Winterliches Outdoor-Schwimmen Nichts für Warmduscher

Erst der Kälteschock, dann der Genuss - und später das Nachglühen: Im Winter in der Natur schwimmen zu gehen, das ist nur was für Hartgesottene. Drei Britinnen erzählen in Kurzfilmen von ihrer Leidenschaft.

Natasha Brooks

Die Uferböschung ist gefroren, die Gipfel im Snowdonia-Nationalpark sind schneebedeckt. Doch Vivienne Rickman-Poole gleitet durch einen Bergsee - und trotzt der eisigen Kälte. Es wirkt, als würde die gewaltige Schwärze des Wassers den Frauenkörper gleich verschlingen.

Die helle Haut der Britin schimmert durch die Wasseroberfläche, immer wieder beugt und streckt sie die Beine - es sind fast poetische Bewegungen, eingefangen von einer Kamera aus der Luft. "Ich bin ein Fan von tiefen Gewässern", sagt Rickman-Poole in dem dokumentarischen Kurzfilm "Afterglow". "Die Gedanken werden klar - da bist nur du in der Mitte des Bergsees."

Der gut fünfminütige Film, der am Wochenende auf dem Kendal-Mountain-Festival im Nordwesten Englands gezeigt wird, dreht sich um Rickman-Pooles winterliche Schwimmabenteuer. Um eine Passion, die manch einem schon beim Gedanken daran das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Rickman-Pooles liebster Ort befindet sich eine 90-minütige Wanderung von ihrem Haus entfernt - es ist der Llyn Du'r Arddu - "ein unglaublich blauer See, der von schwarzen Klippen eingerahmt ist".

"Das Wasser kann so kalt sein, dass dich plötzlich ein Wärmerausch überflutet, wenn du wieder rausgehst", sagt Rickman-Poole. "Das nennt man Nachglühen." Die in Wales lebende Fotografin ist allerdings schon so sehr Profi in dieser extremen Disziplin, dass sie diesen Effekt nur noch selten spürt.

Sie schwamm schon als kleines Mädchen in der Wildnis - genau wie ihre Mutter. "Sie hat mich inspiriert", sagt Rickman-Poole. Das Baden in der Natur - und zwar zu jeder Jahreszeit - hat in ihrer Familie Tradition. Höchstleistungen zu erzielen spiele dabei allerdings keine Rolle. "Mir sind Distanzen, Ziele, Zeiten und die Temperaturen relativ egal", sagt sie. "Ich schwimme einfach so lange, wie ich mag".

Ein eisiges Hobby

Anfängern gibt sie den Ratschlag, sich erst mal ganz langsam heranzutasten, schließlich schockt das Eintauchen ins kalte Wasser den Körper. Wichtig sei es, seinen eigenen Körper und seine Grenzen kennenzulernen. "Zieh bei den ersten Versuchen einen Ganzkörperschwimmanzug an", rät Rickman-Poole in einem Bericht des britischen "Guardian". "Mach alles sehr langsam, bis du dich dabei gut fühlst. Geh aus dem Wasser, wenn du anfängst zu frieren."

Die Leidenschaft fürs Winterschwimmen teilt sie mit zwei anderen Frauen, die ebenfalls einen Auftritt in Mini-Dokumentationen haben. In dem Film "bluehue" sieht man Natasha Brooks über Berge des Snowdonia-Nationalparks stapfen. Raureif liegt auf den Grashalmen am See, Nebelschwaden ziehen über die Berghänge.



Brooks zieht ihre dicken Winterklamotten aus. Nackt und zitternd steht sie am Ufer. "Manche Leute finden es seltsam, dass ich nackt schwimme", sagt Brooks, "aber wenn ich mich ausziehe, fühle ich mich freier. Es fühlt sich pur an, natürlich und richtig."

Die Künstlerin, die ihre Schwimmerlebnisse auch mit Fotos dokumentiert, tappst barfuß ins Wasser und geht auf Tauchgang - die Kamera folgt ihr unter Wasser. "Ich mag es, die Elemente auf meiner Haut zu spüren. Die Kälte auf deinem Körper schaltet alle Gedanken ab und gibt dir Raum, den Moment zu schätzen."

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Schwimmen im Winter: Wärmerausch in eisiger Wildnis

Auch für Kari Furre hat das Schwimmen etwas Meditatives: "Für mich ist es mehr Yoga als Sport", sagt sie im Film "A Mountain Journal Short". Die 67-Jährige aus Totnes in der Grafschaft Devon schwimmt in allen Gewässern: Ob um eine Insel herum, an der Küste entlang oder durch den 17 Kilometer langen und damit größten natürlichen See Englands - den Windermere in der Grafschaft Cumbria.

"Ich liebe es, lange Distanzen zu schwimmen, ich mag das Epische daran", sagt die begeisterte Schwimmerin, die 2006 die Outdoor Swimming Society mitbegründet hat und vor allem Erwachsenen Schwimmstunden gibt.

Wer einmal in kalten Gewässern geschwommen ist, wird das immer wieder tun wollen, davon ist Natasha Brooks überzeugt. "Das Wasser fühlt sich purer an, wenn der Winter kommt."

beh

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