Schwitzen im ICE: Bahn hat Klimaanlagen-Problem noch nicht gelöst

Problem erkannt, Problem noch nicht gebannt: Die Deutsche Bahn investiert zwar fünf Millionen Euro in die Modernisierung der ICE-Klimaanlagen. Dennoch kann es sein, dass ihre Kunden in diesem Sommer wieder in überhitzten Waggons schwitzen müssen.

ICE in der Wartung: Erste Maßnahmen sollen Klimaanlagen stabilisieren Zur Großansicht
ddp

ICE in der Wartung: Erste Maßnahmen sollen Klimaanlagen stabilisieren

Berlin - Nach etlichen überhitzten Zügen im vergangenen Jahr will die Bahn die Klimaanlagen ihrer ICE 2 in diesem Sommer stabilisieren - kann neue Störungen aber dennoch nicht ausschließen. "Es wird auch in diesem Sommer Ausfälle von Klimaanlagen geben", sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Freitag in Berlin.

Homburg sagte, die kurzfristigen Maßnahmen bei den Zügen, die derzeit mit einer komplett neuen Inneneinrichtung versehen werden, sollten bis Juni abgeschlossen sein.

Diese sollen die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls aber "sehr deutlich reduzieren" und bis 38 Grad Außentemperatur einen stabilen Betrieb gewährleisten. Gründlichere Abhilfe soll in den nächsten beiden Jahren im Zuge der Generalüberholung aller 44 ICE-2-Züge geschaffen werden. Dann soll die Kühlung bis 46 Grad funktionieren.

"Wir wollen kein zweites Bielefeld in diesem Jahr haben", sagte Homburg. Anfang Juli 2010 waren binnen weniger Tage Klimaanlagen in gut 50 Fernzügen ausgefallen - teils komplett, teils in einzelnen Wagen. In einem dramatischen Fall musste ein ICE in Bielefeld gestoppt werden, in dem mehrere Schüler kollabiert waren.

Homburg machte klar, dass Züge im Zweifel aus dem Betrieb genommen würden, wenn in mehreren Wagen die je einzeln zu steuernden Klimaanlagen ausfallen sollten. Um eine Überlastung zu vermeiden, sollen Wagen etwa auch nur auf 24 statt auf 21 Grad herunter gekühlt werden.

Häufigere Reinigung und Kühlmittelkontrolle

"Wir glauben, dass es besser wird", sagte Technikvorstand Volker Kefer. Konkret sollen mehrere kurzfristige Maßnahmen ein zu frühes Abschalten der Kühlung bei hohen Temperaturen vermeiden. So sollten Bauteile etwa öfter gereinigt und die Kühlmittelmenge häufiger kontrolliert werden.

Die Gründe für die Probleme seien erkannt, sagte Kefer. Es sei festgestellt worden, dass sich manche Klimaanlagen, die eigentlich bis 42 Grad arbeiten sollen, schon unter dieser Schwelle automatisch abschalteten. Teils habe sich zugleich auch die Energieversorgung der Klimaanlagen bei Hitze heruntergefahren. Abhilfe schaffe aber erst mittelfristig die Drehzahltrennung zwischen Verdichter und Lüfter der Anlagen, wozu ein besonderer Stromrichter erforderlich sei. Diesen für die 44 Züge zu beschaffen, dauere ein bis zwei Jahre. Insgesamt kostet die Klimaanlagen-Modernisierung rund fünf Millionen Euro.

Weichenstörungen direkt von Schneehöhe abhängig

Im Kampf gegen Winterprobleme will die Bahn verschärft die Weichen in den Blick nehmen. Heizungen sollten weiter nachgerüstet werden, seien aber kein Allheilmittel, erläuterte Kefer. Störungen an Heizungen seien nur zu zehn Prozent Ursache von Weichenausfällen. Neben hohem Schnee blockiere vor allem von den Zügen herabfallendes Eis die Weichenschaltung. Zu lösen sei dies nur, wenn Mitarbeiter die Weichen reinigten. Über Einsatzpläne sollen diese künftig schneller am Ort sein. An allen 70.000 Weichen rund um die Uhr "Weichenwächter" zu postieren, sei nicht möglich.

Beim Regionalzug Talent 2, dessen Zulassung sich seit Monaten verzögert, drohen weitere Schwierigkeiten, wie Homburg sagte. Bei anderen Zügen seien gravierende Probleme mit einem baugleichen Sicherungssystem entdeckt worden, das beim Überfahren eines Signals eine Zwangsbremsung auslöst. Der Hersteller Bombardier habe bisher angekündigt, dass bis Ende Mai eine Zulassung für die Talent-2-Züge vorliegen soll. Etliche warten bereits auf Bahnanlagen auf ihren Einsatz.

abl/dpa/dapd

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1. Ein bisschen mit der Temperatur mitgehen ...
JaguarCat 06.05.2011
Ein Teil des Klimaproblems dürfte daher rühren, dass die ICE-Klimaanlagen in deutschem Perfektionismus auf das Festhalten einer genau definierten Temperatur (21 °C, siehe Artikel) ausgelegt worden sind. Dabei ist das noch nicht einmal physiologisch sinnvoll: Wenn es draußen 36 °C hat, dann friert man beim Betreten des ICE schlagartig, wenn dort nur 21 °C sind. Und am Zielbahnhof kommt einem dann beim Verlassen am Bahnsteig gefühlt eine "Hitzewand" entgegen. Besser, der ICE wird nur auf 24 ... 26 °C heruntergekühlt, wenn es draußen 36 °C sind. Und sollte das Thermometer gar auf 40 °C steigen, sollte man sogar über 26 ... 28 °C im ICE-Innenraum nachdenken. Jag
2.
J4cky 06.05.2011
Zitat von JaguarCatEin Teil des Klimaproblems dürfte daher rühren, dass die ICE-Klimaanlagen in deutschem Perfektionismus auf das Festhalten einer genau definierten Temperatur (21 °C, siehe Artikel) ausgelegt worden sind. Dabei ist das noch nicht einmal physiologisch sinnvoll: Wenn es draußen 36 °C hat, dann friert man beim Betreten des ICE schlagartig, wenn dort nur 21 °C sind. Und am Zielbahnhof kommt einem dann beim Verlassen am Bahnsteig gefühlt eine "Hitzewand" entgegen. Besser, der ICE wird nur auf 24 ... 26 °C heruntergekühlt, wenn es draußen 36 °C sind. Und sollte das Thermometer gar auf 40 °C steigen, sollte man sogar über 26 ... 28 °C im ICE-Innenraum nachdenken. Jag
Der Witz ist doch, dass die Bahn damit einen dermaßen schlechten Service anbietet. Jeder Pkw der eine Klimaanlage hat kann diese Regeln und diese Klimaanlagen laufen auch bei 60°C Außentemperatur. Jeder Pkw-Typ wird extra aufwendig unter extremsten Bedingungen getestet, nur die Bahn, die spart und sagt bis 38°C und danach müssen halt alle Schwitzen.
3. @JaguarCat
nick999 06.05.2011
Zitat von JaguarCatEin Teil des Klimaproblems dürfte daher rühren, dass die ICE-Klimaanlagen in deutschem Perfektionismus auf das Festhalten einer genau definierten Temperatur (21 °C, siehe Artikel) ausgelegt worden sind. Dabei ist das noch nicht einmal physiologisch sinnvoll: Wenn es draußen 36 °C hat, dann friert man beim Betreten des ICE schlagartig, wenn dort nur 21 °C sind. Und am Zielbahnhof kommt einem dann beim Verlassen am Bahnsteig gefühlt eine "Hitzewand" entgegen. Besser, der ICE wird nur auf 24 ... 26 °C heruntergekühlt, wenn es draußen 36 °C sind. Und sollte das Thermometer gar auf 40 °C steigen, sollte man sogar über 26 ... 28 °C im ICE-Innenraum nachdenken. Jag
Alles richtig, aber die Bahn hat das Problem, daß die Klimaanlagen bei hoher Temperatur einfach abschalten. Dann wird es innen sogar wärmer als draußen.
4. schlechter Vergleich
masterdisaster 06.05.2011
Zitat von J4ckyDer Witz ist doch, dass die Bahn damit einen dermaßen schlechten Service anbietet. Jeder Pkw der eine Klimaanlage hat kann diese Regeln und diese Klimaanlagen laufen auch bei 60°C Außentemperatur. Jeder Pkw-Typ wird extra aufwendig unter extremsten Bedingungen getestet, nur die Bahn, die spart und sagt bis 38°C und danach müssen halt alle Schwitzen.
Die Bahn ist aber nicht der Hersteller des ICE und die Bahn hatte 42°C vom Hersteller gefordert wenn ich mich nicht Irre. Es steht auch klar im Artikel das es ein Problem gibt und deswegen die Klimaanlagen die geforderte Leistung nicht bringen. Und ein Vergleich von einem kleinen Raum wie dem eines Autos mit dem von von einem ganzen Wagen ist ähnlich wie der Vergleich zwischen Äpfeln und den Birnen. Hast Du übrigens persönlich bei Deinem PKW überprüft ob die Klimaanlage bei den extremsten Bedingungen auch noch richtig arbeitet ?
5. höhrere Innentemperatur
masterdisaster 06.05.2011
Zitat von nick999Alles richtig, aber die Bahn hat das Problem, daß die Klimaanlagen bei hoher Temperatur einfach abschalten. Dann wird es innen sogar wärmer als draußen.
Die Klimaanlagen schalten ab, weil diese überlastet sind. Stellt man die Innentemperatur höher ein, dann muss die Klimaanlage weniger Leisteng erbringen und schaltet sich eben nicht ab. Je höher die Differenz zwischen Außen- und Innentemperatur ist, desto mehr muss die Klimaanlage leisten...
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