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Segeln in Kuba: Anlegen mit Hindernissen

Von Hinnerk Weiler

Weißer Sand, einsame Inseln - und jede Menge Fragen: Bevor Segler auf Kuba anlegen, müssen sie sich strengen Zollbeamten stellen. Wer die Prüfung besteht, darf sich auf Abenteuer freuen, die seemännische Fähigkeiten aus längst vergangener Zeit erfordern.

Segeltörn vor Kuba: Navigieren wie einst Kolumbus Fotos
Hinnerk Weiler

Wir hätten mehr Obst und Gemüse mitbringen sollen. Wer ahnt schon, dass Frisches auf der größten Insel in der Karibik kaum zu finden sein würde? Akribisch schauen die Beamten bei der Einreise nach Kuba unter unsere Kojen, inspizieren Konserven und fragen mehrmals ungläubig nach: "Wirklich nichts Frisches? Ihr braucht doch Vitamine!"

Eine Stunde zuvor hatten meine Freundin Kinga und ich auf der Segelyacht "Paulinchen" die rund 20 Kilometer westlich von Havannas Zentrum gelegene Riffpassage in die Marina Hemingway passiert. Nur langsam trudeln nun die Beamten am Steg ein - dabei kommt hier niemand überraschend an: Bereits 20 Kilometer vor der Küste müssen sich ausländische Yachten per Funk bei der Guarda Frontera, der kubanischen Küstenwache, anmelden.

Havannas Visitenkarte für Wasserreisende ist ein verwitterter Zollsteg vor bunt gestrichenen Baracken, in denen die Einreisebehörden untergebracht sind. Alles wirkt, als wären wir das erste Schiff seit Jahren, das hier anlegt. Hinter dem Behördensteg erstreckt sich eine Marina mit mehr als 400 Liegeplätzen - von denen rund 350 unbelegt sind, wie wir später erfahren. Erst einmal aber werden wir ausgiebig überprüft.

Funkgeräte und Ausflüge mit dem Beiboot sind nicht erlaubt

Etliche Männer kommen an Bord, um unsere Papiere zu beäugen, zu stempeln, Formulare auszufüllen, das Boot zu durchsuchen und uns eine wichtige Regel zu erklären: Tragbare GPS-Empfänger, Satellitentelefon und Handfunkgeräte müssen in einem Beutel verplombt werden - mobile Ausrüstung, die im Land verboten ist, die wir aber ohnehin nicht brauchen können: Ausflüge im Beiboot sind nicht erlaubt. Unser Schlauchboot sollen wir fest ans Boot anschließen und nur benutzen, wenn "Paulinchen" zu viel Tiefgang für einen der Häfen auf unserem Reiseplan hat.

Bevor wir festmachen dürfen, müssen wir jetzt noch an der Einwanderungsbehörde vorbei. Ich spreche an Land mit den Beamten, in ihrem Büro, einem grob verputzten Raum mit verbretterten Fenstern, in dem nichts von dem sonnigen Tag draußen zu spüren ist. Unter einer unverkleideten Neonröhre wird mir ohne Umwege eröffnet: "Wir wissen, was du arbeitest. Was willst du über Kuba schreiben?"

Eine Schweißperle rollt meine Nase herunter, während ich noch einmal den bereits vorgelegten Reiseplan erkläre: Ich möchte von Havanna nach Westen, dann weiter nach Mexiko - und darüber schreiben. Die Beamten beäugen mich misstrauisch, wechseln in Flüsterton schnell einige Worte. Nach einer gefühlten Ewigkeit bekomme ich die Pässe zurück, samt gestempelten Touristenkarten: "Willkommen auf Kuba."

Segelclubs passten nicht ins Klima nach der Revolution

Wir dürfen in die Marina weiterfahren, die auch Heimat des Hemingway-Yachtclubs ist. "Kubas einziger Segelverein", wie der Vorsitzende José Miguel Díaz Escrich sagt: "Vor 1959 zählte allein Havanna noch 39 Segelclubs, und über hundert waren über das ganze Land verteilt. Ein Jahr später waren es null." Segelclubs und Yachteigner passten nicht in das Klima nach der Revolution.

Escrich, den jeder nur "El Commodoro" nennt, stammt aus einer gehobenen Mittelstandsfamilie. Er schloss sich damals selbst der Revolution an: "Vielleicht war das ein bisschen auch eine Revolution gegen meine Eltern", sagt er - um gleich zu betonen, noch immer flammender Sozialist zu sein. Gegen viel Widerstand in der Regierung schaffte er es, einen neuen Yachtclub zu gründen. Weniger, um Kubaner zum Segeln zu motivieren, sondern als Motor für den internationalen Bootstourismus: "Vor allem brauchen wir Segler, die uns besuchen, damit Wassersport auf Kuba überhaupt wieder ein Thema wird", sagt Escrich.

Um das zu erreichen, vertritt er neben anderen Segelvereinigungen aus aller Welt auch den deutschen Weltumseglerverein Trans-Ocean und hilft mit Informationen zu den wenig beschriebenen Buchten zwischen den seltenen Häfen. Er kennt auch die Telefonnummern, die die langen Wege der kubanischen Bürokratie verkürzen. Dass es für ihn noch viel zu tun gibt, erleben wir bald: Vergeblich suchen wir Fahrwassermarkierungen oder Bojen. Nur wenige der gefährlichsten Flache und Riffpassagen sind markiert.

Außerhalb Havannas sind die Beamten weniger streng

Die Fischer kommen ohne GPS und andere Navigationshilfen aus. Wir finden kaum den Weg und navigieren oft wie zu Kolumbus' Zeiten mit einem Ausguck, der vom Mast nach Riffen vor uns sucht. Vor allem aber orientieren wir uns an einem PDF-Dokument auf dem iPad. Darin finden sich Koordinaten für Wegpunkte und Kartenausschnitte mit Anmerkungen zur Route. Nur hin und wieder schlurft auf Kurs zu den Mangroveninseln unser Kiel doch über Sandbänke, die weniger als zwei Meter tief liegen.

Kaum haben wir die Hauptstadt verlassen, wird die Bürokratie weniger: Wir müssen uns bei der Küstenwache melden, an jedem Ort wartet ein Beamter auf uns, die Formalitäten aber beschränken sich auf einen Handschlag, einen Stempel und eine Unterschrift. Wir ankern vor kleinen Hotels wie jenem an der Insel Cayo Levisa und fahren mit dem Beiboot über türkisblaues Wasser zu kleinen Strandbars auf weißem Korallensand.

Spanisch wird mit jeder Meile Abstand zu Havanna wichtiger, Englisch zur Ausnahme. Dann erreichen wir Los Morros, unseren letzten Hafen im Land. "Internationale Marina" steht in der Seekarte - wir finden eine zerfallene Betonmauer, an der einige Tauch- und Fischerboote liegen. Der Capitán del Puerto erwartet uns in Shorts und T-Shirt.

Mit einer gleichgültigen Handbewegung lehnt er das Trinkgeld ab, ohne das wir in Havanna nicht einen einzigen Stempel bekommen hätten. Davon kaufen wir eine Languste für weniger als zwei Euro und klarieren am nächsten Morgen für die Fahrt nach Mexiko aus. Noch einmal wird "Paulinchen" durchsucht - diesmal vor allem nach an Bord verstecken Kubanern.

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1. iPad ohne GPS?
emden09 27.01.2014
Ihr hattet also eine Seekarte als pdf-Dokument auf einem iPad aber gleichzeitig kein GPS? Erklärst Du mir, wie die Zöllner das GPS auf dem iPad "verplompt" haben ;-)
2. iPad ohne GPS
murmel57 27.01.2014
Ja das gibt es, auch wenn es nicht explizit bei der Produktbeschreibung im Applestore zu lesen ist. Die iPads nur mit WiFi, ohne GSM, haben kein GPS, die Positionsfindung erfolgt über WiFi, wenn vorhanden, sonst gar nicht.
3. Cuba
baires1943 27.01.2014
GPS auf iPad oder iPhone sind erlaubt. Es gibt sehr gute kubanische (Papier) Seekarten, in Habana erhältlich.Der NV - Verlag Arnis hat für die NOrdküste elektronische Karten im Sortiment. Satellitentelefone und walky-talkies werden verplommt oder bei Einreise mit dem Flugzeug vom Zoll in Gewahrsam genommen(Rückgabe bei Einreise) . Obst und Gemüse erhält man auf den Bauernmärkte für wenig Geld in guter Qualität. Problematisch ist auf Charteryachten die Funkausrüstung die sich auf UKW Funk beschränkt. Auf Grund der geringen Reichweite kann es bei einem Notfall zu kritischen Situationen kommen. Ein weiteres Problem ist die Versorgung mit Wetterberichte. Seewetter wird von keinem kubanischen Sender ausgestrahlt. Entsprechend ausgerüstete Eigeneryachten können sich mit Wetterberichte des NOAA versorgen. Sonst übers Internet, in den sparlich gestreuten Internet - Kaffees. Anspruchsvolles Revier.
4. Positionsfindung
Layer_8 27.01.2014
Zitat von murmel57Ja das gibt es, auch wenn es nicht explizit bei der Produktbeschreibung im Applestore zu lesen ist. Die iPads nur mit WiFi, ohne GSM, haben kein GPS, die Positionsfindung erfolgt über WiFi, wenn vorhanden, sonst gar nicht.
Geht das zur Not nicht auch wie bei den Altvorderen? Sonnenstand, Kompass, Uhr usw...
5. Kuba ist die zu Umsegelnde
Ursprung 27.01.2014
Zitat von sysopHinnerk WeilerWeißer Sand, einsame Inseln - und jede Menge Fragen: Bevor Segler auf Kuba anlegen, müssen sie sich strengen Zollbeamten stellen. Wer die Prüfung besteht, darf sich auf Abenteuer freuen, die seemännische Fähigkeiten aus längst vergangener Zeit erfordern. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/segeln-vor-kuba-zwischen-buchten-und-buerokratie-a-944859.html
Kuba ist keine freie Kueste: segeln ist nur in bestimmten Abschnitten erlaubt oder ein kubanischer "Kapitaen" muss mit. Nach spaetestens einer Woche kennt man die erlaubten Kuesten und dann wird der Segeltrip oede. Dazu die Chose mit den Mobiltelefonen und GPS, null support in Buchten oder Haefen bis auf etwa 4. Supportmangel gibts zwar auch viel in den unweit gelegenen Bahamas fuer den, der die Abgeschiedenheit sucht. Aber dort gibts weder schikanoese Vorschriften, noch idiotische Revierrestriktionen und noch mehr unberuehrte Sandstraende als auf Kuba.
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