Ausnahmezustand in Sri Lanka Auswärtiges Amt mahnt Reisende zur besonderen Vorsicht

Bei Unruhen in Sri Lanka sind zwei Menschen ums Leben gekommen, der Präsident hat einen einwöchigen Ausnahmezustand verhängt. Reisende sollten Menschenansammlungen und Demonstrationen meiden, rät das Auswärtige Amt.

Militär auf den Straßen von Kandy
REUTERS

Militär auf den Straßen von Kandy


Nach gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Buddhisten und Muslimen mit zwei Toten hat Sri Lankas Regierung für sieben Tage einen landesweiten Ausnahmezustand verhängt. Der Schritt sei nötig geworden, nachdem die Polizei die Gewalt nicht habe eindämmen können, erklärte die Regierung am Dienstag.

Nach Angaben von Stadtplanungsminister Rauf Hakeem konzentrierten sich die Gewalttätigkeiten der buddhistischen Mehrheit der Singhalesen gegen die muslimische Minderheit bislang auf die Stadt Kandy. Dort wurden schwer bewaffnete Polizisten eingesetzt. Mit dem Ausnahmezustand wolle die Regierung eine Ausweitung der Gewalt verhindern, sagte er.

Während der zweitägigen Ausschreitungen wurden mehr als 150 Gebäude und Geschäfte in Kandy in Brand gesteckt. Die Stadt im bergigen Hochland des Inselstaats ist ein beliebtes touristisches Ziel und liegt auf der Route jeder Rundreise. Großbritannien und die USA gaben wegen der angespannten Lage Reisewarnungen für Sri Lanka heraus.

Das deutsche Auswärtige Amt rät Urlaubern in seinem Sicherheitshinweis, "größere Menschenansammlungen und Demonstrationen zu meiden und Anordnungen von Sicherheitskräften unbedingt Folge zu leisten". Der Notstand schränke die Bürgerrechte zum Teil ein und räume Sicherheitskräften erweiterte Befugnisse ein.

Entschuldigung an muslimische Minderheit

Auslöser für die Gewalt soll der Polizei zufolge ein Angriff muslimischer Jugendlicher auf einen singhalesischen Lastwagenfahrer nach einem Verkehrsunfall am Montag gewesen sein. Der Fahrer kam demnach dabei ums Leben.

Am Dienstag wurde die Leiche eines 24-jährigen muslimischen Mannes aus einem niedergebrannten Gebäude geborgen. In der Nacht zum Mittwoch seien mindestens drei Polizisten bei Zusammenstößen in einem Vorort von Kandy verletzt worden, sagte Polizeisprecher Ruwan Gunasekera.

Bislang nahm die Polizei im Zusammenhang mit den Ausschreitungen nach eigenen Angaben zwei Dutzend Verdächtige fest. Es würden "alle denkbaren Maßnahmen" zum Schutz der Menschen und besonders von Muslimen ergriffen, sagte Regierungschef Ranil Wickremesinghe vor dem Parlament.

Das Parlament entschuldigte sich bei der muslimischen Minderheit für die Gewaltakte. Es war das erste Mal seit dem Jahr 2011, dass die Regierung den Ausnahmezustand verhängte.

abl/dpa/AFP

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