Staatsbesuch in Deutschland Wo landet Bush?

US-Präsident George W. Bush will Mitte Juli Stralsund besuchen. Die Planungen für den Staatsbesuch sind bereits angelaufen. Doch wo in Mecklenburg-Vorpommern kann die riesige Präsidentenmaschine Air Force One überhaupt landen?


Seit bekannt geworden ist, dass US-Präsident Bush voraussichtlich am 14. Juli gemeinsam mit Angela Merkel Stralsund, den Wahlkreis der Bundeskanzlerin, besuchen wird, stellen sich nicht nur Flugzeugliebhaber eine wichtige Frage: Wo soll die Air Force One landen? Immerhin handelt es sich bei der Präsidentenmaschine um eine umgebaute Boeing 747-200 B und damit um eines der größten Passagierflugzeuge weltweit.

Als Landeplatz für den Jumbo mit Konferenzzimmer, Präsidentensuite mit separatem Ankleidezimmer kommen nur drei nordostdeutsche Flughäfen in Frage. Die Flugzeugbesatzung hat die Wahl zwischen Rostock-Laage, Schwerin-Parchim und Trollenhagen bei Neubrandenburg - wenn der Jumbo direkt in Mecklenburg-Vorpommern landen soll und nicht etwa in Berlin.

Der größte Flughafen im Land und der einzige mit eigener Grundausrüstung für Prominenten- und Staatsempfänge ist Rostock-Laage. Mittlerweile habe man sich einen eigenen roten Teppich und den Großteil ausländischer Flaggen angeschafft, sagt Geschäftsführer Bernd Blumenthal. Falls die Air Force One in Rostock-Laage aufsetzen sollte, sei das nicht nur eine Ehre, sondern auch eine gute Übung. "Nächstes Jahr werden hier viele Staatsoberhäupter für den G8-Gipfel in Heiligendamm ankommen", sagt Blumenthal. Da der Staatsgast Bush die Standards für die Sicherheit festlege, sei das eine Herausforderung mit großem Trainingseffekt. "Da muss einfach alles stimmen."

Chirac und Königin Beatrix landeten in Schwerin 

Auf dem Flugplatz Schwerin-Parchim, der zu DDR-Zeiten von der Sowjetarmee genutzt wurde, hat man ebenfalls Erfahrung mit Staatsoberhäuptern und großen Fliegern. "Hier sind die Antonows 124 mit einer Spannweite von 79 Metern ein- und ausgeflogen", sagt Operator Rolf Eichhorn. Das seien immerhin satte 20 Meter mehr an Spannweite, als die Präsidentenmaschine habe. Der Präsidentenbesuch wäre mit Sicherheit "schon eine logistische Herausforderung". Allerdings wäre Bush nicht der erste Staatsmann, der dort seinen Fuß auf den Boden setze. In Schwerin-Parchim seien schon sein französischer Amtskollege Jacques Chirac, Altkanzler Gerhard Schröder und die niederländische Königin Beatrix begrüßt worden.

Eine Landeerlaubnis könnte Air Force One auch auf dem Flughafen Trollenhagen erteilt werden. Dort sind bereits Pop-Star Chris de Burgh, Walzerkönig André Rieu und verschiedene Minister aus dem Flieger gestiegen. Platz für die Präsidentenmaschine gebe es, aber hier habe die Bundeswehr das letzte Wort, sagt Geschäftsführer Peter Bafler. Trollenhagen war vor der Wende militärisches Sperrgebiet der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. Danach übernahm die Bundesluftwaffe den Platz, ermöglichte jedoch eine zivile Nutzung. Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen, die mit dem Besuch Bushs einhergingen, seien kein Problem. Außerdem gebe es um den Flughafen herum keine direkte Besiedlung, so dass er problemlos abgeriegelt werden könnte.

Der Barther Flughafen, der Stralsund am nächsten liegt und auf dem schon Bundeskanzlerin Merkel, Altkanzler Helmut Kohl und Tennisheld Boris Becker einflogen, hat dagegen keinen Platz für den großen Vogel. Das größte Flugzeug, das dort bisher landete, sei ein Jumbolino mit dem britischen Prinzen Philip an Bord gewesen, sagt der Geschäftsführer des Flughafens, Paul Wojtasik.

Michaela Zin Sprenger, ddp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.