Schlösser und Alarmanlage: Wie Radler ihren Drahtesel sichern können

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Langfinger lieben Fahrräder: Hunderttausende werden jährlich geklaut - und das kann bei teuren Geräten einen großen Verlust darstellen. Mit gut gewählten Abstellplätzen, einem guten Schloss und einer Alarmanlage kann den Dieben der Klau jedoch erschwert werden.

Abstellplatz, Schloss, Alarmanlage: Wie schütze ich mein Fahrrad vor Diebstahl Fotos
carroux.com

Wie ärgerlich! Man war zwei Stunden im Kino - und dann ist das Rad weg. Einfach geklaut! Gut, das Schloss war nicht das Beste, aber warum gerade das eigene Rad? Wie kommt man jetzt zu so später Stunde noch nach Hause? Und wie morgen früh pünktlich ins Büro?

307.000 Diebstähle von Fahrrädern wurden 2010 bundesweit gemeldet. Zwar ist die Zahl der entwendeten Drahtesel in den letzten 20 Jahren deutlich gesunken. Anfang der neunziger Jahre lag sie noch bei mehr als 500.000. Doch Räder sind nach wie vor ein beliebtes Klauobjekt. Immerhin 13 Prozent aller polizeilich erfassten Diebstähle betreffen Fahrräder.

Ob ein gutes Schloss geholfen hätte? Inzwischen weiß eigentlich jeder Radfahrer, dass man sein Gefährt möglichst immer an einem Bügel, Zaun oder an einer Laterne anschließen sollte. Doch selbst stabile Bügelschlösser bieten keinen hundertprozentigen Schutz. Weil das Aufsägen des Stahls zu aufwendig ist, wird der Schließmechanismus mit Eisspray oder Spezialwerkzeugen bearbeitet. Mitunter lässt sich ein teures Schloss sogar mit einem Kugelschreiber öffnen, wie vor einigen Jahren der Fall Kryptonite gezeigt hat.

Trotzdem kann man die Chancen von Dieben minimieren: Das Rad sollte dort angeschlossen werden, wo es gut sichtbar ist, also nicht in einer dunklen Seitenstraße. Es zur Spätvorstellung neben dem Kino abzustellen war sicher nicht so clever. Diebe können dann davon ausgehen, dass sie genügend Zeit zum Knacken des Schlosses haben. Sicherer hätte das Rad womöglich 50 Meter weiter vor einer gut besuchten Kneipe gestanden.

Sicherheitslevel 6, 10 oder 15?

Generell gilt: Das Rad darf nicht als lohnenswertes Diebesgut erscheinen - Besitzer schicker Fahrräder haben da manchmal schlechte Karten. Helfen kann da natürlich ein robustes Schloss. Je mehr Arbeit es macht, dieses zu knacken, umso eher vergreift sich der Dieb am Rad daneben, das nur mit einem billigen Seilschloss gesichert ist.

Was aber zeichnet ein gutes Schloss aus? Hersteller wie Abus, Kryptonite oder Trelock haben für ihre Schlösser Sicherheitsskalen entwickelt, die dem Kunden Orientierung geben sollen. Dummerweise hat jedoch jeder Hersteller seine eigene Skala. Bei Abus gibt es 15 Levels, bei Trelock 6 und bei Kryptonite 10. Natürlich steigt mit der Sicherheitsstufe auch der Preis. Die kaum überraschende Botschaft der Hersteller lautet daher: Teurer ist besser.

Der letzte große Schlossvergleich der Stiftung Warentest liegt leider schon fünf Jahre zurück - und so muss sich der Käufer vor allem auf Tipps seines Fahrradhändlers verlassen und seine ganz persönlichen Bedürfnisse berücksichtigen.

Massive Bügelschlösser haben den Vorteil, dass sie mit roher Gewalt nur schwer zu knacken sind. Seit längerem gibt es aber auch sehr robuste Stahlketten-Schlösser. Oft ist die Kette ummantelt, damit sie keine Schäden am Lack anrichtet. Kettenschlösser sind flexibler als Bügelschlösser, und sie passen auch um einen dicken Laternenmast. Je länger die Kette ist, umso schwerer sind sie jedoch auch.

Eine Mischung zwischen Ketten- und Bügelschloss bilden die Faltschlösser, die Abus und Trelock im Programm haben. Das Schloss gleicht einem Zollstock aus Stahl, bei dem die beiden Enden mit einem Schloss verbunden sind. Wegen dieser Konstruktion sind Faltschlösser zusammengeklappt sehr kompakt. Man kann sie gut in einer kleinen Tasche verstauen, die an den Rahmen geschraubt ist. Bei manchem Bügelschloss ist die Befestigung am Rad schwieriger.

Lauter Alarm statt schwerem Stahl

Der Nachteil aller stabilen Schlösser ist ihr Gewicht. Das lässt sich leider kaum vermeiden, denn einfaches Blech oder ein dünnes Stahlseil schützen nicht vor Dieben. Ein Schnitt mit dem Seitenschneider oder ein kräftiger Ruck mit dem Brecheisen genügt, um ein Rad zu klauen.

Massive Schlösser mögen in der Stadt die beste Lösung sein, Radwanderer können aber auch ein besseres Stahlseilschloss mit einer Mini-Alarmanlage kombinieren. Mit dem Stahlseil sichern sie das Rad gegen einfaches Wegschieben oder Wegtragen. Und ein Alarm schlägt Diebe in die Flucht, die sich nachts am Rad zu schaffen machen, während man im Zelt oder im Hotelzimmer schläft.

Einfache Alarmschlösser, die eigentlich für Motorräder konzipiert sind, kann man mitunter an der Bremsscheibe seines Rades befestigen - sofern vorhanden. In den Schlössern steckt ein Erschütterungssensor. Sobald das Rad bewegt wird, geht der Alarm los. Anbieter sind beispielsweise Abus und Xena.

Etwas raffinierter ist das Alarmsystem Kevin aus der Schweiz. Es besteht aus zwei kleinen Plastikteilen, die jeweils so groß wie eine Streichholzschachtel sind. Den Sender versteckt man in einer Fahrradtasche oder unterm Sattel - den Empfänger trägt man bei sich. Sobald sich der Sender mehr als 10, 15 Meter vom Empfänger entfernt, schlagen beide Geräte Alarm. Zusätzlich kann man beim Sender auch einen Erschütterungssensor einschalten. Dann geht der Alarm schon los, sobald das Rad berührt wird.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat sich übrigens vorgenommen, die Sicherheit von Fahrradschlössern künftig zu zertifizieren. Dann hätten Verbraucher endlich Klarheit darüber, was von einem bestimmten Schloss zu halten ist. Im Unterschied zur Stiftung Warentest will sich der ADFC für seine ausführliche Prüfung jedoch von den Herstellern bezahlen lassen. Diese könnten dann zwar mit einem ADFC-Zertifikat werben, aber einen wirklich unabhängigen Vergleichstests gibt es auch dann nicht.

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insgesamt 35 Beiträge
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1.
Stäffelesrutscher 19.04.2012
»Zusätzlich kann man beim Sender auch einen Erschütterungssensor einschalten. Dann geht der Alarm schon los, sobald das Rad berührt wird.« So nett die Idee auch ist - aber die Vorstellung, dass auf einem Fahrradparkplatz an der Uni, am Bahnhof oder vor dem Supermarkt alle zwei Minuten ein Alarm losgeht, weil jemand das Rad gestreift oder 10 cm zur Seite gestellt hat, klingt nicht sehr erfolgversprechend.
2. Erschweren - ja....
Jonny_C 19.04.2012
Zitat von sysopcarroux.comLangfinger lieben Fahrräder: Hunderttausende werden jährlich geklaut - und das kann bei teuren Geräten einen großen Verlust darstellen. Mit gut gewählten Abstellplätzen, einem guten Schloss und einer Alarmanlage kann den Dieben der Klau jedoch erschwert werden. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,826646,00.html
....nützt aber gar nichts wenn die Schweinebande einem dann explizit den Keller aufbricht ! Die haben gesehen wie ich die teuren Mountis in den Van geschoben haben und 3 Wochen später waren die schönen Teile weg. Von der Hausratversicherung (inzwischen gekündigt) gab es ganze 150,- € pro Rad - na toll. Auf der anderen Seite ist es doch genauso lächerlich wenn man beim Fahrradgewicht an jedem Gramm spart (Titanschrauben !) um sich dann ein 3 kg schweres Sicherheitsschluss ans Rad zu hängen, oder in der Gepäcktasche mitzuführen. Ich plädiere dafür es wie im "Wilden Westen" bei Pferdedieben zu machen, Fahrraddiebe an der nächsten Laterne aufknöpfen.... O.K. war ein Gag... ;-)
3. Wir fahren alle wieder Auto
Psycha 19.04.2012
---Zitat--- Mobile Alarmanlage Kevin: Das Sicherungssystem Kevin besteht aus den zwei Komponenten Sender und Empfänger. Der Sender steckt beispielsweise in der Fahrradtasche oder ist unter dem Sattel versteckt. Entfernt sich der Sender mehr als 10, 15 Meter vom Empfänger, geht der Alarm mit 105 dB los. ---Zitatende--- Der Sender steckt in der Fahrradtasche oder ist unter dem Sattel versteckt? Da entferne ich als Dieb doch den Sender, entsorge ihn im nächsten Gully und schwinge mich aufs Rad. Nachdem ich neulich an ein paar auf einer Parkbank sitzenden Jugendlichen vorbeigelaufen bin und es piepte, sagte einer der Jugendlichen: "Oh, da laufen sogar zwei Handys", womit er recht hatte. Technik macht´s möglich. Solange Lastwagen mit Anhänger vollbeladen mit durchnumerierten "Fahrradteilen" ungehindert die Grenze passieren, wird niemand den Fahrradklau stoppen. In unsreren Rekordjahr 1988 haben wir, vier Personen, fünf Fahrräder gelassen.
4.
Anindo 19.04.2012
...die eigene Wohnung. Ich fahre eh nur noch Faltraeder, momentan ein Birdy und ein Brompton und die passen in die kleinste Bude. Da regnet es dann auch nie und putzen kann man die unter der Dusche, wenn man keine Wanne hat. Viele denken ja immer noch, Faltraeder wären langsamer als grosse, aber auf meinen Strecken bin ich mit einem guten Stevens Cross-Rad nicht einen Hauch schneller. Auch der Komfort laesst kaum Wuensche uebrig. Ein Birdy ist gefedert wie ein Fully, hat aber dank der kleineren Reifen weniger Reifenauflage und kann bei gleichem Reibungsverlust mit dickeren Reifen gefahren werden. Grosse Reifen haben eigentlich nur im Gelaende Vorteile und wenn man viel Gepaeck unterbringen will, mit dem entsprechendem Rad. Ansonsten sind grosse Laufraeder nur preiswerter und dafuer viel unpraktischer. Und wenn ein Rad ueber 1000 Euro gekostet hat und draussen steht, sollte man lieber auf eine Versicherung als auf das Schloss setzen.
5.
Ingmar E. 19.04.2012
Das wichtige ist, dass ein Bügelschloss ist. Da sind aber auch die der niedrigsten Qualitätsstufe schon so fest, dass man mit einer Akku-Flex viel zu lange braucht, und ne Netz-Flex braucht. Der Schließmechanismus muss unbedingt ein Drehscheiben-Schloss sein. Die Schlüssel sehen dann so rund aus wie bei Abus Granit. Kryptonite mit der alten Geschichte vom Kugelschreiber zu traktieren, ist etwas unfair. Nach diesem Debakel führten sie die Drehscheibenschlösser in allen Preisklassen ein. Bei Abus gibts die erst in den teureren Klassen. Man kann also sagen, ein preiswertes Abus-Bügelschloss ist wesentlich sicherer als ein preiswertes Kryptonite und solche Techniken wie im youtube-video gezeigt, funktionieren bei keinem Kryptonite-Bügelschloss. Ich fahre Abus, aber nur weil ich mit einem Schlüssel gleich mehrere Schlösser bedienen möchte (so kann ein schweres Schloss bei der Arbeit hängenbleiben, und eins vor der Haustür, und ich muss nicht immer 2kg Bügelschloss mit mir rumfahren). Hätte ich das nicht benötigt, wäre Kryptonite meine Wahl gewesen, da hätte ich Drehscheibenschlösser auch bei der preiswertesten Schlossgruppe bekommen. Gleiche Sicherheit für weniger Geld. Leider geht das mit dem einheitlichen Schlüssel für alle Schlösser nicht bei Kryptonite. Jedes Rad wiegt 20kg ;) : Ein Rad was 20kg wiegt, braucht kein Schloss. Ein Rad was 15kg wiegt, braucht 5kg Schlösser Ein Rad was 10kg wiegt, braucht 10kg Schlösser.
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Zum Autor

Holger Dambeck, Jahrgang '69, arbeitet seit 2004 als Wissenschaftsredakteur bei SPIEGEL ONLINE. Er fährt praktisch täglich Fahrrad und hat schon diverse Urlaube im Sattel verbracht.