Skurrile Urlauber-Beschwerden: Nackt unter Fremden

Von und

Diebische Mäuse, unfreiwillige FKK-Einlagen und verschwundene Opas: Reisebüros und Veranstalter erreichen die kuriosesten Beschwerden und Hilferufe. Das neue SPIEGEL-ONLINE-Buch "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt" hat die besten Beispiele gesammelt.

Cartoons aus dem Buch: "In meinem Zimmer brennt kein Licht" Fotos
hauckundbauer.de

Mal sorgen die Wellen am Traumstrand für Lärmbelästigung, mal sieht der Himmel irgendwie anders aus als im Katalog: Deutsche Urlauber sind zu den absurdesten Beschwerden fähig. Allein beim größten europäischen Veranstalter TUI gehen jährlich 63.000 Reklamationen aus Deutschland ein. Viele davon sind vermutlich berechtigt, tatsächlich verläuft manche Reise anders als gebucht, und nicht jedes Hotel hält das, was im Hochglanz-Katalog versprochen wird. Doch manches Beschwerdeschreiben lässt selbst routinierte Sachbearbeiter in Reiseunternehmen schmunzeln.

Kuriose Wünsche, Beschwerden und Hilferufe finden Sie jetzt im neuen SPIEGEL-ONLINE-Buch "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt", das bei Ullstein erschienen ist!

Autsch

"Die Messer waren so scharf geschliffen und die Gabeln so spitz, dass wir uns mehrfach verletzt haben. Wir waren gezwungen, eigene Bestecke zu kaufen. Rechnung anbei." (Eingegangen bei TUI)

Knacken im Nacken

Nach einer Fahrt mit einem Tauchsafari-Boot beschwerte sich ein Kunde: "Aufgrund dessen, dass der Flatscreen in meiner Kabine nicht an der richtigen Stelle angebracht war und ich von meinem Bett aus den Kopf etwas neigen musste, hatte ich Probleme mit meinem Nacken und konnte insgesamt drei Tauchgänge nicht durchführen." (Eingegangen bei einem Tauchsafari-Veranstalter in Ägypten)

Biorhythmus im Eimer

Ein Kunde reklamierte eine fünfstündige Verspätung seines Fluges. Er gab an, dadurch habe sich sein Biorhythmus verschoben, was wiederum eine längere Krankschreibung ausgelöst habe. Wir sollten ihm daher umgehend eine Entschädigung in Höhe eines von ihm genannten Betrages auf sein Konto überweisen. (Beschwerde beim Reiseveranstalter TUI)

Plötzlich war die Sonne weg

"Gefangen in Mauritius" - mit diesem Absender schrieb mir eine Kundin, Lehrerin für Deutsch und Geographie, einen erbosten Brief aus ihrem Urlaub auf der afrikanischen Insel. Sie erklärte, dass der Strand okay sei, beschwerte sich aber: Der Sonnenuntergang sei zu schnell! Die Zeit habe nicht für das romantische Abendessen mit ihrem Mann gereicht und auch nicht für ein von ihr angesetztes Versöhnungsgespräch. Dazu muss man wissen - und erst recht als Erdkundelehrerin -, dass die Insel nah am Äquator liegt und wegen der steileren Sonnenbahn die Abenddämmerung dort nun mal kürzer ist als bei uns.

Bei der Buchung hatte mir die Kundin ausgiebig von ihrem Zoff mit ihrem Ehemann erzählt, den Urlaub wollte sie zum Kitten ihrer Beziehung nutzen. Das war nun wegen des "zu schnellen Sonnenunterganges" gründlich danebengegangen. (Aus einem Reisebüro)

Aber bitte mit Nuss

Auf einer Rundreise in New York hatte ein Ehepaar eine Maus im Zimmer. Weder Hotelmanagement noch die Reiseleitung schafften Abhilfe, und die Maus fraß die Schokolade der beiden. Das beraubte Paar verlangte ein Entschuldigungsschreiben vom Veranstalter und eine 300-Gramm-Tafel Milka-Nuss. (Von einem Reiseveranstalter)

Bettprobleme

"Bitte keine karierte Bettwäsche, davon wird mir schlecht", verlangte ein Kunde bei der Hotelbuchung. (Aus einem Reisebüro)

Erlebnisurlaub nicht gewünscht

Ein Kunde beschwerte sich nach seinem Urlaub über sein Hotelzimmer: "Im Sanitärbereich stand während des gesamten Zeitraums keine Toilettenbürste zur Verfügung. Die defekte Bürste wurde von mir am ersten Tag bemängelt und vor die Tür gestellt. Täglich nach der Zimmerreinigung befand sich diese dann wieder in meinem Bad. Dieser Reinigungsgegenstand war aber nicht nutzbar, da der Stiel sehr kurz abgebrochen war. […] Ich möchte an dieser Stelle nur hilfsweise darauf verweisen, dass ich den Aufenthalt als 'Erholungs'urlaub gebucht hatte und nicht als 'Erlebnis'urlaub." (Eingegangen bei einem Reiseveranstalter)

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Reise-Fundstücke: Kurioses von unterwegs
Die liebe Familie...

Verzweifelt rief eine Familie aus den USA in unserem Reisebüro an: "Opa ist weg!" Ihr Großvater war ihnen in Disneyland in Florida abhandengekommen. Wir sollten den Kunden bei den Behördenformalitäten helfen. Erst zwei Tage später tauchte der alte Herr wieder auf. Er hatte sich einfach an den Tisch einer amerikanischen Familie gesetzt, die in dem Hotelbereich des Parks wohnte, und die hatte ihn für die zwei Nächte aufgenommen. Der Opa hatte wohl keine Lust mehr auf seine Sippe gehabt, denn verwirrt war er nicht. Aber auch seine Angehörigen hatten sich mit der Suche einen ganzen Tag Zeit gelassen - sie waren wohl genauso erleichtert, mal alleine unterwegs sein zu können. (Aus einem Reisebüro)

Und erst die liebe Frau...

Ein Kunde wollte Schadenersatz, weil sich die Buchung aus der Warteliste nicht realisieren ließ. "Können Sie sich vorstellen, was ich die 14 Tage mit meiner Frau aushalten musste? Ich möchte Ihrem Hause nicht feindlich gegenüberstehen und hätte gerne 20 Prozent vom geplanten Reisepreis", forderte er. (Eingegangen bei TUI)

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1. Die Ansprüche...
fatherted98 14.04.2011
...der Gäste werden immer höher. Verwöhnt durch guten Service und Ausstattung erwartet man immer mehr und regt sich auch über Kleinigkeiten enorm auf. Es ist schon fast zum Volkssport geworden sich zu beschweren und einen Teil des Reisespreises zurückzufordern. Angeregt durch Fernseh-Sendungen zum Thema Hoteltester, fahren Gäste mit weißen Handschuhen im Gepäck um Urlaub um damit die Staubflocken unter dem Sofa aufzuwischen und an der Rezeption zu präsentieren.
2. Fahren Sie mal...
MichaelNW3 14.04.2011
als nicht in Deutschland lebender Deutscher in den Individalurlaub und beobachten Sie die Deutschen. Das absolute highlight sind Personen aus der ehemaligen DDR. Man schämt sich in Grund und Boden.
3. ...
Crom 14.04.2011
Zitat von MichaelNW3als nicht in Deutschland lebender Deutscher in den Individalurlaub und beobachten Sie die Deutschen. Das absolute highlight sind Personen aus der ehemaligen DDR. Man schämt sich in Grund und Boden.
Eher sind solche Beiträge zum Schämen.
4. Man sollte halt alles nicht zu eng sehen
Koda 14.04.2011
bei meinem letzten Kenia-Urlaub verbrachte ich mit meiner kleinen Tochter eine Nacht in einer Lodge bei einem Wildreservat. Die Holzhäuschen waren soweit in Ordnung, die Ausstattung rustikal aber gemütlich; den Strom liess man auch etwas länger als angekündigt. Allerdings:Als ich mit meiner Tochter dann ins Badezimmer wollte, strömten dort gerade Scharen von Ameisen auf der Suche nach einem neuen Nest oder Nahrung zusammen, sammelten sich unter der Dusche und hatten wohl eine Duschecke als Ausgang gewählt. Der Massai, der als Wache angestellt war, meinte lapidar, wir könnten ruhig in der Hütte schlafen, die Ameisen seien nur auf der "Durchreise". Letzten Endes schliefen wir in einer anderen Hütte, wo einige Verwandte untergebracht waren. Im Nachhinein finde ich es doch recht lustig; es war ein Naturerlebnis, wie es viele eben NICHT erleben.
5. Dämliche Pauschalisierung
festuca 14.04.2011
Zitat von MichaelNW3als nicht in Deutschland lebender Deutscher in den Individalurlaub und beobachten Sie die Deutschen. Das absolute highlight sind Personen aus der ehemaligen DDR. Man schämt sich in Grund und Boden.
Wahrscheinlich mögen sie den sächsischen Dialekt nicht. Oder führt sich eine Horde "Ruhrpott-Prolls" besser auf?
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