Star-Randale im Flugzeug Wenn Promis in die Luft gehen

Über den Wolken kann der Ärger wohl grenzenlos sein: In Flugzeugen ist es oft eng, voll und laut. Nicht nur Prominente wie die Cranberries-Sängerin Dolores O'Riordan verlieren an Bord deshalb bisweilen die Geduld - und ihre Manieren.

Promis am Flughafen (Archiv): Olivia Jones (l.) mit Schauspieler Helmut Berger
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Promis am Flughafen (Archiv): Olivia Jones (l.) mit Schauspieler Helmut Berger


"Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen und dass man sich durch kleine widrige Zufälle, Schwierigkeiten, schlechtes Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lässt", schrieb Adolph Freiherr Knigge einst.

Was genau zu dem schlechten Benehmen der Cranberries-Sängerin Dolores O'Riordan führte, die zu Wochenbeginn auf einem Transatlantikflug nach Irland randalierte, ist nicht bekannt. Geduld aber scheint eine Tugend zu sein, die so manchem Prominenten auf Reisen fehlt. Immer wieder vergessen Passagiere mit Star-Status gerade an Flughäfen und an Bord von Flugzeugen ihre Manieren.

Die Liste der Geduldlosen ist lang und wird immer länger - von den Sängern Billie Joe Armstrong und Liam Gallagher über REM-Gitarrist Peter Buck, Schauspieler Jonathan Rhys Meyers und Rapper Snoop Doog zu Model Naomi Campbell, die 2008 ausflippte, nachdem ihr Koffer am Terminal 5 des Flughafens Heathrow verschwunden war. Nicht selten spielt bei den Vorfällen auch übermäßiger Alkoholgenuss eine Rolle. Ein Überblick über ein paar besondere prominente Aussetzer.

Promi-Randale im Flugzeug
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Gérard Depardieu erzählte jüngst von seinen Trinkvorlieben: Bis zu 14 Flaschen Wein "haue" er am Tag weg, sagte der Schauspieler in einem Interview - Gewohnheiten, an denen er offenbar auch auf Reisen festhält. Aber vielleicht hatte der 65-Jährige auch wirklich nur sehr viel Wasser getrunken, als er vor knapp drei Jahren im Gang einer Air-France-Maschine in Paris auf den Boden urinierte. "Ich kann nicht warten!", habe er gerufen, sagten damals Mitreisende. Die Fluglinie und Depardieus Umfeld wiesen später Gerüchte zurück, nach denen der Obelix-Darsteller betrunken gewesen sein soll.

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DSDS-Sieger Mark Medlock soll nach einem Problem mit der Flugzeugtoilette im September 2011 direkt von der Polizei abgeführt worden sein. Der Sänger habe auf einem Lufthansa-Flug von Chicago nach München kurz vor der Landung aufs Klo gehen wollen, schrieb der "Münchner Merkur" damals . Als er diese aber wegen eines Notfalls - eine Frau war zusammengebrochen und wurde in der Kabine versorgt - nicht habe benutzen können, sei er ausfallend und handgreiflich geworden, hieß es.

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Schauspieler Helmut Berger soll auf Reisen schon mehrmals durch offenbar Alkohol induziertes ungebührliches Verhalten aufgefallen sein. Die "Bild"-Zeitung begleitete im vergangenen Jahr den Flug des Österreichers nach Australien, wo er am "Dschungelcamp" teilnahm. Berger sei betrunken gewesen, schrieb die Zeitung damals , weswegen die Fluggesellschaft ihn "beinahe" nicht habe mitnehmen wollen. Im Juni soll Berger laut "Bild" eine Air-Berlin-Maschine am Düsseldorfer Flughafen verlassen haben müssen, weil er randalierte.

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Probleme an Bord hatte auch Sänger-Schauspieler-Darsteller David Hasselhoff schon: 2006 musste "The Hoff" eine British-Airways-Maschine verlassen, die ihn von London-Heathrow nach Los Angeles bringen sollte. Hasselhoff habe die Lounge am Flughafen um etwa sieben Uhr erreicht, dort "Flaschen Bier und Shots Whisky heruntergestürzt" und sei getaumelt, schrieb die britische "Sun" . Die Crew weigerte sich demnach, ihn anschließend mitzunehmen. Hasselhoffs Sprecherin Judy Katz sagte laut BBC später, das sei "vollkommen unwahr". Der damals 53-Jährige sei nicht betrunken gewesen, er habe sich nach der Einnahme von Medizin nur nicht wohl gefühlt und sich selbst für einen späteren Flug entschieden.

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Weltfußballer Diego Maradona geriet im Mai des vergangenen Jahres wegen Ernährungstipps mit einem anderen Passagier aneinander: Auf dem Flug von Dubai nach Buenos Aires soll dieser ihm über eine Stewardess Diätpillen angeboten haben. Maradona, der seit Ende seiner aktiven Fußballkarriere mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat, reagierte erbost: Er schrie und rempelte den Mitreisenden am Flughafen an, nachdem dieser sich nach der Ankunft als Pillen-Geber zu erkennen gegeben hatte. Maradona war an Flughäfen schon früher in Rage geraten: 2005 etwa demolierte er am Flughafen von Rio de Janeiro Teile der VIP-Lounge, nachdem er einen Flug verpasst hatte.

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Alec Baldwin wurde im Dezember 2011 aus einer Maschine von American Airlines geworfen, nachdem er sich geweigert hatte, vor dem Start sein Handy auszuschalten, und mit diesem dann auf der Flugzeugtoilette verschwunden war. Der US-Schauspieler hatte auf dem Telefon das Spiel "Words with Friends" gespielt, das er später als "süchtig machend" bezeichnete .

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Billie Joe Armstrong musste 2011 ein Southwest-Airlines-Flugzeug am Flughafen von Oakland, Kalifornien, verlassen, nachdem seine Kleidung als unangemessen eingestuft worden war. Seine Hose hänge zu tief, ob er sie bitte hochziehen könne, soll eine Stewardess ihn vor dem Start gebeten haben - was der Green-Day-Sänger verweigerte. Daraufhin mussten er und seine Begleiter aussteigen. Armstrong sendete später einen "What the fk?"-Tweet, blieb ansonsten aber offenbar friedlich .

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Auch die frühere Tennis-Spielerin Anna Kournikova handelte sich schon Probleme ein, weil sie nicht aufs Kabinenpersonal hören wollte. Im Jahr 2000 nahm sie ihren Schoßhund auf dem Weg von Dallas nach Miami aus dessen Tasche und behielt ihn auf dem Arm, obwohl das an Bord verboten ist. Später sagte sie, sie habe dem Tier seine dringend benötigte Pille geben wollen. Eine Strafe bekam sie dafür nicht.

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Schon etwas länger her ist der wohl größte Aussetzer, den die damals noch vereinte Rockguppe Oasis an Bord eines Flugzeugs hatte. Im Februar 1998 sei die Band auf dem Flug von Hongkong nach Perth in Australien durchgedreht, schrieb der SPIEGEL damals: "Die Truppe um Noel und Liam Gallagher soff, rauchte, warf mit Essen und drohte Mitpassagieren Prügel an." Angeblich soll Liam Gallagher in Rage geraten sein, nachdem ihm ein Scone verweigert worden war.

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US-Schauspielerin Gillian Anderson ("Akte X") steht seit 2006 auf der Liste der "Air Rages" genannten Flugzeugtumulte. Damals soll Anderson sich auf einem Flug von Colombo in Sri Lanka nach London bei ihrem Sitznachbarn beschwert haben, dass er nicht ausreichend nach seinem Kind schaue. Sie habe mehrere Gläser Rotwein intus gehabt und sei sehr aggressiv gewesen, sagte der Mann laut Medienberichten damals. Anderson wurde nach dem Wortwechsel ein anderer Platz angeboten, damit war der Vorfall offenbar erledigt.

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Anders als bei Ivana Trump: Die Ex-Frau von Milliardär Donald Trump regte sich 2009 vor dem Start eines Fluges von Palm Beach nach New York so über auf dem Gang spielende Kinder auf, dass die Crew sie schließlich aus der Maschine führte.

Der geringe Freiraum ist nur ein Problem

Aber natürlich sind Prominente nicht allein mit ihrem bodenlosen Ärger. Immer wieder müssen Flugzeuge zwischenlanden oder umkehren, weil auch andere Passagiere ihr Benehmen an Bord vergessen und ausfallend oder gar handgreiflich werden. Für großen Ärger sorgte im Sommer mehrfach auch der Einsatz eines sogenannten Knee Defender.

Der an der Rückenlehne des Vordermannes angebrachte Abstandshalter löste zwischen Reisenden schon einen so großen Streit aus, dass beispielsweise eine Maschine auf dem Weg von Newark nach Denver einen ungeplanten Zwischenstopp in Chicago einlegen musste.

Doch auch die Armlehnen zwischen zwei Sitzen können zu Unfrieden führen, und überhaupt: Oft scheint es bei den Ausrastern an Bord um den beengten Platz zu gehen. Oder, umfassender: den nicht vorhandenen Freiraum im Flugzeug.

Laut "New York Times" sind viele der heutigen Sitze enger, wo früher neun Sitze waren, gebe es jetzt teils zehn. "Wenn man Menschen zusammendrängt, gibt es einen Punkt, an dem sie nicht länger fähig sind, angemessen zu funktionieren", sagte Psychologie-Professor Leon James von der Universität von Hawaii der Zeitung. Die Enge führe zu Gefühlen der Entfremdung, zu Zynismus und Anonymität und infolgedessen zu einem "Ausfall der üblichen sozialen Hemmschwellen".

Die Airlines sind selbst schuld

Der US-amerikanische Reisejournalist William J. McGee macht die Airlines selbst dafür verantwortlich. Sie würden das antisoziale Verhalten der Passagiere durch ihre Sparmaßnahmen verstärken, schreibt er, durch eine verringerte Distanz zwischen den Sitzen etwa, die geringere Sitzbreite und die Gebühren für das Einchecken von Gepäck. Letztere würden beispielsweise dazu führen, dass mehr Reisende Taschen mit in die Kabine nehmen als zuvor und sich um den Platz in den Gepäckfächern streiten müssen. Auch der wegen fehlender Mahlzeiten mitgebrachte Proviant biete Potenzial für zusätzliche Konflikte.

Hinzukommen die typischen Beeinträchtigungen im Flugzeug: Stress, zu wenig Schlaf und Überanstrengung. Sie verringern laut "New York Times" die Fähigkeit zur Selbstkontrolle sowie jene, das Verhalten anderer richtig zu interpretieren. Auf diesen Zustand der Menschen müssten sich die Fluggesellschaften stärker einstellen, sagte Experte James der Zeitung. "Wenn sie das nicht tun, wird es noch viel schlimmer werden."

Vielleicht wäre ein Alkoholverbot an Bord eine erste Maßnahme zur Deeskalation. Viele Flugpassagiere unterschätzen die Wirkung des Alkoholkonsums an Bord. Was schon am Boden Hemmungen löst, kann wegen der Druckunterschiede in der Luft noch stärker wirken. Das wird wohl jede Kabinen-Crew aus eigener Erfahrung bestätigen können.

emt

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 13.11.2014
1. sogenannte Prominente...
...können sich doch wohl ein 1. Class Ticket leisten...ansonten ist es wohl mit der Prominenz nicht weit her...und in der 1. Class ist doch wohl genug Platz. Das mit dem Alk ist allerdings ein Problem dass nicht nur Promis betrifft...scheinbar nehmen viele den Flug zur Gelgenheit sich hemmungslos zu besaufen...was dann passiert ist meist vorhersehbar...aber geht auch zu Lasten der Airlines die den Alk anbieten.
miss_moffett 13.11.2014
2.
Als ob die nur Alkohol zu sich nehmen würden. Die Hälfte der genannten Promis sind oder waren Heroin/Kokain-User. Da kann ein Langstreckenflug schon verdammt lang warden.
sitiwati 13.11.2014
3. kann mich
an einen Flug erinnern-Gulf Air, wenn ich mich richtig erinnere, Holzklasse-Frankfurt-Jakarta vor mir Mitte, ich links, sass ein Deutschen , Tshirt N11, der sicher in den c 6Stunden Flug nach Doha c 8 Bier und etliche Kurze intus hatte, vor der Landung musste man ihn regelrecht einfangen, ass er die Mitreisende belästigte war klar, warum man dem Mann aber soviel Alk gab, ???, das Schöne war, nachdem er im Duty Free shop einen Sixpack gekauft hatte, den er noch leerte, fand er seine Bordkarte und Ticket nicht mehr und randalierte, ich musste dann zu meinem Weiterflug,, hätte dem Deppen gern noch ein bischen zugeschaut, seine indonesische Frau , die ziemlcih am Boden war, tat mir leid !
crunchy_frog 13.11.2014
4.
Der zu enge Platz wird bei den genannten Fällen kaum der Grund sein. Leute wie Ghallagher oder Trump fliegen wohl kaum Holzklasse. Problem wird eher das aufeinandertreffen zweier völlig gegensätzlicher Pole sein: auf der einen Seite das Kabinenpersonal, das oftmals meint besonders autoritär und arrogant auftreten zu müssen und auf der anderen Seite verhätschelte Promis, die üblicherweise nur devote Lakaien um sich haben.
DHC2 13.11.2014
5. Fracht motzt net...
Das Problem sind weniger die Airlines, sondern die getrübte Selbstwahrnehmung mancher Passagier_Inn_en. Keine(n) Flugbegleiter(in) interessiert die angebliche Prominenz eines Passagiers in der Holzklasse. Die bekommen die gesetzliche Grundversorgung - die gar nicht schlecht sein muss. Heimelig und gemütlich wird es erst ab der Business-Class. Aber die muss sich "Promi" erst einmal leisten können... Ich fliege seit über 10 Jahren Pappkartons und Alucontainer. Mich himmeln keine Stewardessen an, dafür haben mein Kollege und ich im Cockpit unsere Ruhe vor solchen "Prominenten". Unser Dispatcher sagt immer -in breitestem kölsch- : "Fracht motzt net, Fracht kotzt net!" Green skies :)
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