Braune Hänge zum Start der Skisaison Wo bleibt der Schnee?

Tristesse auf den Bergen: In den bayerischen Skigebieten sind die Hänge immer noch nicht weiß. Zum Start der Wintersaison hatte auf der Zugspitze nur ein einziger Lift geöffnet. Andernorts versucht man es mit Schneekanonen. Ob das Spaß bringt?

DPA

Garmisch-Partenkirchen - Skifans freuen sich schon lange auf den Start der Saison. Nur auf guten Schnee werden sie noch länger warten müssen.

Vergangenes Wochenende startete auf der 2962 Meter hohen Zugspitze die Wintersaison der bayerischen Alpen. Und das mit einem einzigen Lift. Auf dem Gletscher reicht der junge Schnee gerade so für die ersten Schwünge, wie ein Sprecher der Zugspitzbahn erläutert. Weiter unten können bislang nicht einmal die Pistenraupen fahren - auf dem steinigen Untergrund etwa im Weißen Tal fehlt es noch an weißer Pracht.

Wann kommt der Schnee?

Wann Skifahrer und Snowboarder an der Zugspitze richtig loslegen können, darauf wollen sich die Verantwortlichen natürlich nicht festlegen. "Grundsätzlich wäre es um diese Jahreszeit oben kalt genug, dass der Schnee liegen bleibt", sagt ein Sprecher. "Wir müssen aber auf Niederschläge warten." Denn: "An der Zugspitze gibt es keine einzige Schneekanone. Wir sind zu 100 Prozent ein Naturschnee-Skigebiet." Deshalb variiert der Saisonstart besonders stark. Mal geht es Ende Oktober los wie vor vier und fünf Jahren, manchmal Mitte Dezember.

Andernorts rüsten die Wintersportorte mit Schneekanonen auf. Längst blasen surrende und zischende Maschinen künstliche Flocken auf die Pisten. Umweltschützer kritisieren das angesichts des Klimawandels als falschen Weg und fordern ein Umdenken der Touristiker.

Die meisten bayerischen Pisten liegen unterhalb von 1500 Metern. Prognosen zufolge wird dort in 20 bis 30 Jahren kein rentabler Skibetrieb mehr möglich sein. Nach einer Studie im Auftrag des Deutschen Alpenvereins (DAV) werden Skifahrer in Bayern langfristig nur zwei schneesichere Gebiete finden: Garmisch-Partenkirchen und das Gebiet um die Zugspitze und Oberstdorf mit dem Nebelhorn.

Schnee aus dem Teich

Deutschlands Liftbetreiber sind hingegen sicher: Auf deutschen Pisten gibt es die nächsten 30 Jahre genug Schnee - auch wenn er aus der Kanone kommt. Der Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) hat dazu eine Studie am Innsbrucker Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung in Auftrag gegeben. "Schnee ist und bleibt die Existenzgrundlage des alpinen Wintertourismus", sagte VDS-Präsident Peter Huber kürzlich.

Für 12,5 Millionen Euro haben die Bergbahnen am Sudelfeld bei Bayrischzell gegen den Protest von Umweltgruppen einen zwei Fußballfelder großen Speicherteich gebaut. Er soll die Beschneiung und damit den Wintersport für die nächsten 25 Jahre sichern. Der Teich versorgt in einem im Landschaftsschutzgebiet gelegenen Skigebiet die Maschinen mit Wasser für Kunstschnee.

Bisher wurden in dem Gebiet 20 Hektar Pisten beschneit. "Jetzt sind es 43", sagt Geschäftsführer Harald Gmeiner. Im Endausbau sollen es 71 Hektar sein. "Was dort an Fakten geschaffen wurde, ist an Brutalität im bayerischen Alpenraum bisher singulär", kritisiert Hubert Weiger, Chef des Bundes Naturschutz (BN) in Bayern.

Es müsse überlegt werden, ob das, was möglich ist, auch sinnvoll ist, kritisiert auch Thomas Bucher vom DAV. "Will jeder dann 40 Euro für die Tageskarte zahlen?" Und wen werde es reizen, auf weißen Bändern im Grünen ins Tal zu fahren? "Einen echten Winter kann man auch mit Schneekanonen nicht herbeizaubern."

Party statt Sport

Wer denkt, in Österreich sei es sicher besser, der irrt. Auch die Pisten in Tirol oder im Vorarlberg sind noch grün. Noch nicht einmal im hoch gelegenen Obertauern reicht der Schnee derzeit, um die Pisten zu öffnen, berichtet die österreichische Tageszeitung "Die Presse". Auch für Schneekanonen sei es zu warm und zu feucht. Um sie anzuwerfen, müsse das Thermometer auf minus fünf Grad Celsius fallen, wird Peter Bogensperger zitiert, der Geschäftsführer der Liftgemeinschaft Obertauern.

So manch einer kommt aber ohnehin nicht zum Ski- oder Snowbardfahren in die Berge, sondern zum Partymachen. Das Gute: Da braucht man nicht zwingend Schnee. Vom 11. bis 14. Dezember findet das größte Elektrofestival der Alpen statt, der Rave on Snow in Saalbach-Hinterklemm. Hier wird unter anderem der bekannte deutsche DJ Sven Väth die Menge zum Tanzen bringen. Und das geht auch ohne Schneekanonen.

Sabine Dobel und Paul Winterer/dpa/jkö

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
archback 08.12.2014
1.
Die Krankenkassen freut'. Teure Skiunfälle sindohne Schnee nicht möglich. Ich kenne übrigens keinen Freizeitskisportler aus meiner norddeutschen Heimat, der noch nicht verunfallt ist.
neinsagen 08.12.2014
2. meinst Du das die Skifahrer das mit dem Klima blicken
Sie schreien nach Schnee, nach Lifte, nach Jagertee und grunzen nach Energieverschwendung, stehen im Stau mit laufenden qualmenden Motoren und lassen die Schneekanonen rattern. Meinst Du das die Skifahrer das blicken mit der Klimaänderung die seit mehr als 15 Jahren schon die Berge nicht mehr weiss werden lässt. Nein Skifahrer sind doof,doofer,calais
MutzurLücke 08.12.2014
3. Eisboseln ohne Eis wird auch schwer...
Zitat von archbackDie Krankenkassen freut'. Teure Skiunfälle sindohne Schnee nicht möglich. Ich kenne übrigens keinen Freizeitskisportler aus meiner norddeutschen Heimat, der noch nicht verunfallt ist.
Statistisch sind Skiunfälle erheblich seltener als Unfälle in den allermeisten anderen Sportarten, wenn sie auch gerne mal etwas schwerer sind. Außerdem sind viele Skifahrer privatversichert. Aber bitte bleiben Sie gerne beim Hallenhalm. Übermäßige Angst ist wirklich einer der kürzesten Wege zum Unfall, und ohne die ganzen panischen Sicherheitsfanatiker habe ich auch mehr Platz auf der Piste. Das trägt massiv zu Sicherheit und Genuss bei... Im Übrigen finden Adrenalin-Junkies immer einen Weg, Risiken einzugehen. Wenn nicht im Schnee, dann halt anderswo, wo's auch gefährlich ist.
stefanmargraf 08.12.2014
4. Wos jez?
Auf der einen Seite wird ueber den Gletscherrueckgang gejammert und die Felsen weiss angepinselt und auf der anderen Seite ist "kuenstlicher Schnee" schlimm, also gefrorenes Wasser, das nicht auf dem Weg von Wolke bis Boden gefror (300m), sondern versprueht wird und innerhalb von ca 10m gefriert.
caligus 08.12.2014
5. Unbezahlbar
Skiurlaub mit der Familie? Nicht mehr bezahlbar. Wir haben die Wintersaison inzwischen völlig abgeschafft.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.