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Insel im Südatlantik: Das letzte Postschiff nach St. Helena

Cricketturniere, Quizspiele, tagelang Ozeangucken: Ein britisches Postschiff fährt 17-mal pro Jahr von Kapstadt zur Insel St. Helena, wo einst Napoleon starb. Nun buchen mehr Touristen als je zuvor die Route, denn bald wird sie Geschichte sein.

Von Kapstadt nach St. Helena: Fünf Tage auf dem Ozean Fotos
AFP

Fünf Tage hin, fünf Tage zurück. Wer St. Helena besuchen möchte - jene Insel, auf die Napoleon verbannt wurde - muss eine lange Schiffsreise einplanen. Das Eiland im Südatlantik ist bislang nur zu Wasser zu erreichen, alle drei Wochen startet ein britisches Postschiff vom südafrikanischen Kapstadt aus. Doch die Zeit der Abgeschiedenheit ist bald vorbei: Im Februar kommenden Jahres soll ein Flughafen auf St. Helena eröffnen. Bis dahin aber ist die "St. Helena" die einzige Verbindung.

"Die Hälfte der Passagiere sind jetzt Touristen", sagt John Hamilton, der das Unterhaltungsprogramm auf dem Schiff organisiert. "Die Leute wollen die Fahrt unternehmen, bevor eine Epoche zu Ende geht und das Schiff seinen Dienst einstellt." Hamilton veranstaltet Quizspiele und Cricketturniere im Kleinformat, während die "St. Helena" mit gemächlichen 28 km/h über das meist ruhige Meer fährt.

Maximal 158 Passagiere finden auf dem Schiff Platz, wegen der gestiegenen Nachfrage in den vergangenen Monaten wurden eigens noch einige Kabinen eingebaut. Tickets für eine einfache Fahrt kosten umgerechnet zwischen 600 und 2900 Euro.

Die Fahrgäste sonnen sich an Deck, schwimmen im kleinen Pool, stricken und lesen. "Es ist toll, man lernt Leute kennen und schließt Freundschaften. An Bord wird man fast zu einer Familie", sagt Manuela Patterson aus Kapstadt, die mit ihrem Mann nach St. Helena reist. "Im Flugzeug wird das sicher ganz anders sein."

Statt 17-mal im Jahr wie das Schiff wird das Flugzeug wöchentlich zwischen Südafrika und der Insel verkehren, der Flug von Johannesburg wird viereinhalb Stunden dauern. Die Flugverbindung wird das Leben der 4200 Inselbewohner verändern. Das Schiff ist bislang ihre einzige Verbindung zur Außenwelt, fast alles, was sie brauchen, muss 3100 Kilometer übers Meer transportiert werden.

Neue Kreuzfahrten nach St. Helena

Schon jetzt hat der Flughafen das Inselleben gehörig durcheinandergebracht. Seit mehr als drei Jahren wird an dem Airport gebaut, ein Tal musste aufgeschüttet und ein Berg abgetragen werden. Hunderte thailändische Arbeiter leben seither auf St. Helena.

Die Insel ist britisches Überseegebiet und wäre vermutlich genauso unbekannt wie die dazugehörigen Inseln Ascension und Tristan da Cunha, hätten die Briten 1815 nicht den französischen Kaiser Napoleon I. dorthin verbannt. Einen abgeschiedeneren Ort hätten sie kaum finden können. Richtung Osten sind es fast 2000 Kilometer bis zum afrikanischen Festland, Richtung Westen 3000 Kilometer bis zur brasilianischen Küste.

Sandra Isaac stammt von St. Helena. Vor 25 Jahren hat sie die Abgeschiedenheit verlassen und zog nach England. Für die Besuche in der Heimat musste sie bislang zehn Tage Urlaub allein für die An- und Abreise einplanen. "Ich kann es kaum erwarten, bis der Flughafen eröffnet", sagt sie. "Aber die Schiffsreise zur Insel werde ich vermissen."

Laut Programm wird die "St. Helena" noch bis April 2016, also zwei Monate nach Beginn des Flugverkehrs, die Insel ansteuern. Danach überlegt die Reederei, Kreuzfahrten von Großbritannien aus zu der Insel anzubieten. Diese werden dann noch ein paar Tage länger dauern.

jus/AFP

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Wird der Fährverkehr wirklich eingestellt?
lensenpensen 20.04.2015
Das kann ich mir nicht vorstellen, wenn auf der Insel wirklich über 4 000 Menschen leben. Denn alle Versorgungsgüter nun einzufliegen wäre sicherlich viel zu teuer. Haltbare und planbare Verbrauchsgüter (gerade Betriebs- und Baustoffe) werden sicherlich weiter per (Post-) Schiff kommen.
2. Dit glob ick nich ...
sackhuepfen 20.04.2015
Es gab vor einiger Zeit eine schöne Doku auf Arte, bei der eine Familie bei ihrem Umzug nach St. Helena begleitet wurde. Die brachten gleich einen ganzen Container voll Hausrat plus Kfz mit. Ich glaube kaum, dass das jetzt per Flugzeug transportiert wird. Oder etwa doch? Antonow? Der Artikel klingt, als würde der Dienst eingestellt, das halte ich für unwahrscheinlich. Es müssen doch auch weiterhin Waschmaschinen, Generatoren, Bagger, Rasenmäher und was was ich dorthin verfrachtet werden. St. Helena hat keinen Hafen, die Fracht muss per Kran im Meer auf kleinere Schiffe umgeladen werden – das kann auch kein anderes Schiff. Aber wenn die Reederei das so sagt ...
3.
NauMax 20.04.2015
Zitat von lensenpensenDas kann ich mir nicht vorstellen, wenn auf der Insel wirklich über 4 000 Menschen leben. Denn alle Versorgungsgüter nun einzufliegen wäre sicherlich viel zu teuer. Haltbare und planbare Verbrauchsgüter (gerade Betriebs- und Baustoffe) werden sicherlich weiter per (Post-) Schiff kommen.
Die regelmäßige Verbindung wird wohl eingestellt und schwere Bestimmungsgüter (wie z.B. Baustoffe) dann wohl per Frachter geliefert
4. ...
jujo 20.04.2015
Es werden weiterhin Frachtschiffe dorthin fahren. Nur der Personentransport mit einem sogenannten Postschiff wird wohl eingestellt.
5. Tourismus?
meergans 21.04.2015
Der spielt bei dem Flughafenprojekt eine Nebenrolle, die propagandistisch genutzt wird. Motto: " Wie erlär' ich's meinem Kinde." Wer die wahre Bedeutung des Tourismus für dieses winzige Eiland kennt, dem ist klar, daß dieser Flughafen aus militärstrategischen Gründen entsteht. Natürlich dürfen da gelegentliche Touristen auch mal. Wie auf dem Flugplatz Sal auf der gleichnamigen Kapverdischen Insel, der enorme Bedeutung für die NATO hat.
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