Test der Bundespolizei Kontrollen auch am Düsseldorfer Flughafen schlampig

Frankfurt ist offenbar nicht der einzige Flughafen, auf dem die Sicherheitskontrollen versagen. Auch in Düsseldorf ließ sich das Personal an Röntgengeräten austricksen. Politiker fordern, die Privatisierung der Luftsicherheit rückgängig zu machen.

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Düsseldorfer Flughafen: Drähte und verdächtige Metallteile am Sicherheitspersonal vorbeigeschmuggelt
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Düsseldorfer Flughafen: Drähte und verdächtige Metallteile am Sicherheitspersonal vorbeigeschmuggelt


Berlin/Düsseldorf - Die Schlamperei bei Passagierkontrollen beschränkt sich offenbar nicht auf den Frankfurter Flughafen. Während EU-Prüfer Anfang November in Frankfurt mit gefährlichen Teilen unentdeckt durch die Kontrollspuren schlüpfen konnten, gelang dies Bundespolizisten bei internen Realtests etwa zeitgleich auch am Düsseldorfer Flughafen.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen schmuggelten die Beamte mögliche Teile einer Selbstbaubombe am Sicherheitspersonal vorbei - im Jargon der Security unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung (USBV) genannt. Dabei handelt es sich in der Regel um mutmaßliche Zünder, Drähte oder andere Metallteile, die für einen Zündsatz benötigt werden.

Die Bundespolizei führt solche Realtests mehrmals im Monat durch, um die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte - in diesem Fall einer privaten Sicherheitsfirma - zu überwachen. Bereits in der Vergangenheit waren dabei erhebliche Mängel aufgefallen. So hatten Kontrolleure 2006 am Flughafen Frankfurt in 36 Prozent aller Fälle nicht gut genug hingeschaut. Dagegen handelte es sich bei der aktuellen Überprüfung am Frankfurter Flughafen um ein EU-Audit, bei dem Prüfer aus anderen EU-Staaten einfliegen und sich mit versteckten Risiko-Utensilien in die Schlange stellen.

Hatte Frankfurt dabei vor vier Jahren noch gut abgeschnitten, kamen die Tester diesmal mit mehr als der Hälfte ihrer gefährlichen Utensilien durch. Dabei soll es sich auch hier um USBV-Teile gehandelt haben, nicht um komplette Pistolen oder Messer. Als Folge des EU-Tests wird in Frankfurt zurzeit jede vierte Tasche per Hand nachkontrolliert, was zu deutlich längeren Schlangen in der Abfertigung am Rhein-Main-Airport führt. Dazu tragen nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport auch die hohen Passagierzahlen vor Weihnachten bei.

"Fair bezahltes Personal statt Körperscanner"

Die von EU-Prüfern aufgedeckten Sicherheitsmängel in Frankfurt haben eine Diskussion über die Zuständigkeit für die Passagierkontrollen entfacht. Politiker von SPD, Grünen und Linken, aber auch Polizeigewerkschaften stellen die Übertragung auf private Dienstleister infrage. Das Bundesinnenministerium kündigte eine grundsätzliche Prüfung der Kontrollen an.

Ein Sprecher des Innenministeriums sprach von einem "ernstzunehmenden Vorfall". Es seien "unverzüglich" Maßnahmen wie zusätzliche Kontrollen und Nachschulungen eingeleitet worden. Zur Frage der privaten Dienste sowie zu Details der aufgedeckten Sicherheitsmängel äußerte sich der Sprecher nicht.

SPD-Vize Ralf Stegner sagte der Online-Ausgabe des "Handelsblatts": "Ob die betrauten privaten Unternehmen hinreichend Gewähr für eine zuverlässige Sicherheitsüberprüfung bieten oder nicht", müsse ernsthaft geprüft werden. Die Sicherheit der Passagiere an Flughäfen zu garantieren, liege weiter in öffentlicher Verantwortung. Volker Beck, innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, sagte der Zeitung: "Die Frage muss erlaubt sein, ob beim Schutz unserer Infrastruktur vor Terror nicht staatlich organisierte Sicherheit am Ende preiswerter, wenn auch nominell teurer ist."

Linken-Fraktionsvize Jan Korte forderte, die Privatisierung im Bereich der Luftsicherheit rückgängig zu machen. "Anstatt auf unausgereifte und unsichere Technik wie bei den Körperscannern sollte endlich wieder auf gut ausgebildetes, fair entlohntes und motiviertes Personal gesetzt werden", erklärte Korte. Auch für die Gewerkschaft der Polizei gehört der Bereich der Luftsicherheit zurück in die öffentliche Hand. "Die Firmen bringen Beschäftigte, die lediglich angelernt, aber nicht ausgebildet sind", sagte der stellvertretende Vorsitzende Jörg Radek auf NDR Info.

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), verteidigte dagegen grundsätzlich den Einsatz von privatem Sicherheitspersonal an Flughäfen. Aufgrund der Personalsituation bei der Bundespolizei müsse es durchaus möglich sein, "auch bestimmte Aufgaben an private Sicherheitsdienste zu delegieren, aber natürlich nach bestimmten konkreten Vorgaben", sagte Mayer im WDR. Die Sicherheitsdienste müssten regelmäßig überprüft, kontrolliert und evaluiert werden.

Mit Material von dpa



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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
Icestorm 22.12.2014
1. Welche Vorgaben?
Welche Vorgaben bekommen denn diese Sicherheitsfirmen? Müssen sie garantieren, in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Zahl Passagiere durchzuschleusen? Das wäre eine Erklärung, weil sie sonst evtl. Konventionalstrafen seitens des Flughafens zahlen müssen. Und wie immer wohl, bekommt auch hier der Billigste den Zuschlag.
aa_mode 22.12.2014
2.
Na wenigstens fummelten die Kontrolleure jedes Mal zielsicher mein halbvolles Wasserfläschchen aus dem Handgepäck. So gab es wenigstens "gefühlte Sicherheit".
dwg 22.12.2014
3. Nix da von wegen schlampig!
Die haben alle Wasserflaschen und Zahnpastatuben immer zuverlässig gefunden! http://townhall.com/political-cartoons/scottstantis/2007/10/19/8692
darkmattenergy 22.12.2014
4. Jede Bratwurstbude würde von Ordnungsamt umgehend geschlossen,...
...lange bevor auch nur ein Bruchteil der jetzt bei deutschen Flughäfen entdeckten Verletzungen von Vorschriften endeckt werden. Es ist höchste Zeit, die Verletzung staatlich verordneter Sicherheitsbestimmungen ungeachtet der Größe eines Unternehmens unnachsichtig und mit jedem erforderlichen Nachdruck durchzusetzen.
jujo 22.12.2014
5. ...
Die Sache ist ganz einfach, betrifft auch andere. Schlechte Bezahlung ergibt schlechte Arbeitsleistung. Bildet man gut aus, hat man gute Leute, bezahlt man sie ordentlich, liefern sie auch gute Arbeit ab. Warum sind diese Leute nicht direkt bei Fraport angestellt?
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