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03. Januar 2016, 15:57 Uhr

Verzögerte Reparatur

Doppelstöckige Intercitys wanken in die Werkstatt

Fahrgästen wird übel, das Gewackel nervt: Mit den neuen Doppelstock-Intercitys hat die Bahn auch ein neues Problem. Die Waggons geraten auf frisch geschliffenen Schienen arg ins Wanken. Die Lösung des Problems lässt auf sich warten.

Seit Mitte Dezember rollen die neuen doppelstöckigen Intercitys der Deutschen Bahn - und schon müssen die ersten Züge in die Reparatur. Fahrgäste hatten sich zuvor über massives Schwanken während der Fahrt beschwert. Nun gab eine Bahnsprecherin bekannt: Der geplante Werkstattstopp sei in Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt frühestens für Ende Januar vorgesehen.

Damit verzögert sich die Reparatur um Wochen. Laut der Mitteldeutschen Zeitung hatte die Bahn Mitte Dezember erklärt, die erforderlichen Arbeiten könnten "bei der normalen Instandhaltung über Nacht vorgenommen werden".

Die Waggons der neuen Baureihe wanken auf Schienen, die gerade abgeschliffen wurden. Dies ist der Bahn zufolge jedoch ungefährlich. Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" hat auf ihrer Website ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie stark es in einem der neuen Züge schaukelt. Die Reporterin, die bei einer Testfahrt dabei war, zitiert einen mitreisenden Fahrgast mit den Worten: "Ist wie auf hoher See, nicht wahr?"

Die Bahn gab das Problem Mitte Dezember in einer Erklärung zu: Es gebe auf einigen Abschnitten "Querbewegungen, die von den Reisenden als ein Wanken empfunden werden, das deutlich zu spüren ist."

Bahn-Angaben zufolge werden nun die Laufflächen der Räder geringfügig verändert. Damit soll das Zusammenspiel von Rad und Schiene verbessert werden. Schienen müssen in regelmäßigen Abständen abgeschliffen werden, da sie durch darüberfahrende Züge mit der Zeit feine Unebenheiten bekommen. Das geschieht mit etwa 100 Meter langen Schleifmaschinen.

"Gewackel nervt"

"Wir arbeiten gemeinsam mit dem Hersteller Bombardier daran, die Komforteinschränkung für die Reisenden zu beheben." Diese hatten ihrem Ärger auch auf Twitter Luft gemacht. "Wir schaukeln lustig hin und her, wie zum Oktoberfest", schreibt ein Twitter-User. Sein Fazit zum doppelstöckigen Intercity: "Nichts für Reisende mit Reiseübelkeit." Auch der NDR hatte von einer Bahn-Kundin berichtet, der "durch das Schaukeln schlecht geworden" sei.

Ein anderer Nutzer schreibt auf Twitter, der neue Intercity sei bei ihm durchgefallen. "Gewackel nervt. Rückenlehne ist steil wie ein Lichtmast. Kein Wlan in der 1. Klasse." In einem weiteren Tweet heißt es: "Riecht (noch) nach Plastik, schaukelt ziemlich und ist genauso laut wie jeder IC.

Die neuen Züge fahren seit Kurzem auf der Linie vom Nordseebad Norddeich über Hannover und Magdeburg nach Leipzig. Ab Februar sollen sie auch auf der Verbindung Köln-Hannover-Braunschweig-Dresden und ab März auf der Linie Norddeich-Emden-Köln zum Einsatz kommen und jahrzehntealte IC-Waggons ablösen. Über die Verzögerungen bei der Beseitigung der Probleme hatte zunächst die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet.

jus/dpa

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