Schneefall am Frankfurter Flughafen Bangen, hoffen, rennen

Mehr als 100 gestrichene Flüge, jede Menge Verspätungen: Passagiere auf dem Frankfurter Flughafen litten besonders unter dem Schneechaos. Vor allem die Nerven von Amerika-Reisenden wurden stark strapaziert.

Von Martin Gropp


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Frankfurter Flughafen: Winterwetter verursacht mehr als 100 Ausfälle
Gegen Mittag strahlt Holger Pack noch genau die Eigenschaft aus, die ein Weltenbummler braucht, der mit Frau und zwei kleinen Kindern eine Mietwagentour durch Costa Rica antreten will. Gelassen wartet Pack am Montag gegen 13 Uhr in einer langen Schlange vor dem Schalter der Continental Airlines am Frankfurter Flughafen.

Obwohl Pack, seine Frau Nadira und die beiden Kinder Antonia und Adrian nun schon seit 9 Uhr auf dem Flughafen sind, obwohl ihr Flug seit fast zwei Stunden überfällig ist und obwohl der Flieger - wenn überhaupt - voraussichtlich erst in drei Stunden starten wird, bleibt Pack ruhig. "Klar ärgert man sich über die Verspätung", sagt der 44-Jährige aus Taunusstein mit einem Lächeln. "Aber aufgrund des Wetters kann eben nicht immer alles glatt gehen."

Für viele Passagiere auf dem Frankfurter Flughafen verlief der Start in den Weihnachtsurlaub am Montag nicht ohne Probleme. Am Vortag waren insgesamt 230 Flüge abgesagt oder verschoben worden. Der Flughafenbetreiber Fraport gab keine Gesamtzahl der Reisenden bekannt, die von Verspätungen betroffen waren. Insgesamt fielen mehr als 100 Starts und Landungen aus, wie ein Sprecher SPIEGEL ONLINE bestätigte.

Die Anzeigetafel in der Abflughalle A zeigt am Mittag das ganze Ausmaß an Verspätungen: Fast hinter jedem der 25 Flüge, die als Nächstes starten sollen, sind neue Abflugzeiten angeschrieben. In orangefarbenen Ziffern weist die Anzeigetafel Verspätungen von zehn Minuten bis zu fünf Stunden aus.

"Wir arbeiten die Verspätungen jetzt langsam ab", sagte ein Flughafensprecher. Dass es in Frankfurt gegen Mittag aufhörte zu schneien, wertete Fraport als gutes Zeichen für die kommenden Tage: "Aufgrund der Wettersituation und der Prognose, dass es milder werden soll, gehen wir davon aus, dass ab Dienstag oder Mittwoch alles wieder normal läuft", sagte der Sprecher. Allerdings gelte dies nur eingeschränkt für Flüge an die Ostküste der Vereinigten Staaten: Wegen des Wintereinbruchs in den USA würden viele Maschinen dort zu spät abheben, was dann auch die Abflugzeiten in Frankfurt verschiebe.

Schon ist ein Urlaubstag futsch

Auch die Familie von Holger Pack wartet auf eine solche Maschine. Ihre soll vom Flughafen Newark bei New York kommen und dorthin zurückfliegen. Über Newark wollen die Packs dann weiter nach San José in Costa Rica, wo sie den Mietwagen für die Weihnachtsferien-Tour übernehmen wollen. Durch die Verspätung haben die Packs schon einen Tag verloren, wie der Vater seiner neun Jahre alten Tochter Antonia gerade vorrechnet.

Seit gut einer halben Stunde haben sich die Wartenden vor den Packs schon nicht mehr vorwärts bewegt, als plötzlich ein Mitarbeiter der Continental Airlines auf die Familie zukommt und ihr ein Angebot macht, das Holger Pack ganz und gar nicht gefällt: Der Fluglinien-Mann will die vier Reisenden davon überzeugen, ihren Flug ganz abzublasen. Pack redet auf ihn ein und gestikuliert heftig, seine Arme in der braunen Reißverschlussjacke rudern auf und ab. Dann verlangt Pack nach dem zuständigen Manager, seine Gelassenheit hat sich inzwischen verflüchtigt.

Ein paar Schalter weiter ist auch die 37 Jahre alte Svenja H. alles andere als gelassen. Ihre Odyssee begann am Sonntag, als aufgrund des Schnees in Frankfurt viele innereuropäische Flüge ausfallen mussten. H. wollte eigentlich mit der Lufthansa nach Larnaka auf Zypern. Im allgemeinen Wetterchaos bekam sie keinen Boarding-Pass. "Obwohl ich eingecheckt hatte, war die Lufthansa nicht in der Lage, meine Bordkarte auszudrucken", sagt H. "Ich musste dann in einem Hotel in Wiesbaden übernachten."

Warten auf den neuen Anschluss

Immerhin sei die Fluggesellschaft für den unfreiwilligen Zwischenstopp aufgekommen. Das allein wäre für sie nicht so schlimm, aber enttäuscht ist die Frau aus Göttingen über die Informationspolitik der Airline. "Ich wurde gestern von Pontius zu Pilatus geschickt, nur um am Ende zu erfahren, dass ich doch nicht mehr in den Flieger hineinkomme." Jetzt steht sie am Lufthansa-Schalter mit der Aufschrift "Ersatzbeförderungen und Umbuchungen", an dem mit ihr noch gut 40 andere Personen auf einen neuen Anschlussflug warten. Trotz allen Ärgers bleibt H. optimistisch. "Bis zum nächsten Flug nach Zypern ist ja noch ein Stündchen Zeit."

Auch Holger Pack braucht immer noch Optimismus. Das Flugproblem seiner Familie ist immer noch nicht gelöst worden. "Die Stimmung ist nicht mehr ganz so gut", sagt Packs Frau Nadira. "Die Frage ist jetzt, wie wir von Newark nach Costa Rica kommen", ergänzt Holger Pack. Immerhin weiß er jetzt, dass auch in Newark die Wetterlage inzwischen so gut ist, dass seine Familie theoretisch dorthin fliegen könnte. Doch die Anschlussflüge sind alle ausgebucht. "Aber wir wollen unbedingt fliegen", sagt Pack.

Gegen 16 Uhr geht es dann plötzlich ganz schnell für die Familie. Holger Pack schiebt den roten, den blauen und den schwarzen Koffer auf das Gepäckband am Schalter der Continental Airlines. Gemeinsam rennt die Familie los, um ihren Flug in die USA noch zu erwischen. Schließlich haben sie lange genug gewartet, um jetzt endlich doch noch in die Luft gehen zu können.

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