Rekordversuch von Freddy Nock  Ungesicherter Balanceakt auf 3500 Meter Höhe

Freddy Nock wollte in den Alpen einen Doppelweltrekord aufstellen und blind zwischen zwei mehr als 3500 Meter hohen Bergen auf einem Seil balancieren. Doch der Hochseilakt verlief anders als geplant.

DPA

Pontresina - Was Freddy Nock von Problemen hält, steht auf seinem Logo: "The Sky is the Limit", alles ist möglich. 2011 hatte er Deutschlands höchsten Berg bezwungen, die Zugspitze - balancierend auf dem Tragseil der Gletscherbahn. Doch selbst das war für den Schweizer nicht viel mehr als eine Übung auf dem Weg zu immer wagemutigeren Aktionen.

Bei seinem Doppelrekordversuch am Freitag hat der 50-Jährige allerdings einen Dämpfer hinnehmen müssen. In mehr als 3500 Metern Höhe balancierte er zwischen dem Biancograt am Piz Bernina und dem Piz Prievlus im Oberengadin. Allerdings verzichtete der fünffache Vater auf seinen Plan, dabei einen licht- und blickdichten Helm zu tragen. Sein "Bauchgefühl" habe ihm gesagt, dass das Risiko doch zu groß sei.

Das Seil habe für einen Blind-Lauf nicht straff genug gespannt werden können, die Schwingungen seien zu stark gewesen. Immerhin: Nock legte die Strecke von 347 Meter auf einem 18 Millimeter dünnen Seil zwischen den zwei Alpenbergen in rund 25 Minuten zurück und überwand dabei einen Höhenunterschied von 50 Metern. Das sei ein weiterer Weltrekord, meinte Nock - und zwar der für den bislang höchsten Seillauf. Die Prüfung durch Experten für das Guinnessbuch der Rekorde stand zunächst noch aus.

Als Spross einer Artistenfamilie unternahm Nock die ersten Gehversuche auf dem Seil mit vier Jahren. Folgenschwer abgestürzt ist er bisher einmal: 1988 brach er sich beide Arme. Unfallerlebnisse hatte der Balancierer aber schon im Alter von fünf Jahren. Er überstand eine Bärenattacke, kam bei einem Autocrash mit einer Schramme davon und wäre im selben Jahr noch fast ertrunken. "Vielleicht kennt Freddy deshalb keine Furcht und ist immer wieder auf der Suche nach dem Extremen und neuen Herausforderungen", liest man im Biografietext der Freddy Nock GmbH.

1998 hängte Nock das Zirkusleben an den Nagel. Seitdem widmet er sich der Jagd nach Weltrekorden, beinahe 20 hat er schon gesammelt. Man kann damit - sofern man überlebt und die richtigen Sponsoren hat - eine ganze Menge Geld verdienen. 2009 überquerte er in Korea als schnellster Seilläufer ein Seil von einem Kilometer Länge in zehn Minuten und 18 Sekunden, wie immer ohne Sicherung.

Spektakulär waren auch seine Seilüberquerung des Zürichsees und seine Serie "7 Rekorde in 7 Tagen" in der Schweiz, in Deutschland und Österreich. Unterstützt wird er bei seinen Stunts von einem Spezialistenteam. Doch die Entscheidung darüber, ob der fünffache Vater einen Rekord versucht oder nicht, fällt daheim am Familientisch mit Ehefrau Ximena.

Thomas Burmeister/dpa/beh



insgesamt 10 Beiträge
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jenli 20.03.2015
1. Da wird mir schon ,,,
... beim Zusehen übel. Unfassbar, ein solcher Gleichgewichtssinn.
surffreak2000 20.03.2015
2. Nonsense
Dieser ganze Rekord Nonsense langweilt ohne Ende. Was soll toll daran sein, sein Leben zu riskieren? Absolut unverständlich.
Peter Eckes 20.03.2015
3. Nun,
das andere ihr Leben riskieren unterhält mich auf dem Sofa ungemein. Die ganzen Weltrekorde scheinen aber wirklich Nonsens zu ein. Das klingt doch alles arg konstruiert. Einen wertigen Rekord erkennt man an seiner Historie. Wer hielt den Rekord vorher, wieviele Leute haben sich daran versucht und seit wie vielen Jahren existiert in dieser Disziplin ein Rekord. Irgend einen Kram, den im Zweifel nicht nur noch niemand gemacht hat, sondern der noch nie versucht wurde, hat man schnell gefunden und dann einen neuen Rekord aufgestellt. Ansonsten aber Respekt vor seiner Leistung. Er sollte mal zusehen seine Versuche live im Netz oder Fernsehen zu übertragen. Mir war bislang nur Nik Wallenda bekannt.
niceemotions 21.03.2015
4. Couch-Potato?
Zitat von Peter Eckesdas andere ihr Leben riskieren unterhält mich auf dem Sofa ungemein. Die ganzen Weltrekorde scheinen aber wirklich Nonsens zu ein. Das klingt doch alles arg konstruiert. Einen wertigen Rekord erkennt man an seiner Historie. Wer hielt den Rekord vorher, wieviele Leute haben sich daran versucht und seit wie vielen Jahren existiert in dieser Disziplin ein Rekord. Irgend einen Kram, den im Zweifel nicht nur noch niemand gemacht hat, sondern der noch nie versucht wurde, hat man schnell gefunden und dann einen neuen Rekord aufgestellt. Ansonsten aber Respekt vor seiner Leistung. Er sollte mal zusehen seine Versuche live im Netz oder Fernsehen zu übertragen. Mir war bislang nur Nik Wallenda bekannt.
Peter Eckes, Sie haben sich offensichtlich gerade selbst geoutet mit Ihrem Hinweis, dass Sie sich gerne auf dem Sofa unterhalten lassen. Sind Sie etwa ein Couch-Potato?
arnesaknussem 21.03.2015
5. Einfach nur dumm
Da steckt sicherlich sehr viel Können dahinter. Trotzdem finde ich es nur dumm und über aus leichtfertig. Nur um einem Rekord nach zu jagen, den die meisten Menschen sowieso nur mit einem kurzen 'oh - Klasse' und einem anschließenden Schulterstücken 10 Sekunden später wieder vergessen haben, riskiert hier jemand mutwillig sein Leben. WOZU??? Andernorts wird nach Unfällen, Kriegen, Verbrechen, Epidemien etc. verzweifelt versucht, Leben zu retten. Und hier wirft jemand das einfach so fort. Er mag zwar vieles können - aber wieder aufstehen und weiterleben, nachdem er runtergefallen ist, kann er nicht. Wie gesagt - einfach nur dumm.
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