Skitrend des Winters: Auf der Piste wird gerockt

Vom "Skifahren 3.0" schwärmt die Industrie - und stellt ihr Angebot fast komplett auf Rocker-Ski um. Entwickelt für das Fahren im Gelände, erobern die Bretter mit den gebogenen Enden nun auch die Pisten. Laien verirren sich jedoch noch im Kauderwelsch der Produktnamen.

Wintersportmesse Ispo: Trends für Pistenfans Fotos
dapd

München - Da ist Musik drin: Knapp 20 Jahre nach der Entwicklung der Carving-Technik gibt es in der Skibranche einen neuen starken Trend - die Rocker-Technik. Schon seit vielen Jahren werden die Ski mit den nach oben gebogenen Spitzen und Enden bei Fahrten in offenem Gelände eingesetzt. Nun sind sie auch immer öfter auf den präparierten Pisten zu sehen. Einige Unternehmen haben bereits fast ihr komplettes Sortiment auf die Rocker umgestellt, wie sich auf der Wintersportmesse Ispo in München beobachten lässt.

"Mittlerweile sind fast 100 Prozent unseres Sortiments Rocker-Ski", erklärt beispielsweise ein Sprecher von Atomic. Lediglich für die Weltcupfahrer und ein paar Funpark-Liebhaber gibt es noch klassische Bretter. Bei Völkl sind ebenfalls bereits große Teile der Kollektion auf Rocker umgestellt. K2 hat nur noch einen Ski ohne Rocker-Technik.

Sogar bei Head hat in der Zwischenzeit ein Umdenken eingesetzt. Das Unternehmen hatte sich den hochgebogenen Skiern zunächst weitgehend verweigert. Nun verspricht Marketingchef René Harrer nicht weniger als "Skifahren 3.0". "Skifahren soll einfach Spaß machen", gibt das Unternehmen als Devise aus.

Spaß - genau das steht bei den meisten Rocker-Ski im Mittelpunkt. Wer Skifahren todernst nimmt und eine harte sportliche Linie bevorzugt, wird derzeit noch zu den klassischen Carving-Ski greifen. Doch wer eher zu den Genussfahrern gehört und auch gerne mal einen Ausritt ins Gelände wagt, für den sind die neuen Bretter wie gemacht, glaubt Skiexperte Christoph Ebert, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Sport Technologie Gesundheit in Garmisch-Partenkirchen.

Vom Normal- in den Rockermodus

Doch auch das könnte sich bald ändern. Wo geht die Reise bei den Rockern hin? Einige Unternehmen sprechen bereits vom vollständigen Siegeszug der Rocker in allen Bereichen. So glaubt Völkl-Produktmanager Andreas Mann, "dass es in wenigen Jahren nur noch gerockte Ski geben wird". Und auch Rossignol schlägt in die gleiche Kerbe: "Bis auf wenige Ski wird in den kommenden Jahren alles in der neuen Technologie verkauft werden", sagt Hilmar Bolle, Country Manager für Deutschland.

Skeptischer bleibt zum Beispiel Fischer. "Im Rennsport sind Rocker kein Thema", sagt eine Sprecherin. Der deutsche Hersteller hat dafür etwas ganz Neues im Angebot für alle, die sich nicht entscheiden können oder wollen. Bei der Hybrid-Serie lässt sich mit einem kleinen Knopf und wenigen Handgriffen der Ski vom Rockermodus in den Normalmodus umstellen.

Mit der zunehmenden Zahl an Rocker-Skiern wächst auch die Vielfalt der Bezeichnungen: Race Rocker, All Mountain, Powder-Rocker, Race-Carver. Der Laie verliert hier schnell den Durchblick. Die Hersteller versuchen zwar, ihre Produkte logisch zu kategorisieren, "aber jeder kocht da noch ein bisschen sein eigenes Süppchen", kritisiert Andreas König vom Deutschen Skiverband (DSV). Die Skier und deren Bezeichnungen seien selten miteinander vergleichbar. Der Skiexperte rät deshalb beim Skikauf einen Fachhändler aufzusuchen.

Freeski ist der Ursprung des Skifahrens

Seinen Ursprung hat das Trendthema Rocker beim Freeski, sprich beim Fahren abseits der Pisten. Die Tatsache, dass nun die Technologie auf der Piste Einzug hält, heißt nicht, dass der Freeski-Bereich an Bedeutung verliert - ganz im Gegenteil. Während das klassische Skigeschäft rückläufig ist, verspricht dieses Segment Wachstum.

Keine Firma mehr kann es sich erlauben, die meist junge Zielgruppe zu vernachlässigen. "Freeski und Tourengeher werden immer wichtiger", glaubt zum Beispiel Völkl-Manager Mann. Vor allem bei den Bindungen haben die Hersteller deshalb aufgerüstet. Nach Marker haben nun auch Salomon und Atomic Freeski-Bindungen entwickelt, die genauso stabil sein sollen wie normale Abfahrtsbindungen, mit denen die Wintersportler aber auch kleine Strecken bergauf gehen können. "Zurück zu den Wurzeln", beschreibt Head-Mann Harrer die Entwicklung, "das Freeskifahren ist der Ursprung des Skifahrens."

Egal ob auf oder neben der Piste: Der Rocker hat sich durchgesetzt, nun feilen die Entwickler an weiteren Details - allen voran dem Gewicht. Carbon, Titanal oder extrem leichte Holzkerne haben Einzug in das Innere des Skis gefunden. Leichtigkeitsvorreiter ist Völkl. Auf dem Ispo-Stand stellt das Unternehmen einen Ski vor, der ein halbes Kilo leichter ist als das konventionelle Vergleichsmodell.

Blizzard verspricht bei einem Tourenski 20 Prozent weniger Gewicht. Ebert vergleicht die Entwicklung mit der Fahrradindustrie. Auch dort gebe es extrem leichte Modelle, die mit extrem hochwertigen Materialien hergestellt sind. "Das hat alles hat natürlich seinen Preis", gibt Ebert zu bedenken.

Wer nicht das nötige Kleingeld besitzt oder wem die Ski trotz Leichtbauweise immer noch zu schwer sind, für den hat eine findige Firma auf der Ispo die passende Lösung parat: kleine Rollen, die unter das Skiende geklemmt werden und mit denen die Ski einfach gezogen werden können.

Michael Zehender, dpa

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1.
hador2 30.01.2012
Genau das was in den Skigebieten fehlt: Noch mehr Leute, die zwar die elementarsten Regeln des Skifahrens nicht kennen aber entweder im Tiefschnee unterwegs sind oder unkontrolliert auf der Piste rasen. Aber immerhin gibt es dank besserer Sicherheitsausrüstung inzwischen dennoch weniger Verletzte als früher.
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