Von Maren Hoffmann
Hamburg - Die jungen Moskauer Architekten Michail Krymow und Alexej Gorjainow sind viel auf Reisen. Eines Tages saßen die beiden mal wieder an einem lauten, unfreundlichen russischen Terminal und warteten auf ihren Anschlussflug. Am liebsten hätten sie sich aufs Ohr gelegt, aber wo? Für ein paar Stunden extra in ein Hotel einzuchecken war keine echte Option. "Und so fingen wir an zu phantasieren", erzählt Krymow.
Das Ergebnis ihrer schlaflosen Stunden am Flughafen steht jetzt am Moskauer Airport Scheremetjewo: eine "Sleepbox" mit Kojenbetten, in der zwei Personen Platz finden. Der Prototyp ist mit einer hoffnungsfrohen Nummer 01 versehen. Mieten kann man ihn noch nicht, er soll vor allem die Neugierde potentieller Kunden wecken und zeigen, wie das Konzept funktioniert. "Wir wollen nicht ins Hotelgeschäft einsteigen", sagt Krymow, "aber wir hoffen auf Auftraggeber aus diesem Sektor, die unsere Sleepboxes betreiben möchten."
Wer am Münchener Flughafen auf einen Transatlantikflug wartet, kann das dort schon seit einiger Zeit in einer Box tun. "Napcabs" heißen die beiden Schlafkabinen, dort seit zwei Jahren dauerhaft in Betrieb sind. Eine Stunde Aufenthalt kostet tagsüber 15 Euro, nachts 10 Euro, es gibt einen Touchscreen mit Wecker und Musikprogramm und Internetanschluss. Nach jeder Nutzung wird die Kabine gereinigt.
Auch das Militär interessiert sich für Schlafboxen
Als Mitbewerber auf dem Markt der Flughafenschlafplätze sieht "Napcabs"-Geschäftsführer Krause am ehesten Konzepte wie das von Yotel, die an den Flughäfen in London und Amsterdam Kabinenhotels nach japanischem Vorbild betreiben, die ebenfalls stundenweise genutzt werden können. In Delhi gibt es ebenfalls einige Schlafboxen: Sie stehen unter dem ebenso poetischen wie rätselhaften Namen "Sams Snooze at My Space" am Terminal 3 des Indira Gandhi International Airport bereit, für neun US-Dollar pro Stunde. In Kopenhagen gab es vor einigen Jahren einen ähnlichen Versuch, der allerdings wieder beendet wurde.
Die "Sleepbox" der russischen Architekten hat einige Vorteile, die den bisher nicht in Schwung gekommenen Mini-Hotel-Markt aufwecken könnten: Sie sieht cool aus, ist gut durchdacht und dank ihrer modularen Bauweise nicht teuer zu errichten. Ab 10.000 Euro bieten die beiden eine einzelne Box an, Fertigungszeit zwei Monate. Für Großbesteller wird es freilich um ein paar tausend Euro billiger, Klimaanlagen und Hightech-Ausstattungen kosten extra.
Krymow nimmt außer Flughäfen auch Bahnhöfe, Einkaufszentren und Hotelketten ins Visier. "Es ist ein komplett neuer Markt", sagt er, "wir haben selbst keine Ahnung, wie groß er sein könnte. Aber wir bekommen Anfragen aus aller Welt - auch aus Bereichen, an die wir selbst gar nicht gedacht haben, etwa von Obdachlosenprojekten und aus Militärkreisen."
Und auch Krause will die "Napcabs"-Idee, die vor einigen Jahren als studentisches Projekt startete, weiter vorantreiben. Bisher sind die Boxen selbst in München noch wenig bekannt, weil sie im nicht frei zugänglichen Umsteigebereich für die Transatlantikflüge stehen. Krause ist derzeit in Verhandlungen mit mehreren Flughäfen; und auch in seinem Heimathafen München gibt es schon Planungen für weitere Boxen.
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