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Sitzstreik in Ryanair-Maschine: Meuterei auf Flug FR5222

Sie waren aufgebracht, einige sollen sogar handgreiflich geworden sein: Nachdem eine Ryanair-Maschine in Belgien statt in Frankreich landete, haben Passagiere einen Sitzstreik gestartet. Die Fluglinie zeigte wenig Verständnis: "Das ist jetzt ein Fall für die Polizei."

Ryanair-Flugzeug (Archivbild): Nächtlicher Protest in der Kabine Zur Großansicht
REUTERS

Ryanair-Flugzeug (Archivbild): Nächtlicher Protest in der Kabine

Hamburg - Vier Stunden lang hielten sie im Dunkeln aus, ohne Getränke oder funktionierende Toiletten: Die Passagiere eines Ryanair-Flugs von Fes in Marokko nach Beauvais in der Nähe von Paris traten in den Sitzstreik, nachdem ihre Maschine spät in der Nacht auf einen belgischen Flughafen umgeleitet worden war.

Laut AFP soll es sich dabei um mehr als hundert Fluggäste gehandelt haben. "Die Menschen waren sehr aufgebracht und zu Recht wütend", sagte ein Flughafensprecher der französischen Nachrichtenseite 7sur7. Einige seien sogar handgreiflich geworden, die Situation sei sehr angespannt gewesen. Die Flughafenmitarbeiter boten Familien mit Kindern an, sich in der Cafeteria des Personals aufzuwärmen und etwas zu essen. Ein Problem sei gewesen, dass die Flugzeug-Crew nicht mehr im Dienst war, dadurch habe das Airport-Personal sich um die Situation kümmern müssen.

Nach Angaben der Fluggesellschaft seien an dem Abend mehrere Maschinen umgeleitet worden. "Weil der Flughafen Beauvais wegen Nebels geschlossen war, mussten vier Ryanair-Flugzeuge nach Lüttich umgeleitet werden", sagte Ryanair-Sprecher Stephen McNamara SPIEGEL ONLINE.

Die Mehrzahl der Fluggäste habe die Maschinen verlassen und sei in einen bereitstehenden Bus nach Beauvais gestiegen. "Doch die Passagiere eines Flugs aus Fes ignorierten die Anweisungen der Crew und blieben im Flugzeug." Die Flughafenpolizei habe sie schließlich dazu gebracht, die Maschine zu verlassen, sämtliche Passagiere seien inzwischen per Bus nach Beauvais gelangt. Verständnis für die frustrierten Reisenden zeigte die Airline am Mittwoch nicht: "Das ist jetzt ein Fall für die Polizei", sagte McNamara.

Mehrstündige Verspätung in Fes

Das Flugzeug war in Marokko bereits mit mehrstündiger Verspätung gestartet, nach Angaben von Passagieren soll es vor der Landung keine Informationen über die Umleitung gegeben haben.

Kurz vor Mitternacht erreichte Flug FR5222 Lüttich. "Das ist nicht hinnehmbar", sagte Passagierin Mylène Netange. "Ohne uns zu warnen, ist das Flugzeug nicht in Beauvais, sondern in Lüttich gelandet." Sogar Familien mit kleinen Kindern beteiligten sich an dem Protest und blieben trotz verschlossener Toiletten an Bord.

In zähen Verhandlungen protestierten die Fluggäste gegen die Änderung ihrer Reiseroute. "Die Verhandlungen waren so schwierig, dass wir nicht sicher waren, ob sie rauskommen würden", sagte ein Feuerwehrmann. Die Passagiere, die meisten von ihnen französische Touristen, hätten dann aber gegen 3.30 Uhr doch überzeugt werden können, das Flugzeug zu verlassen und im Flughafengebäude auf einen Bus zu warten, der sie zu ihrem Zielort bringen sollte. Die letzten verließen nach Angaben von 7sur7 gegen 4.30 Uhr per Bus den Airport. Bis nach Beauvais sind es von dort etwa 340 Kilometer.

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sto/AFP

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insgesamt 126 Beiträge
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    Seite 1    
1. t
loncaros 17.11.2010
Und eine Stunde auf den Bus warten müssen. Aber war ja wichtiger, die Leute erstmal rauszuschaffen als dafür zu sorgen dass sie tatsächlich weiterreisen konnten. Und 4 Stunden saßen sie schon in der Maschine, macht also 5 Stunden bis der Bus aufgetrieben war. Absolut erbärmlich und zeigt deutlich, wie wenig Rechte man als Flugreisender hat.
2. diesem irren iren ist nur
blitzgewitter 17.11.2010
beizukommen, indem man ihn und sein unternehmen meidet. eine woche boykott und dann ist der laden pleite und der irre ire, platt. doch billige preise sind geil, und die leute sind geil auf billige preise, dann sollen sie in die hose pissen, wenn die klos verschlossen sind oder noch besser unter den sitz des vordermannes....das gibt g´schmäckle.
3. Schön,
Hovac 17.11.2010
gelegentlich muss gezeigt werden das man nicht einfach alles so mal eben machen darf, die Franzosen haben uns da etwas vorraus.
4. Kaum eine Chance
Irishcoffe 17.11.2010
Das Problem hierbei liegt klar auf der Hand: Inwieweit ist es zu rechtfertigen, dass Passagiere zu solch einer Art "Selbstjustiz" im moderaten Sinne greifen? Da es sich lediglich um eine Form von Protest handelt, ist dies wohl grundsätzlich hinnehmbar, wenngleich jedoch auch fremdes Eigentum (hier das besagte Flugzeug) in die Aktion miteinbezogen wurde. Es dürfte darüberhinaus auch klar sein, dass sich Ryanair einen feuchten Kehrricht um die Situation ihrer Reisenden schert, wenn sie sich für eine solche Umleitung entscheiden ohne die Fluggäste zu informieren. Bleibt also zu hoffen, dass sich die Gesellschaft angemessen entschuldigt und für die Unannehmlichkeiten aufkommt! Viel Erfolg auf jedenfall denen, die den Mut besitzen Ryanair auf Schadensersatz zu klagen!
5. Nicht wirklich verwunderlich...
robr 17.11.2010
Zitat von sysopSie waren aufgebracht, einige sollen sogar handgreiflich geworden sein: Nachdem eine Ryanair-Maschine in Belgien statt in Frankreich landete, haben Passagiere einen Sitzstreik gestartet. Die Fluglinie zeigte wenig Verständnis: "Das ist jetzt ein Fall für die Polizei." http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,729601,00.html
Es ist zwar kaum zu glauben dass diese Menschen es wussten, aber eine Ryanair von England nach Lanzarote hat auch schon mal die Passagiere auf der falschen Insel - Fuerteventura - von Bord gelassen, allerdings ohne die Weiterfahrt zu organisieren. Wenn man schon vor der Landung die Passagiere über das Problem und die Art und Weise des Weitertransports informiert hätte, wäre es wohl kaum soweit gekommen. Rechtlich ist die Situation sehr verfahren: die Passagiere müssen die Anweisungen des Kaitäns Folge leisten, aber andererseits hätte die Crew die Maschine auch nicht verlassen dürfen. Die Betreuung durch die Flughafenmitarbeiter zählt nicht, die sind für diese Tätigkeiten weder geschult noch darf ihnen diese Aufgabe übertragen werden. Ryanair pur mal wieder...
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