Sicherheitskräfte im Ausstand Streiks lähmen Flughäfen Hamburg und Köln/Bonn

Hunderte Flüge wurden gestrichen, vor den Personenkontrollen bildeten sich lange Schlangen: Die Sicherheitsdienste am Flughafen Hamburg haben ihren Streik fortgesetzt, auch die Kollegen in Köln/Bonn legten die Arbeit nieder. Sie fordern 30 Prozent mehr Lohn.

Streikbedingte Flugausfälle am Donnerstag in Hamburg: Der Ausstand geht weiter
DPA

Streikbedingte Flugausfälle am Donnerstag in Hamburg: Der Ausstand geht weiter


Hamburg/Köln/Bonn - Streiks des privaten Sicherheitspersonals an den Flughäfen Hamburg und Köln/Bonn haben am Freitag für große Behinderungen gesorgt. Nach Angaben der Airportbetreiber vom Vormittag wurden weit mehr als 200 Flüge annulliert, mit weiteren Streichungen im Tagesverlauf müsse gerechnet werden. "Es ist sehr voll in den Terminals. Die Wartenzeiten sind im Moment noch sehr lang", sagte eine Sprecherin des Flughafens Hamburg.

Mit Schichtbeginn um 4 Uhr am Freitagmorgen legten die Mitarbeiter des privaten Sicherheitsgewerbes die Arbeit nieder. Die Streiks sollen den ganzen Tag dauern.

In Hamburg und Köln/Bonn gelang es der Bundespolizei nach Airport-Angaben am Freitagmorgen lediglich, einige wenige Kontrollschleusen zu öffnen. In Hamburg waren es demnach zwei von 20, in Köln/Bonn eine von üblicherweise zwölf. Der Flughafens Köln/Bonn kritisierte die Streiks scharf. "Die Flughäfen sind nicht Tarifpartner, sondern lediglich die Arbeitsstätte, an der dieser Arbeitskampf ausgetragen wird", erklärte der Betreiber auf seiner Internetseite. Er bemühe sich mit den Fluglinien, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

In Hamburg standen am Freitag 179 Flüge auf dem Plan. Von Köln/Bonn sollten fast hundert Maschinen mit rund 10.000 Passagieren starten. Schon am Donnerstag hatten Zehntausende Reisende die Streiks zu spüren bekommen. Am drittgrößten deutschen Airport in Düsseldorf wurde jeder dritte, in Hamburg sogar jeder zweite Flug annulliert. Die Wartezeiten betrugen bis zu drei Stunden.

Mit dem Streik will Ver.di in dem festgefahrenen Tarifstreit ein neues Angebot der Arbeitgeber erzwingen. Bereits im Januar war es zu Streiks in Düsseldorf, Köln/Bonn und Hamburg gekommen.

Die Gewerkschaft greift damit wie angedroht zur flexiblen Streik-Stafette. Die Branche zeigte sich entsetzt: Die Verbände von Flughäfen, Airlines und Luftwirtschaft appellierten eindringlich an die Tarifparteien der Sicherheitsbranche, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Doch die Fronten sind verhärtet. Beide Seiten gaben jeweils der anderen die Schuld an der verfahrenen Situation.

Gewerkschaft fordert 30 Prozent mehr Gehalt

Ver.di warf dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) vor, die Streiks bewusst zu provozieren und leichtfertig Millionenschäden bei nicht beteiligten Unternehmen zu verursachen, um die eigenen Gewinne zu sichern. "Ein Arbeitgeberverband hat die Aufgabe, Tarifkonflikte zu lösen und nicht, toter Mann zu spielen", so Ver.di-Verhandlungsführerin Andrea Becker. Es gebe immer noch kein verbessertes Angebot der privaten Sicherheitsdienste.

Die Arbeitgeber zeigten sich unbeeindruckt und verwiesen erneut auf ihr Angebot aus dem Dezember: "Es ist an Ver.di, auf uns zuzugehen", sagte ein BDSW-Sprecher. Das Angebot sei das höchste der vergangenen 15 Jahre und sehe Lohnerhöhungen in NRW zwischen 4,9 und 9,2 Prozent vor. Ver.di fordert Lohnzuschläge für die 34.000 Beschäftigten von 30 Prozent. Man wolle sie aus dem Niedriglohnbereich holen.

Nach Gewerkschaftsangaben befinden sich 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten im Sicherheitsgewerbe in der untersten Lohngruppe mit einem Stundenlohn von 8,23 Euro. Für den unteren Tarifbereich fordert Ver.di eine Erhöhung der Stundenlöhne auf 10,50 Euro. An den Flughäfen sollen sie auf 16 Euro brutto steigen.

Die wichtigsten Informationen für Passagiere:

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?

Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern. Die Fluglinien empfehlen, bei Inlandsflügen auf die Bahn auszuweichen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

  • Flughafen Köln/Bonn: 02203 404001
  • Flughafen Hamburg: 0180 5252525
  • Hotlines von Veranstaltern:

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    insgesamt 28 Beiträge
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    Seite 1
    iffel1 15.02.2013
    1. Werden diese Mitarbeiter zu teuer
    kann der Bund eigene Mitarbeiter wieder hinstellen, schließlich ist dieses eine Aufgabe der Bundespolizei und dann wird die Aufgabe eben nicht delegiert, sondern mit Angestellten des Öffentlichen Dienstes durchgeführt - das ist nur eine Frage des Preises. Bei einer 30%igen Steigerung läßt sich das auch über den Öffentlichen Dienst abdecken. Streikt Euch weg !
    Peter-Lublewski 15.02.2013
    2. Hotlines
    Hauptsache, die Veranstalter-Hotlines funktionieren :-)
    toledo 15.02.2013
    3. ...
    Wenn ich mir betrachte, wieviel Euros dem Passagier für die achso notwendigen 'Sicherheitskontrollen' abgeknöpft werden und dies in Relation zu der Anzahl der Passagiere setze, die so ein Angestellter so in der Stunde abfertigt, scheint mir für Lohnerhöhungen noch viel Luft nach oben zu sein!
    nein_zur_vds 15.02.2013
    4. tja...
    Zitat von sysopDPAZahlreiche Flüge wurden gestrichen, vor den Personenkontrollen bildeten sich lange Schlangen: Die privaten Sicherheitsdienste am Flughafen Hamburg haben ihren Streik am Morgen fortgesetzt, auch die Kollegen in Köln/Bonn legten die Arbeit nieder. Sie fordern 30 Prozent mehr Lohn. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/sicherheitskraefte-im-ausstand-a-883530.html
    Eine völlig überflüssige Branche (wenn Sicherheitskontrollen dann ist das ja wohl eine genuin staatliche Aufgabe) mit einer völlig überflüssigen Aufgabenstellung (Schüren von Terrorhysterie als Profitbeschaffungsmaßnahme)... Weg mit den überflüssigen völlig überzogenen Kontrollen. 10% des derzeit betriebenen Aufwandes reicht völlig aus um Sicherheit zu gewährleisten. Alles andere ist Hysterie. Und das ganze dann bitte mit gut bezahlten Staatsbediensteten und schon gibt es keine derartigen Streiks mehr man wird nicht mehr mit "Untersuchungen des Laptops auf Sprengstoffspuren" (ich könnte mich kringeln vor Lachen...) belästigt, könnte unbehelligt mein Deo und mein Shampoo ins Handgepck tun und würde auch ansonsten vor übellaunigen sich aufspielenden Wichtigtuern verschont bleiben...
    bürgerundwähler 15.02.2013
    5. Auf dem Rücken der Passagiere??
    Nichts für ungut, aber hier wird - mal wieder unterstützt von der ach so sozialen Gewerkschaft - ein Streik auf dem Rücken von Menschen ausgetragen, die nun gar nichts für die tarifliche Situation des Sicherheitspersonal können. Ich warte auf den Moment, an dem Ver.di wegen der entstandenen finanziellen Schäden von einzelnen Passagieren (bei beruflich bedingten Flügen nicht abwegig) die ersten Schadensersatzklagen um die Ohren fliegen und diese noch von deutschen Gerichten bestätigt werden. Ist zwar natürlich unrealistisch, wäre m.E. aber angemessen. Bei allem Verständnis für das Recht auf Streik und für das Recht auf gerechte Bezahlung. So wie das hier wiederholt abläuft, ist das einfach nur unverschämt gegenüber Zehntausenden von Passagieren.
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