlebten das Unglück. Die laufende Untersuchung hat noch keine Ursache ergeben. Die Ermittlungen könnten Monate dauern, sagte der Chef des russischen Luftfahrtamts, Alexander Neradko.

Cameron sagte am Donnerstag, es sehe "mit zunehmender Wahrscheinlichkeit" danach aus, als hätten Terroristen eine Bombe an Bord geschmuggelt. Die britische Regierung berief sich unter anderem auf Geheimdienstinformationen. Minister Kamal wies diese Vermutung erneut zurück. Ägypten sehe sich einem "erbitterten Krieg" ausgesetzt, der dem Land schaden solle. Er wies zugleich Meldungen zurück, in Gepäck von Opfern seien Reste von Sprengstoff gefunden worden. Ein Terroranschlag könnte schwere Folgen für die ägyptische Tourismusindustrie haben.

Die USA prüfen nach Worten von Präsident Barack Obama sehr genau, ob eine Bombe den russischen Ferienflieger auf dem Sinai zum Absturz gebracht hat. Es gebe die Möglichkeit, dass eine Bombe an Bord war, sagte Obama dem Radiosender CBS. "Wir nehmen das sehr ernst."

Es sollen bis zu 20.000 Briten in der Region sein. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) befanden sich dort auch 2000 Deutsche - viele deutsche Urlauber bevorzugen Hurghada. Auch deutsche, irische und niederländische Fluglinien strichen Verbindungen nach Scharm al-Scheich.

Belgien zweifelt an Flughafensicherheit

Während die Regierung in London von allen nicht notwendigen Flugreisen nach Scharm al-Scheich abrät, hat das Auswärtige Amt bislang lediglich einen Hinweis auf das Flugzeugunglück herausgegeben und rät: "Betroffenen wird empfohlen, Kontakt zu ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluggesellschaft aufzunehmen."

Inzwischen rät auch das belgische Außenministerium von Reisen nach Scharm al-Scheich ab. Es gebe keine ausreichenden Garantien für die Sicherheitskontrollen auf dem dortigen Flughafen, sagte Außenminister Didier Reynders der belgischen Nachrichtenagentur Belga. "Wir kennen noch nicht die Ergebnisse der Untersuchung." Das französische Außenministerium riet den Bürgern davon ab, nach Scharm al-Scheich zu reisen, wenn es nicht unbedingt nötig sei.

Russland hat bislang keine Maßnahmen im Luftverkehr getroffen. "Wir fliegen ohne Veränderungen", sagte Sergej Iswolski vom Luftfahrtamt in Moskau dem Radiosender Echo Moskwy. Russland weist den Verdacht auf einen Bombenanschlag bislang als Spekulation zurück.

Die niederländische Fluggesellschaft KLM teilte mit, dass auf einem Flug von der ägyptischen Hauptstadt Kairo nach Amsterdam kein Aufgabegepäck befördert werde. Die Entscheidung sei "auf Grundlage nationaler und internationaler Informationen" getroffen worden. Es handle sich um eine "Vorsichtsmaßnahme", erklärte das Unternehmen.

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abl/dpa/Reuters/AFP/AP

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