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12. September 2018, 12:12 Uhr

SNCF

Französische Bahn entwickelt autonome Züge

Ab 2023 sollen in Frankreich selbstfahrende Züge auf den Gleisen unterwegs sein - zunächst zum Test. Der französische Bahnbetreiber SNCF will zusammen mit der Industrie solche Prototypen entwickeln.

Manche U-Bahnen sind bereits ohne Fahrer unterwegs, künftig könnte auch die Eisenbahn automatisiert werden. Der staatliche französische Bahnbetreiber SNCF will mit großen Partnern aus der Industrie autonome Züge auf die Schiene bringen. Bis 2023 sollen Prototypen für Regional- und Frachtzüge entwickelt werden, die ohne Lokführer fahren können.

"Das ist ganz klar die Zukunft des Zugs", sagte SNCF-Chef Guillaume Pepy in Paris. Die selbstfahrenden Züge sollen dann von 2025 an im normalen Verkehr eingesetzt werden. Das Bahnunternehmen, der französische Staat und die Industrie investieren 57 Millionen Euro in die Entwicklung der Prototypen.

Nach Angaben der SNCF sollen solche autonomen Züge vor allem auf stark belasteten Strecken zum Einsatz kommen. Dort sollen sie die Kapazität des Bahnverkehrs erhöhen, da dank geringerem Abstand bis zu 30 Prozent mehr Züge auf der gleichen Strecke fahren könnten. Der Verkehr werde flüssiger, da alle mit der gleichen Geschwindigkeit verkehrten, sagte Pepy. Dies bedeute auch "eine größere Pünktlichkeit der Züge" und ein sinkender Energieverbrauch.

Nach Darstellung Pepys geht es vor allem darum, vorhandene Technologiebausteine zu kombinieren - also etwa auf Erfahrungen aus der Entwicklung selbstfahrender Autos und automatischer U-Bahnen aufzubauen. Es sollen keine völlig neuen Züge entwickelt werden, was viel teurer wäre. Basis für den autonomen Regionalzug ist etwa ein vorhandenes Modell des Herstellers Bombardier, das dann mit Technik anderer Unternehmen aufgerüstet werden soll.

Am Konsortium für den autonomen Frachtzug ist unter anderem der französische Zughersteller Alstom beteiligt, der im kommenden Jahr mit der Bahnsparte des deutschen Siemens-Konzerns fusionieren soll. Am regionalen Passagierzug ohne Lokführer arbeitet neben Bombardier auch der deutsche Automobilzulieferer Bosch mit. Hinzu kommen weitere Partner etwa aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz.

Für TGV-Hochgeschwindigkeitszüge plant die SNCF zunächst nur, Beschleunigungs- und Bremsvorgänge zu automatisieren. Der Lokführer bliebe dabei aber etwa für das Erkennen von Hindernissen zuständig.

Autonome S-Bahn in Hamburg ab 2021

Weltweit gibt es schon eine Reihe führerlose Bahnen, meist sind das aber geschlossene Systeme wie U-Bahnen - wie bei der Metro in Paris - und Flughafen-Pendelzüge. Eine autonome Eisenbahn ist komplexer. Die Züge müssen mit Sensoren und Computersystemen ausgestattet werden, die Hindernisse erkennen und darauf reagieren. "Wir werden den Zug intelligent machen", sagte Carole Desnost, Innovationschefin der SNCF.

Auch in Deutschland wird über automatisierte Züge nachgedacht. Vor zwei Jahren hatte der damalige Bahnchef Rüdiger Grube damit gerechnet, dass spätestens 2023 in Teilen des Netzes vollautomatisch gefahren werden könne - was bei Experten und Gewerkschaften auf Skepsis stieß.

In Hamburg soll 2021 die Pilotstrecke für die erste führerlose S-Bahn des Landes in Betrieb gehen, eine Kooperation der Hansestadt mit Siemens und der Deutschen Bahn. Für die Güterbahn-Tochter DB Cargo wurde in München eine vollautomatische Rangierlok getestet. Sie soll bis 2021 serienreif sein.

abl/dpa/AFP

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