"Albtraum-Szenario" US-Nationalparks vermüllen wegen Haushaltssperre

Nationalparks in den USA leiden unter dem Shutdown: Aufgrund geschlossener Toiletten und mangels Aufsicht verdrecken sie mehr und mehr. Anwohner sprechen schon von einer "gesetzesfreien Zone".

Joshua-Tree-Nationalpark in Kalifornien (Archiv)
AFP

Joshua-Tree-Nationalpark in Kalifornien (Archiv)


Seit knapp zwei Wochen liegen in den USA die Regierungsgeschäfte teilweise lahm. Aufgrund des "Shutdowns" erhalten Hunderttausende Staatsangestellte kein Gehalt mehr - darunter auch die Mitarbeiter der Nationalparks. Zwar sind viele der rund 60 Schutzgebiete geöffnet, aber der Service ist meist eingestellt. Für etliche Nationalparks wird das zum Problem.

So sind die Toilettenanlagen geschlossen, Müll wird nicht abgefahren - zugleich steigen die Besucherzahlen, weil kein Eintritt mehr kassiert werden kann. "Es gibt mehr Müll, Fäkalien und Regelmissachtungen, als ich in den vier Jahren, die ich hier lebe, gesehen habe", sagt Dakota Snider, der im Yosemite-Tal arbeitet. "Man schaut auf die Yosemite-Wasserfälle, und davor türmen sich Wasserflaschen und Müllbeutel." Auch würden Besucher ihre Hunde in Bärengebieten illegal frei laufen lassen. "Es ist eine gesetzesfreie Zone", sagt Snider.

Im Yosemite-Nationalpark laden Besucher Müllsäcke aus den Autos ab. Fäkalien und Urin entlang der Straßen führten laut der Verwaltung zur Schließung von Camping- und Rastplätzen, berichtet die "Los Angeles Times". Auch die Hauptstraße in den Sequoia- und Kings-Canyon-Nationalparks ist gesperrt, weil der Abfall aus überfüllten Containern die Tiere bedroht und sich der Verkehr auf dem vereisten Fahrweg staute. In Utah wurden Schutzgebiete geschlossen, weil der Schnee nicht mehr geräumt wird.

"Wir befürchten, dass die Natur ernsthaft Schaden nehmen kann und eventuell auch historische und andere Sehenswürdigkeiten", sagt John Garder von der nichtstaatlichen National Park Conservation Association. Auch könnte die Sicherheit der Besucher gefährdet sein. "Ein Albtraum-Szenario", sagt er.

Touranbieter entsorgen Müll

Im Joshua-Tree-Nationalpark in Kalifornien schließen die Campingplätze, weil es Streitereien und keine schlichtenden Ranger gab. Freiwillige versuchen, Müll im Park zu entsorgen und Toilettenräume zu säubern, die noch geöffnet sind. "Die Gemeinde hält zusammen", sagt Ethan Feltges, der einen Souvenirshop in der Nähe betreibt und eine Toilettenkabine davor aufgestellt hat. "Jeder liebt den Park. Und es gibt viele Unternehmen, die von dem Nationalpark abhängig sind."

Fotostrecke

24  Bilder
Nationalparks der USA: Mit Abstand am schönsten

Auch im Yellowstone-Nationalpark in Wyoming haben private Unternehmen manche Servicemaßnahmen übernommen, damit ihr Geschäft weiter laufen kann. Da im Winter fast alle Straßen innerhalb des Parks geschlossen sind, können die meisten Besucher Sehenswürdigkeiten wie den Grand Canyon nur mit Hilfe von Guides besuchen. Tourveranstalter, die Besucher mit Schneemobilen, Bussen und Vans in den Park bringen, säubern Wege, entsorgen Abfall und füllen Toilettenpapier in den Anlagen auf.

"Dies ist wirklich nicht unsere Aufgabe", sagt Travis Watt von See Yellowstone Alpen Guides, "die Parkbehörde macht normalerweise einen guten Job, und wir hassen es, die Mitarbeiter ohne Arbeit zu sehen. Aber wir können damit umgehen." Wenn nötig, könnten die Touranbieter die gesamte Wintersaison durchhalten.

abl/AP

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.