Senioren-Reisen Aus dem Schrebergarten in den Regenwald

Senioren sind reiselustig wie nie. Für die Tourismusbranche gehören sie mittlerweile zu den wichtigsten Kunden. Dabei scheuen sie nicht vor Abenteuern in der Ferne zurück. Es darf auch schon einmal eine Expedition in den afrikanischen Regenwald sein.


Senioren wollen keineswegs nur auf der Parkbank verweilen. Sie verreisen immer öfter
DPA

Senioren wollen keineswegs nur auf der Parkbank verweilen. Sie verreisen immer öfter

Hotels und Pauschalreisen sind Willy Janssen verhasst. Auch Campingplätze steuert der 78-Jährige Hesse nur im Notfall an. Manchmal ist er zusammen mit seiner Frau und seinem alten Mercedes-Lkw für Wochen verschollen: Vornehmlich in Nordafrika, im afrikanischen Regenwald oder irgendwo in Asien. Zwar ist Janssen sicher eine Ausnahme. Doch die Zeiten, als Rentner im Sommer im Schrebergarten blieben oder allenfalls eine organisierte Bustour buchten, sind schon lange vorbei.

"Die Senioren werden immer gesünder, haben die nötige Zeit und verfügen meist auch über die entsprechenden finanziellen Mittel", sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband in Berlin. Für die Reisebranche stellen sie mittlerweile eine der wichtigsten Kundengruppen dar, denn mit einer steigenden Zahl an Senioren, die der demografische Wandel mit sich bringt, wächst offenbar auch die Reiselust. Während 1988 noch zwölf Prozent aller Senioren in Urlaub fuhren, waren es 2001 schon 18,5 Prozent.

Die "typische Seniorenreise" gibt es dabei nicht. "Es ist eines der größten Missverständnisse, dass Menschen ihr Reiseverhalten mit dem Alter gravierend ändern", hat Johanna Danielsson von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen in Kiel beobachtet. Einer Studie der Forschungsgemeinschaft zufolge wählte im Jahr 2001 immerhin noch die Hälfte der über 70-Jährigen ein Urlaubsziel im Inland, bei den ab 60-Jährigen waren es bei den Paaren 42 Prozent, bei den Alleinreisenden 45 Prozent. Als Grund nennen die Reiseexperten die Sprachbarriere.

Der typische Schrebergarten-Urlaub gehört der Vergangenheit an
GMS

Der typische Schrebergarten-Urlaub gehört der Vergangenheit an

Zwar haben Reiseveranstalter und Gastgewerbe das Potenzial der älteren Touristen inzwischen erkannt. Erheblicher Nachholbedarf besteht nach Ansicht von Barbara Harms-Wichmann dennoch. "Vor allem die Alleinreisenden werden oft vergessen", bemängelt die 82-Jährige, die in Hamburg den Freundeskreis Alleinreisender gegründet hat. Fernreiseexperte Willy Janssen plant bereits seinen nächsten Urlaub. Eine Fahrradtour von Düsseldorf nach Königsberg kurz vor dem Zweiten Weltkrieg und eine Algerien-Tour mit einem französischen Offizier in den fünfziger Jahren weckten einst seine Abenteuerlust. Sie ist ihm bis heute geblieben - Ende August veranstaltet er zum 24. Mal das Internationale Globetrotter- und Fernreisemobiltreffen in Staufenberg. Mehr als 2000 Weltenbummler tauschten dort bereits im vergangenen Jahr ihre Erfahrungen aus - und dabei ist das Alter völlig egal.

Britta Schmeis, gms



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