Shoppen und zocken: New Yorker bekommen größten Einkaufspark der Welt

Riesenrad, Spielcasino, der weltweit größte Bonbonladen: In der Nähe von Manhattan entsteht ein Shoppingparadies der Superlative. "American Dream" nennen das die einen - Verrat an der Freiheit die anderen. Die Politik unterstützt den Größenwahn.

New York: Größte Shopping-Mall der Welt Fotos
AFP/Triple Five Group

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New York - Von den Ausfahrtschildern der Autobahn I-95 bei New York ist der Hinweis auf Xanadu längst gestrichen. Jahrelang zeugte die bunte Bauruine vor Manhattans Skyline von gescheitertem Investoren-Größenwahn: Xanadu Meadowlands war als Mega-Mall mit 250 Shops, Skydiving-Tunnel und Indoor-Skipiste geplant - bis die Finanzkrise das fast schlüsselfertige Zwei-Milliarden-Dollar-Projekt im Jahr 2009 platzen ließ. Nun soll die Idee wiederauferstehen: Bis Ende 2013 soll unter dem suggestiven Namen American Dream@Meadowlands der weltweit größte Einkaufs- und Vergnügungspark entstehen.

Der Branchenriese Triple Five will dem Komplex zu einem spektakulären Neustart verhelfen. Triple Five ist ein Unternehmen der kanadischen Ghermezian-Familie, die seit 30 Jahren Freizeitparks und gigantische Shoppingzentren unter einem Dach vereint. Zu dem Konzern gehört auch die Mall of America im US-Staat Minnesota. Sie zieht nach Angaben ihrer Betreiber jährlich 40 Millionen Menschen an und gilt damit als meistbesuchte Mall der Welt.

Einen noch stärkeren Besuchermagneten wollen die Ghermezians nun in den Meadowlands bei East Rutherford in New Jersey schaffen, nicht weit entfernt vom Stadion der beiden New Yorker Football-Mannschaften Giants und Jets. Dank einer neuen Bahnverbindung ist das Sport- und Entertainment-Areal inzwischen nur noch einen Katzensprung von Manhattan entfernt - 23 Minuten dauert die Fahrt.

55 Millionen Mall-Kunden pro Jahr, die Hälfte davon Touristen aus aller Welt, werden der Region einen Aufschwung bescheren, versprach Triple-Five-Chef Nader Ghermezian auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit New Jerseys Gouverneur Chris Christie. "Warum nach Mailand, Paris oder London reisen?", fügte Konzernvize Paul Ghermezian hinzu. "Seit jeher träumen die Menschen von Amerika. Wir werden ihnen hier zeigen, dass der Amerikanische Traum lebendig ist!"

Schulen schließen, Shopping subventionieren

Für ihr jüngstes Reich der Superlative plant die aus Iran eingewanderte Unternehmerfamilie ein Riesenrad, ein Spielcasino, einen Wasserpark und ein Eisstadion. Die Mall soll außerdem ein attraktiveres Äußeres bekommen als das buntkarierte Fabrikhallen-Design, das dem alten Projekt nur Spott einbrachte. In diese Aus- und Umbauarbeiten will Triple Five noch einmal mehr als eine Milliarde Dollar (rund 700 Millionen Euro) investieren.

Rund 200 Millionen Dollar aus der Staatskasse hat Gouverneur Christie den Ghermezians als subventionierten Kredit zugesagt. Nach Eröffnung will er den Mall-Besitzern noch einmal Umsatzsteuern in derselben Höhe erlassen. Der kämpferische Republikaner, dem Ambitionen auf die US-Präsidentschaftskandidatur 2012 nachgesagt werden, präsentiert sich als Retter in der Not: Eben noch drohte das hochverschuldete New Jersey auf der größten Investitionsruine der USA sitzenzubleiben, nun sollen laut Christie 9000 Bauarbeiter-Jobs und nach Fertigstellung mehr als 35.000 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen.

Doch nicht alle teilen diese Einschätzung. "Christie streicht die Mittel für Schulen und erneuerbare Energien zusammen", schimpft Jeff Tittel, Direktor der Umweltorganisation Sierra Club in New Jersey, mit Blick auf den strikten Sparkurs des seit Anfang 2010 amtierenden Gouverneurs. "Aber einer hässlichen Mall hilft er finanziell aus der Patsche!"

Einen Reporter der Regionalzeitung "Star Ledger" hat der neue Name in Rage versetzt: "Das hier 'Amerikanischen Traum' zu nennen ist reine Blasphemie!" wettert Brian Donohue in einem Videobeitrag für die Online-Ausgabe seiner Zeitung. "Hier verkommt der Traum von einer wunderbaren egalitären Welt zu einem Ort, der sich mit einer künstlichen Skipiste brüstet - und mit dem größten Süßwarenladen der Welt!" Wer unter einem Markennamen, der Freiheit und Gleichheit verspricht, nur Konsum anbietet, hat in Wirklichkeit ganz andere Ziele, sagt Donohue: "Das ist der Amerikanische Traum vom schnellen Reichtum, aber den verwirklicht in diesem Fall nur einer für sich: der Investor!"

Ute Mehnert, AFP

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1.
Suppenkoch 24.06.2011
Den meisten Amerikanern dürfte es gefallen. Denn "Shopping bis zum Umfallen" ist doch die Maxime, die den meisten gefällt - auch den Touristen, die zum "günstig Sachen kaufen" nach New York fliegen. Wenn das ganze dann noch in einen Rummel eingebettet ist, um so besser.
2. Powered by Sparkasse
rberger53 24.06.2011
Alles, was unter dem Projekttitel 'Xanadu' schon gebaut wurde, ist auch mit den Geldern deutscher Sparkassenkunden finanziert worden. Denen wurden von ihren Beratern Beteiligungen aufgeschwatzt, angeblich risikolos und mit 3-4% Rendite über Geldmarktniveau. Das Hauptproblem, die geringe Vermietungsquote von unter 50%, wurde aber nie gelöst. Die amerikanischen Banken haben vor einem Jahr den Hahn zugedreht, die Sparkassenkunden erlitten Totalverlust. Nun geht der Rummel also in die zweite Runde. Demnächst werden deutsche Banken wahrscheinlich wieder provisionsgeile Klinkenputzer losschicken um erneut Sparergeld einzusammeln - da bleibt nur eine echt amerikanische Antwort übrig: F... OFF !
3. Falsch
hdudeck 25.06.2011
Es sprechen viele Grunede gegen einen Erfolg des Malls: 1) New Yorker sprechen von Bridges and Tunnel People, wenn sie von Leuten in New Jersey sprechen. Freiwillig nach New Jersey gehen (Football ist eine Ausnahme) - niemals. 2) 23 Minuten travel time - ja aber von Penn Station aus. Wer da schon mal durch musste will diese Erfahrung moeglichst vermeiden. Total ueberfuellt(mit besagten BUTP's), Verspaetungen und Zugausfaellen als Regel, nein Danke. Dazu kommen dann noch Anreise zu Penn, mit der Subway von Queens oder Brooklyn mindesten nochmals 30 Minuten. Leute von Manhattan fahren im Sommer in die Hampton's. 3) Anreise mit dem Auto - entweder Holland, Lincoln Tunnel oder GW Bridge. Jedesmal Toll bezahlen, inclusive etwa 30 bis 60 Minuten im Stau. Wozu das alles ?
4. Gähn
ego66 27.06.2011
Wer braucht denn noch einen Einkaufspark, wenn man die ganze Welt per Mausklick bestellen kann. Fehlt den Investoren vielleicht nur die Fantasie, um mal was sinnvolles auf die Beine zu stellen.
5. Größer, schöner, besser?
elmond 02.11.2013
Alles wird immer größer und spektakulärer, dahinter ist aber nichts als heiße Luft. Es steckt nichts drin, wovon alle provitieren und wachsen können. Daher wird es auf Dauer auch nicht Gutes hervorbringen können, außer die Erfahrung, dass wir andere Triebe brauchen als die Gier, um wirklich dauerhaftes Wachstum für alle zu erreichen.
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