Reisetrends für den Sommer Griechenland boomt, Ägypten holt auf

Welche Reiseländer werden in diesem Sommer besonders viele deutsche Touristen anlocken? Die Veranstalter setzen auf Klassiker wie Spanien und Italien - und erwarten einen Riesenansturm auf griechische Inseln.

TMN

Berlin - Wohin reisen die Deutschen? Ein Blick in die Statistik zeigt seit vielen Jahren kaum Veränderungen: Das eigene Land liegt im Ranking vorne, dann folgen Spanien und Italien. "Die Klassiker 2013 bleiben auch die Klassiker 2014", sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Doch auf den Plätzen dahinter tut sich viel. Einige Ziele tauchen in diesem Sommer zum ersten Mal so richtig auf der touristischen Landkarte auf, andere wollen wieder dorthin zurück. Ein Überblick:

Spanien:

Hier sieht es aus wie immer, könnte man sagen. Auch im bevorstehenden Sommer ist Spanien für viele deutsche Urlauber ein Muss. "Vor allem auf Mallorca wird es sogar noch weiter aufwärts gehen - keine Ahnung, wo da noch Wachstum möglich ist", sagt ein Touristiker, der nicht genannt werden will. Doch nicht nur auf Mallorca wird im Sommer die Post abgehen. "Neben den Hauptdestinationen wie Mallorca treten mehr und mehr die mittelgroßen Reiseziele wie Menorca und Ibiza in den Vordergrund", sagt TUI-Touristikchef Oliver Dörschuck.

Bei Thomas Cook und Neckermann ist Ibiza stärker als Menorca. Ebenfalls sehr gut laufen bei Thomas Cook die Kanaren. "Es hat sich herumgesprochen, dass es im Sommer dort nicht besonders heiß ist", sagt Markus Leutner, Leiter im Produktmanagement für Nah- und Mittelstreckenflüge. Bei den Pauschalreiseveranstaltern von DER Touristik laufen ebenfalls die Kanaren und das spanische Festland gut, die Balearen liegen laut Geschäftsführer Sören Hartmann auf dem hohen Niveau des Vorjahres.

Griechenland:

Kommt die Rede auf Griechenland, überschlagen sich die Touristiker derzeit fast: "Rückkehr zu alter Stärke" (TUI), "Comeback" (DER-Touristik-Pauschalveranstalter), "Vorkrisenniveau erreicht" (Thomas Cook) - so lauten die Schlagworte. Nachdem aufgrund der politischen Unruhen die Nachfrage 2012 deutlich eingebrochen war, läuft es derzeit fast bei allen Anbietern in Hellas sehr gut.

So gut, dass sich Urlauber teilweise bereits beeilen müssen, um noch ein Bett zu bekommen. "Das wird definitiv kein Spätbucher-Jahr in Griechenland", sagt FTI-Chef Dietmar Gunz. "Das wird das erste Land, das voll ist."

Denn auch Urlauber aus Osteuropa drängen wieder massiv nach Griechenland. "Es läuft vor allem auf den Inseln sehr gut - Kreta, Rhodos und Kos", sagt auch Thomas-Cook-Mann Leutner. "Da wird es teilweise jetzt schon eng. Wir müssen Betten nachkaufen."

Deutschland:

Genauso sicher wie Spanien auf Platz eins der beliebtesten Auslandsreiseziele der Deutschen liegt, bleibt Deutschland selbst seit vielen Jahren im Gesamt-Ranking auf Platz eins. Laut der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen verbrachten 2013 zwei von fünf Deutschen den Urlaub im eigenen Land. Erstmals seit vielen Jahren gab es jedoch keine Zuwächse. Für die Reiseveranstalter ist Deutschland zwar ein wichtiges Reiseziel, wie DRV-Sprecher Schäfer betont. Allerdings werden viele Reisen auf eigene Faust gebucht.

Bei Thomas Cook ist Deutschland im Sommer unter den Top-3-Zielen, vor allem als klassisches Urlaubsziel für Familien. Bei den DER-Pauschalveranstaltern setzt sich bei Deutschland-Reisen der Trend zu kurzfristiger Buchung fort. "Je schlechter der Sommer hier ist, umso später buchen viele ihren Urlaub im Folgejahr", erklärt Hartmann. Neben den klassischen Zielen wie Nord- und Ostsee sehen die Veranstalter auch Wachstum bei Spezialangeboten wie Musicalreisen, Wellnessreisen (FTI) oder auch Urlaub mit Hund im Bayerischen Wald (Thomas Cook).

Türkei:

Unbeeindruckt von den Unruhen im vergangenen Jahr in Istanbul zeigt sich die Nachfrage nach Türkeireisen. Das Land scheint sogar von den Unruhen in Ägypten profitiert zu haben. Hinter Spanien und Italien liegt die Türkei in fast allen Statistiken auf Platz drei der beliebtesten Reiseländer der Deutschen. Laut der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen machte das Land im vergangenen Jahr sogar etwas Boden gut - was jedoch vor allem daran lag, dass Italien schwächelte.

"Das Land ist stark im Kommen", sagt Markus Leutner von Thomas Cook. Die Hotels und Angebote vor Ort hätten sich in den vergangenen Jahren stark verbessert, die Preise seien niedrig, und vor allem die in den meisten Hotels vorhandenen All-inclusive-Angebote kämen bei den Deutschen gut an. Bei FTI gab es nach den Unruhen in Istanbul eine kleine Buchungsdelle im Mai. "Das hat sich jedoch schnell wieder erholt", so Gunz.

Ägypten:

"Ägypten holt allmählich wieder auf", sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Die Buchungen für den Sommer zögen bei den meisten Veranstaltern zwar wieder an, doch sei die Nachfrage vielfach von günstigen Preisen getrieben. "Die Hoteliers gewähren teils sehr hohe Preisnachlässe." Auch bei TUI zieht die Nachfrage für Reisen ans Rote Meer laut Dörschuck langsam wieder an. Doch erneute Unruhen in Kairo bremsten die Entwicklung immer wieder. Am schnellsten erholt sich bei TUI Hurghada. Deshalb haben die Hannoveraner dort noch einmal zusätzliche Flugkapazitäten aufgelegt.

"Ägypten ist zurück", sagt FTI-Chef Gunz. Bis April seien die Kapazitäten noch reduziert, aber teilweise schon komplett ausgebucht, der Sommer liege schon wieder auf dem Niveau des vergangenen Jahres. FTI war im vergangenen Sommer einer von wenigen Reiseveranstaltern, die trotz des verschärften Sicherheitshinweises des Auswärtigen Amtes Reisen ans Rote Meer anboten. Wie TUI hatten auch Thomas Cook und Neckermann die Buchungen gestoppt.

Doch jetzt läuft das Land im Kurzfristbereich gut, im mittelfristigen Bereich - sprich auch für den Sommer - noch etwas schwächer, wie Leutner erklärt. Die Pauschalveranstalter von DER Touristik sprechen von einer "positiven Entwicklung in Nordafrika im zweistelligen Bereich".

Brasilien:

Fußball-WM 2014 und Olympische Spiele 2016 - allein deshalb richten sich viele Blicke in der kommenden Zeit nach Brasilien. Aber Trenddestination? Nein - da sind sich fast alle Touristiker einig. "Wir verzeichnen keine verstärkte Nachfrage, auch nicht für die Zeit vor und nach der WM", sagt FTI-Chef Gunz. "Das ist nicht der Fokus für uns", sagt auch Thomas-Cook-Manager Roland Junker. Wenn überhaupt, sieht er einen Trend für die Zeit nach der WM, "weil dann die Preise nach unten gehen".

Lediglich TUI beobachtet ein zweistelliges Wachstum - wenn auch auf niedrigem Niveau. "Das ist insofern ungewöhnlich, als sportliche Großereignisse in der Regel erst in den Folgejahren einen positiven Effekt auf die Austragungsstätten haben", so Dörschuck.

Michael Zehender/dpa/sto



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