Schnee und Eis Winterchaos in Westeuropa - viele Flugausfälle in Frankfurt

In weiten Teilen Westeuropas sorgt das Winterwetter für massive Ausfälle im Verkehr - in der Normandie saßen rund tausend Autofahrer fest. Der Frankfurter Airport hat eine seiner vier Startbahnen von Schnee befreien können. Mit Ausfällen müssen Reisende dennoch für den Rest des Tages rechnen.

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Frankfurt am Main - Seit 13.30 Uhr heben wieder Flugzeuge vom Frankfurter Flughafen ab. Wie ein Sprecher des Betreibers Fraport sagte, ist eine von vier Pisten wieder geöffnet. Wann die weiteren Anlagen ebenfalls in Betrieb gehen können, ist noch unklar. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran", sagte der Sprecher. Landungen waren um 14 Uhr weiterhin nicht möglich, nur vereinzelte Starts.

Der größte deutsche Flughafen war am späten Dienstagvormittag wegen starken Schneefalls geschlossen worden. Die Fahrzeuge seien mit dem Räumen nicht nachgekommen, sagte der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte. Auch die Crews der Fluggesellschaften hätten wegen des Winterwetters Probleme gehabt, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Der Enteisungsbetrieb koste ebenfalls Zeit.

Die Bremswerte, die nötig waren, um sicher zu starten und zu landen, waren nicht gegeben, sagte ein Flughafensprecher SPIEGEL ONLINE. Insgesamt mussten bis zum Nachmittag mehr als 400 der 1238 geplanten Flüge gestrichen werden, die Zahl werde sich aber voraussichtlich noch erhöhen.

In den Terminals sei die Situation derzeit ruhig - auch weil einige Airlines schon am Vortag vorausschauend Flüge gestrichen hätten. Passagieren wird empfohlen, unbedingt ihre Airline zu kontaktieren. Auch im Lauf des Nachmittags und am Mittwoch müssen Fluggäste noch mit Verzögerungen rechnen, da die Flugpläne durcheinandergeraten seien, sagte der Sprecher. Man bereitete sich darauf vor, dass Passagiere am Flughafen übernachten müssten. Es würden Feldbetten aufgestellt und wartende Passagiere mit Getränken und Snacks versorgt.

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Schneechaos in Europa: Reisende stecken fest
Auf bundesdeutschen Straßen sorgten Schneefall und Glatteis für Behinderungen und zahlreiche Unfälle. In Mittelhessen kam es auf der Autobahn 45 laut Polizei zu einer Massenkarambolage von bis zu 100 Fahrzeugen. Dutzende Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Frankfurt am Main ist nicht der einzige große europäische Flughafen, der mit dem erneuten Wintereinbruch zu kämpfen hat. In Frankreich wurden am Airport Paris-Charles de Gaulle am Dienstag 25 Prozent aller Flüge annulliert, in Paris-Orly waren es 20 Prozent. Dort ist am Vormittag bei der Landung ein Flugzeug der Tunisair mit 140 Menschen an Bord von der Bahn gerutscht. Verletzte gab es nicht.

Im Norden und Westen Frankreichs sowie im Großraum Paris ging wegen heftiger Schneefälle praktisch nichts mehr: Zahllose Fern- und Pendlerzüge sowie Busse und Flüge fielen aus, rund tausend Autofahrer saßen im Norden in ihren eingeschneiten Fahrzeugen fest. Besonders dramatisch war die Lage in der Basse-Normandie am Ärmelkanal, wo binnen kürzester Zeit bis zu 60 Zentimeter Schnee fielen und sich durch starke Windböen der Schnee teils bis auf 1,50 Meter auftürmte. Zwei Menschen starben vermutlich wegen der Kälte. Der Wetterdienst Météo France forderte die Bewohner der Region auf, zu Hause zu bleiben.

Die Regierung Frankreichs berief einen Krisenstab ein, um des Chaos Herr zu werden. Chaotisch war die Lage auch weiter östlich Richtung belgische Grenze. Drei TGV-Hochgeschwindigkeitszüge mit insgesamt fast 400 Passagieren steckten über Stunden in der Nähe der Stadt Amiens fest, wie die Staatsbahn SNCF mitteilte. Zwischen Calais und Boulogne-sur-Mer begrub eine Schneewehe von zwei Metern Höhe und 600 Metern Länge laut SNCF die Gleise unter sich. In der Region blieben Schulen geschlossen und Autobahnen wurden gesperrt; etwa 600 Fahrzeuge waren in der Nähe von Calais auf der A16 in der Nacht stundenlang blockiert.

Auch in Belgien waren Flughäfen betroffen, zahlreiche Flüge am größten Airport Brüssel-Zaventem sowie in Charleroi waren verspätet, wurden umgeleitet oder fielen aus. Der Flughafen Lüttich wurde der Agentur Belga zufolge ganz geschlossen. Auf den belgischen Straßen, besonders im südlichen Landesteil, stockte oder stoppte der Verkehr am Vormittag auf 500 Kilometern, wie der Verkehrsdienst Mobilinfo meldete. Grund waren Glätte und Schneeverwehungen.

Die Verbindungen des Hochgeschwindigkeitszugs Thalys von und nach Brüssel wurden aufgrund der Schneefälle lahmgelegt. Im Laufe des Vormittags kam der gesamte Thalys-Verkehr zum Erliegen, teilte der Konzern mit. Zunächst verkehrten noch einzelne Züge unter anderem auf der Strecke nach Köln, auch diese Verbindung fiel schließlich aber aus, sagte eine Sprecherin. Auch der sonstige Zugverkehr in und um die belgische Hauptstadt herum kam zum Erliegen, wie der Betreiber des Schienennetzes Infrabel mitteilte.

Zudem wurden sämtliche Eurostar-Züge zwischen Frankreich beziehungsweise Belgien und Großbritannien gestrichen. "Wegen der sehr schwierigen Wetterbedingungen im Norden Frankreichs und in Belgien" sei der Eurostar-Zugverkehr bis auf weiteres unterbrochen, teilte das Unternehmen in einer Erklärung mit. Der Zugbetreiber Eurostar verbindet London durch den Ärmelkanal-Tunnel mit Paris und Brüssel.

Im Südosten Großbritanniens haben Schneefälle und eisiger Wind die Straßen unbefahrbar gemacht. Hunderte Menschen verbrachten die Nacht zu Dienstag in ihren Autos auf den Autobahnen. Da viele Autofahrer in Südengland auch im Winter mit Sommerreifen unterwegs sind, kam es zu Hunderten von Unfällen. Dabei wurde niemand lebensbedrohlich verletzt, jedoch brauchten die Rettungsdienste Stunden, um die Verletzten zu erreichen. Viele Straßen waren auch am Dienstag weiter gesperrt und nicht geräumt. Züge hatten Verspätungen, der Flughafen auf der Kanalinsel Jersey stellte den Betrieb ein.

Passagieren steht keine Ausgleichszahlung zu

Passagiere haben bei Ausfällen und Verspätungen laut EU-Verordnung Anspruch auf Betreuungsleistungen am Flughafen: Bei Abflugverzögerungen von zwei Stunden bei Kurzstrecken (bis 1500 Kilometer), drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 Kilometer) und vier Stunden bei Langstrecken muss auf Wunsch "für das leibliche und kommunikative Wohl" des Fluggasts gesorgt werden.

Fluggäste haben dann Anspruch auf kostenlose Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Faxe oder E-Mails sowie - falls nötig - Hotelübernachtungen inklusive Transfer. Eine Entschädigung steht ihnen allerdings nicht zu, da es sich bei wetterbedingten Störungen um einen "außergewöhnlichen Umstand" handelt.

Grundsätzlich muss die Airline in einem solchen Fall alle Maßnahmen treffen, um die Passagiere schnellstmöglich ans Ziel zu bringen. Das kann eine kostenlose Umbuchung auf den nächstmöglichen Flug bedeuten oder eine Beförderung auf andere Weise - bei einer längeren Schließung des Flughafens zum Beispiel per Bahn oder mit einem Flugzeug von einem benachbarten Airport. Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast außerdem das Recht, das Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen.

Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?

Fluglinien:

Flughafen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

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Seite 1
Freiberufler 12.03.2013
1. So weit ich weiß, heißt es
denn noch befindet sich der Frughafen in Deutschland, oder hat man den auch schon billigst an die US-Amis verscherbelt wie Opel? Ach ja, und "Fluglinie" wtatt "Airline" gibt's ja auch noch! Wie wär's, wenn der SPIEGEL wieder mal ein wenig Rückgrat zeigen und ein Vorbild für gutes Deutsch sein würde statt sich schon reinsprachlich ranzuschmeissen? ----------------------------- Gruss vom Freiberufler ------------- P..S: Falls jemand fragt: Ich spreche drei Sprachen, bemühe mich aber in jeder Sprache um einen guten Ausdruck udn komme deswegen im jeweiligen Land ganz gut an.
kim 12.03.2013
2. 4 Startbahnen?
Wo hat Fraport denn 4 Startbahnen? Bisschen mehr Qualitätsjournalismus und die Welt wäre zufriedener.
Airkraft 12.03.2013
3. Der Frankfurter Flughafen...
Der Frankfurter Flughafen hat nur drei Startbahnen. Die vierte "Startbahn" ist nur eine Landebahn!
heinz4444 12.03.2013
4. Ich kann mich
über das Wetter nicht beklagen.Hier in der Gegend um Ulm scheint die Sonne und das bei 10 ° +. Wir Schwaben haben uns das mit der Kehrwoche verdient. ;-)
anon11 12.03.2013
5.
Zitat von sysopDPADer Frankfurter Airport hat eine seiner vier Startbahnen von Schnee befreien können. Mit Verspätungen und Ausfällen müssen Reisende dennoch für den Rest des Tages rechnen. In weiten Teilen Westeuropas sorgt das Winterwetter für Chaos im Straßen-, Flug- und Bahnverkehr. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/schneechaos-frankfurter-flughafen-nimmt-betrieb-wieder-auf-a-888409.html
10 cm Schnee im Winter und alles bricht zusammen, man fragt sich wirklich wie es sein kann das in Skandinavien Menschen leben und mit dem Winterwetter zurecht kommen.
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