"Spaßsitz" steht auf dem blauen Aufkleber in einem Wagen der Londoner Central Line. "Für Menschen, die rauchen, trinken und Unzucht treiben wollen." Verpönt, verboten, unvorstellbar? Was auf der roten Linie zwischen Ealing Broadway und Epping erlaubt ist und was nicht, scheint der Künstlergruppe "Prankster Art Collective" ziemlich egal zu sein. Seit Monaten verziert sie die Plakate des Londoner U-Bahn-Netzes mit lustigen Aufklebern, die nur einen Zweck haben: den Fahrgästen ein Lächeln abzuringen.
Laut der Internetseite von "Stickers on the Central Line" fühlen sich die Künstler ganz dem vergrätzten Pendler verpflichtet: Man wolle Vergnügen bereiten, wenn Baustellen oder Streiks die Weiterfahrt verzögern, und kreiere dafür lustige Sticker.
Mal sind einfach die Buchstaben der Haltstellen vertauscht und stilisierte Figuren tänzeln über die U-Bahn-Karte, als feierten sie eine Party im Untergrund. Mal werden Haltestellennamen ersetzt durch Anweisungen wie "Hör auf zu glotzen". Oder es gibt fiktive Lücken im Streckenverlauf - in Anlehnung an die berühmte "Mind the Gap"-Durchsage.
Auch aktuelle Anlässe werden thematisiert. Als Richard Branson in den USA den Bau seines Space-Bahnhofes ankündigte, zeichneten die Aktivisten kurzerhand eine Umsteigemöglichkeit zum Mond in die Londoner Central Line ein: am Stadtrand in Buckhurst Hill.
Mit ihren Zeichnungen und Sprüchen nehmen die Künstler nicht nur Millionäre aufs Korn, sondern auch normale Fahrgäste - und die Royals. Eine Haltestelle war zeitweise in "Charles & Camilla" umbenannt - nur einen Stopp nach der Station "Diana". Die Anspielung auf die beiden Ehefrauen des britischen Thronfolgers Prinz Charles hat durchaus etwas Pikantes.
Doch wer meint, mit dem Tod scherzt man nicht, der sollte bei seinem nächsten London-Besuch vielleicht lieber nicht zu genau auf die Plakate in der U-Bahn achten: Einmal suggerierte die Stickergruppe, ein Bombenleger treibe sein Unwesen zwischen Oxford und Bond Street. Angesichts der schweren Bombenattentate in der Londoner U-Bahn vor über sieben Jahren ist dies ein Beweis mehr für den schwarzen Humor der Briten.
Monatelang hat die Gruppe "Stickers on the Central Line" ihren sprachlichen Schabernack in der Londoner Tube getrieben. Auf einer Webseite und auf Facebook haben die Künstler Fotobeweise gesammelt, unter einem Bild heißt es: "Alle guten Dinge müssen mal zu Ende sein. Es hat Spaß gemacht." Der Aufkleber, um den es sich dreht, ersetzt die Endstation in Londons Westen. Sie heißt nun: "The End."
jus
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