Sicherheitskontrollen Airlines wollen Technologie-Tunnel in Flughäfen

Sensoren, Scanner, Biometrik: Ein hochmoderner "Technologie-Tunnel" könnte die Kontrollen an Flughäfen künftig sicherer und komfortabler machen - das schlägt der Luftfahrtverband IATA vor. Brisanz erhalten die Forderungen der Branche durch die vereitelten Paketbombenanschläge.

Körperscanner: Die Fluglinien wollen einen "Kontrollpunkt der nächsten Generation"
ddp

Körperscanner: Die Fluglinien wollen einen "Kontrollpunkt der nächsten Generation"


Frankfurt am Main - Der internationale Luftfahrtverband IATA hat nach den versuchten Paketbombenanschlägen neue Konzepte für die Sicherheit im Luftverkehr angemahnt. "Wir müssen einen 40 Jahre alten Überwachungsprozess modernisieren", sagte IATA-Generalsekretär Giovanni Bisignani bei einer Sicherheitskonferenz in Frankfurt. Ziel sei ein "Kontrollpunkt der nächsten Generation".

Die IATA, die praktisch alle großen Airlines vertritt, setzt dabei unter anderem auf Computertechnik. So könne ein international einheitliches elektronisches Ticket für Luftfracht die herkömmlichen Frachtpapiere ersetzen. "E-Fracht würde Zeit und Geld sparen, und die Behörden könnten schon vor dem Flug erfahren, welche Güter von wo nach wo transportiert werden sollen", sagte Bisignani. Die Industrie müsse zudem Geräte entwickeln, mit denen auch große Frachtstücke und Container durchleuchtet werden können. Dies sei bislang nicht möglich.

Im Passagierverkehr plane die IATA, sicherheitstechnisch hocheffiziente, zeitsparende Verfahren zu realisieren, sagte Bisignani. Am Beginn aller Kontrollen müssten die Überprüfung eines mit einem Chip bestückten Ausweises und eine Fingerabdruck-Kontrolle stehen. Danach brauche ein Passagier nur noch einen rund zehn Meter langen Tunnel zu durchlaufen, in dem intelligente Scanner gleichzeitig nach gefährlichen Metallgegenständen und heiklen Flüssigkeiten suchen würden. Die umstrittenen Körperscanner - auch Nacktscanner genannt - könnten laut Bisignani ein Teil der Lösung sein.

London schränkt Lufttransport von Druckerpatronen ein

Gleichzeitig befürchten die Fluggesellschaften, dass das Einchecken durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen noch umständlicher werden könnte. "Der Kontrollprozess muss sicherer und komfortabler werden", fordert daher der IATA-Chef. "Es ist nicht in Ordnung, dass Passagiere wie Terroristen behandelt werden, bis sie in einer Kontrolle ihre Unschuld bewiesen haben." Langfristiges Ziel sei, dass die Fluggäste in einem reibungslosen Prozess ohne Unterbrechung vom Eingang des Flughafens bis zur Tür des Flugzeugs kommen.

Bereits vergangene Woche hatte der Ausbruch des British-Airways-Chairmans Martin Broughton in Großbritannien eine Diskussion über Personenkontrollen ausgelöst. Der BA-Chef hatte manche der Maßnahmen als als ineffizient und "komplett überflüssig" bezeichnet. Der Chef des Flughafenbetreibers BAA, Colin Matthews, sagte dazu: "Wir könnten sicherlich einen besseren Job für die Kunden machen, wenn wir all diese einzelnen Prozesse rationalisieren könnten."

Bisignani mahnte eine Zusammenarbeit von Politik, Flughäfen und Fluggesellschaften an. Es gebe dabei gemeinsame Ziele: "Airlines wollen keine Terroristen in ihren Flugzeugen, und Regierungen wollen keine Terroristen in ihren Ländern."

Druckerpatronen dürfen nicht mehr ins Handgepäck

Als Problem sieht die IATA einzelstaatliche Lösungen, wodurch die Vorschriften in jedem Land anders ausfallen können. Dies gilt laut Bisignani etwa für China, Südkorea und Mexiko. Dagegen seien die Konzepte in den USA und Großbritannien vorbildlich. Eine Reform der Sicherheitskonzepte ist nach Darstellung Bisignanis auch notwendig, weil die Zahl der Passagiere und die transportierte Frachtmenge weiter stark zulegen würden.

Die britische Regierung hat unterdessen den Transport von Druckerpatronen per Flugzeug vorübergehend stark eingeschränkt. Passagiere von britischen Flughäfen dürfen sie nicht mehr im Handgepäck mit sich führen. Außerdem ist auch der Im- und Export von mehr als 500 Gramm schweren Druckerpatronen per Luftfracht untersagt, sofern nicht eine von der Regierung anerkannte Transportfirma damit beauftragt wurde. Die Regelungen gelten zunächst für einen Monat und werden dann überprüft.

fdi/dpa

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Seite 1
frubi 02.11.2010
1. .
Zitat von sysopSensoren, Scanner, Biometrik: Ein hochmoderner "Technologie-Tunnel" könnte die Kontrollen an Flughäfen künftig sicherer und komfortabler machen - das schlägt der Luftfahrtverband IATA vor. Brisanz erhalten die Forderungen der Branche durch die vereitelten Paketbombenanschläge. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,726757,00.html
Wie lange mussten Menschen in Europa und Amerika am Flughafen ihre Flüssigkeiten in einen Beutel stecken, nur weil ein Typ mal Flüssigsprengstoff dabei hatte? Das ganze ist doch krank. Was machen wir denn, wenn demnächst Körperbomber auftauchen die ihre Dynamitstange im Rektum aufbewahren? Einmal Darmspiegelung 4 free vor dem einchecken? Im Irak sprengen sich regelmäßig Leute auf öffentlichen Plätzen in die Luft. Verbietet man dort deswegen öffentliche Plätze oder umzäunt diese und lässt Ein- und Ausgänge kontrollieren? Nein. Und das obwohl die Gefahr bei denen alltäglich vorhanden ist. Wir hingegen machen uns im Allgäu in die Hosen wenn im Sauerland 4 Amateure Bombenbastler spielen, obwohl unsere Sicherheitsbehörden alles unter Kontrolle hatten.
Renardmalin 02.11.2010
2. Druckerpatronen nicht im Handgepäck
Zitat von sysopSensoren, Scanner, Biometrik: Ein hochmoderner "Technologie-Tunnel" könnte die Kontrollen an Flughäfen künftig sicherer und komfortabler machen - das schlägt der Luftfahrtverband IATA vor. Brisanz erhalten die Forderungen der Branche durch die vereitelten Paketbombenanschläge. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,726757,00.html
Na ja; wenn die Druckerpatronen dann im Frachtteil des Flugzeugs und nicht unter dem Sitz hochgehen, ist das natürlich was gaaaanz anders! Der Herr von British Airways hat schon recht: dieser Aktionismus ist unsinnig! ... und die Terroristen halten sich den Bauch vor Lachen!
Mario V., 02.11.2010
3. Druckerpatronen dürfen nicht mehr...
Oh Mann. Das ganze Affentheater ist doch nur noch lächerlich.
vhf 02.11.2010
4. Total Recall...
Zitat von sysopSensoren, Scanner, Biometrik: Ein hochmoderner "Technologie-Tunnel" könnte die Kontrollen an Flughäfen künftig sicherer und komfortabler machen - das schlägt der Luftfahrtverband IATA vor. Brisanz erhalten die Forderungen der Branche durch die vereitelten Paketbombenanschläge. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,726757,00.html
Erinnert sich irgendwer an den U-Bahn-Tunnel von TR? http://www.wired.com/images_blogs/photos/uncategorized/2008/12/01/total_recall_skeleton.jpg
gsm900, 03.11.2010
5. Ich
Zitat von vhfErinnert sich irgendwer an den U-Bahn-Tunnel von TR? http://www.wired.com/images_blogs/photos/uncategorized/2008/12/01/total_recall_skeleton.jpg
Das fiel mir auch als erstes ein : Life imitates "art".
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