Airline-Pleite Small Planet meldet Insolvenz an

Die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines ist pleite: Das Berliner Unternehmen war zuletzt berüchtigt wegen zum Teil mehrtägiger Verspätungen. Jetzt hat es Insolvenz angemeldet.

Small Planet Airlines
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Small Planet Airlines


Im deutschen Luftverkehrsmarkt ist eine weitere Airline in die Pleite gerutscht: Die Berliner Chartergesellschaft Small Planet Airlines hat beim Amtsgericht Charlottenburg eine Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Als Grund wurde die "angespannte finanzielle Situation durch die Ereignisse des laufenden Sommers" genannt. Man wolle das Unternehmen nun umstrukturieren.

Gemeint sind zahlreiche Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb, die zu hohen Entschädigungsansprüchen der betroffenen Passagiere geführt haben.

Der Flugbetrieb vor allem im Auftrag großer Reiseveranstalter werde weiter durchgeführt, teilte das Unternehmen weiter mit. Direkte Anfragen von Passagieren wollte die Airline "aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens" nicht beantworten. Die Gesellschaft betreibt nach eigenen Angaben aktuell neun Airbus-Jets.

In der Mitteilung der Fluggesellschaft hieß es, alle Flüge von und nach Deutschland, Österreich, Schweiz und den Niederlanden würden weiterhin von Small Planet Airlines Deutschland durchgeführt werden. Gebuchte Tickets behielten ihre Gültigkeit und auch alle Flugpläne blieben vorerst gültig.

Die gesamte Branche kämpft in diesem Sommer mit Engpässen bei der Flugsicherung, Streiks und Wetterphänomenen, die sich auf den Flugverkehr auswirken. Bei Small Planet sollen laut Branchenkreisen noch interne Organisationsprobleme hinzugekommen sein.

Fluggäste können nicht auf Entschädigung hoffen

Das Amtsgericht Charlottenburg bestätigte am Mittwoch den Antragseingang und den Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus als Sachwalter. Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, müssten sich die Passagiere mit ihren Entschädigungsforderungen bei den Gläubigern einreihen und würden möglicherweise kaum etwas erhalten. Die deutsche Small Planet beschäftigt rund 400 Mitarbeiter.

Nach Informationen des Fluggast-Sofortentschädigers EUflight sind bei der Airline nach einem chaotischen Sommer Entschädigungsforderungen von mehr als 20.000 Passagieren aufgelaufen. "Wir gehen von rund neun Millionen Euro gemäß EU-Fluggastrechte-Verordnung bestehender Ansprüche aus", sagte Geschäftsführer Lars Watermann. Für seine Firma wie auch für Fluggäste sei die Insolvenz nicht absehbar gewesen, weil Small Planet in der Vergangenheit regelmäßig gezahlt habe.

Vermutlich drohte nun bei der Airline wegen der notwendigen Rückstellungen eine bilanzielle Überschuldung, während Liquidität vorhanden gewesen sei. EUflight hat nach eigenen Angaben bis vor Kurzem Forderungen von Passagieren gegen Small Planet angekauft und muss nun mit einem weitgehenden Verlust rechnen. "Die vollständige Übernahme des Ausfallrisikos von den Fluggästen gehört zu unserem Geschäftsmodell", erklärte Watermann.

In den vergangenen Monaten hatte es zahlreiche mehrtägige Verspätungen bei Small Planet Airlines gegeben. Anfang September hatten etwa rund 200 Ägyptenurlauber mehr als 50 Stunden Verspätung auf ihrem Rückflug von Hurghada nach Hamburg. Zuvor waren Passagiere mit dem Ziel Köln/Bonn statt am Freitag erst am Montag angekommen.

Small Planet Airlines ist eine deutsche Charterfluggesellschaft, die 2015 in Berlin gegründet wurde und ihre Basis auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld hat. Sie ist eine Tochtergesellschaft der litauischen Small Planet Airlines und führt Flüge für Kunden wie Condor, TUI, FTI und Thomas Cook durch.

kry/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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reisender1 19.09.2018
1. Schade für die Mitarbeiter
bin letztens mit der Airline geflogen, der Flieger war zwar recht neu, aber mit minimalen Sitzabständen, hatte keine Bildschirme und auf einem knapp 4 Stunden langen Flug gab es keine kostenlose Verpflegung. Kann man ja in Kauf nehmen, wenn man die Tickets selbst bucht und das alles vorher weiß, leider war der Flug Bestandteil einer Pauschalreise ohne einen besonderen Hinweis. Bei der nächsten Reise habe ich darauf geachtet, dass nicht mit dieser Airline geflogen wird und bin persönlich nicht traurig, dass solche Anbieter den Markt frei machen.
raoul2 19.09.2018
2. Wenn FTI, TUI und andere
sich der "Dienste" dieser "Airline" bedient haben, ohne dies auch für eher ungeübte Selbst-Bucher eindeutig durch die Vertreiber ihrer Pauschalreisen den Kunden vor Buchung unmißverständlich mitteilen zu lassen, trifft sie ein gerüttelt Maß an Mitschuld. Wer sich auch nur ein klein bißchen mit den ausführenden "Airlines" beschäftigt hat (es gab seit langem verheerende Bewertungen für SPA), hat ein Bundle mit diesem Carrier selbstverständlich nicht gebucht.
reiwolf 19.09.2018
3. jaja....
da wollen irgendwelche bäcker, metzger, supermarkt inhaber usw. eine airline betreiben...und haben keine ahnung wie hart das geschäft ist...schon gar nicht wenn du nicht die notwendigen kontakte hast...?
Hans58 19.09.2018
4.
Zitat von raoul2sich der "Dienste" dieser "Airline" bedient haben, ohne dies auch für eher ungeübte Selbst-Bucher eindeutig durch die Vertreiber ihrer Pauschalreisen den Kunden vor Buchung unmißverständlich mitteilen zu lassen, trifft sie ein gerüttelt Maß an Mitschuld. Wer sich auch nur ein klein bißchen mit den ausführenden "Airlines" beschäftigt hat (es gab seit langem verheerende Bewertungen für SPA), hat ein Bundle mit diesem Carrier selbstverständlich nicht gebucht.
Wer "ungeübter Selbst-Bucher" ist und auch die Abkürzungen für Fluggesellschaften nicht kennt, trägt ein sein Risiko selbst. Warum sollen Veranstalter daher eine Mittschuld haben? Übrigens, Small Planet Airlines hat mit SAP nichts zu tun. Die Codes sind entweder 5P (IATA) oder LLX (ICAO). Bin gespannt, was die "Muttergesellschaft" (Small Planet Airlines, Litauen) zu der Insolvenz zu sagen hat. Im Übrigen, die von der Germania 2014 ohne näheren Angaben entlassenen Geschäftsführer waren die Gründungsväter der deutschen Small Planet Airlines, einer managt die Small Planet Airlines derzeit.
sebesth 19.09.2018
5. Gestrandet in Rhodos
Ein paar Stunden nach der Verkündung blieben gleich die ersten Passagiered in Leipzig wegen einer defekten Maschine auf dem Boden. Aus diesem Grund warten jetzt immernoch Passagiere wie ich auf Rhodos. Heute Abend soll eine andere Airline und nach Berlin fliegen.
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