Reiseversicherung Stiftung Warentest rät zu Vorsicht im Reisebüro

Wer im Reisebüro bucht, sollte dort mit dem Urlaub nur nach genauer Prüfung auch eine Reiserücktrittsversicherung abschließen. Denn oft ist laut Stiftung Warentest der schnelle Abschluss nicht der beste.

Reisebüro in Hamburg: Angebote lieber zu Hause noch mal prüfen
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Reisebüro in Hamburg: Angebote lieber zu Hause noch mal prüfen


Berlin - So sinnvoll eine Reiserücktrittsversicherung besonders bei teuren Reisen auch sein mag, so wichtig ist vor dem Abschluss eine genaue Prüfung der Produkte. Die Stiftung Warentest hat die Verkaufspraxis der Reisebüros untersucht und festgestellt: Ein schneller Versicherungskauf dort ist häufig nicht sinnvoll.

Die Verbraucherorganisation hat Tester in Reisebüros der sechs größten Veranstalter geschickt. "Fast immer" wurden diesen dort dann nur Tarife von Versicherern angeboten, mit denen der Veranstalter oder das Reisebüro einen Rahmenvertrag hat - obwohl das für den Kunden häufig nicht die beste Wahl ist.

So wollten die Mitarbeiter den Kunden teils Pakete aus Rücktritts-, Kranken- und Gepäckversicherungen verkaufen, von denen Finanztest abrät, oder empfahlen gar veraltete Policen, obwohl es mittlerweile bessere Angebote gibt, so die Tester. Die Versicherung sei in den Buchungsmasken oft schon voreingestellt, und für jeden Abschluss erhielten die Reisebüros eine Provision.

Zu viele Tarife, zu wenig Zeit

Angehende Urlauber sollten sich nicht drängen lassen, so der Rat, die Vielfalt der Tarife sei zu groß, um sie in der Eile zu überschauen. Statt direkt nach der Urlaubsbuchung im Reisebüro auch eine Rücktrittsversicherung abzuschließen, sei es deshalb sinnvoll, das Angebot zu Hause eingehend zu prüfen und sich auch nach Alternativen umzusehen - im Reisebüro buchen kann man dann immer noch, wenn man das möchte.

Der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung sei meist bis zu 30 Tage vor Beginn der Reise möglich, hieß es bei der Stiftung Warentest, und bei kurzfristigen Reisen immer noch ein bis drei Tage nach der Buchung. Wichtig sei dabei vor allem eine klare Formulierung der Versicherungsbedingungen, um im Versicherungsfall tatsächlich recht zu bekommen.

Ein Abschluss ist nach Meinung von Finanztest vor allem bei kostspieligen Urlauben ratsam. Wer die gebuchte Reise absagen muss, verliert anderenfalls möglicherweise viel Geld - im schlimmsten Fall ist sogar der volle Verkaufspreis fällig. Die besten Leistungen bieten laut den Testern derzeit die Würzburger und die AGA.

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emt/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
HFB 19.02.2014
1. Reiseversicherungen im Reisebüro
Zitat von sysopDPAWer im Reisebüro bucht, sollte dort mit dem Urlaub nur nach genauer Prüfung auch eine Reiserücktrittsversicherung abschließen. Denn oft ist laut Stiftung Warentest der schnelle Abschluss nicht der beste. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/stiftung-warentest-vorsicht-bei-versicherungen-im-reisebuero-a-954361.html
Sollen die Kunden doch gern im Schadensfall das Internet oder Stiftung Warentest um Hilfe bei Schadensabwicklung bitten. Da wird ihnen sicherlich gut geholfen ... zumal die Preise der seriösen Anbieter im Internet und im Reisebüro die Gleichen sind.
ohne_sorge 19.02.2014
2. Aga
Bei uns hat die AGA anstandslos wg. Schwangerschaft meiner Frau nach Einsendung des ärztlichen Attests bezahlt. Kann ich daher nur empfehlen, denn es ging immerhin um rund 4.400€!
medienquadrat 19.02.2014
3. welche Existenzberechtigung hat diese
..."Lieber nicht spontan im Reisebüro abschließen" ... "Sicherer ist es, gute Angebote aus dem Test direkt beim Versicherer anzufordern" Es taucht sofort die Frage auf, welche Beweggründe stecken hinter dieser Aufforderung? Wer steckt dahinter? Welche externen Interessen? Stiftung Warentest mischt sich unqualifiziert in den Markt ein. Der sogenannte "Test" gibt keinerlei Grund für die o. Aussagen und Aufforderungen an die Verbraucher her. Im Gegenteil, gerade die Profis in den Reisebüros können Verbraucher diesbezüglich bestens beraten. welche Existenzberechtigung hat die "Stiftung"? ausgerechnet die Urlauber haben gemeinsam mit den Profis aus den Reisebüros die größten Communities im Internet. Unmittelbar zu jeder Frage gibt es sofort, unmittlbar ausführliche Statements untereinander. Warum sollte man einer laienhaft vorgenommenen und tendenziell durchschaubaren Stellungnahme und versuchten Marktbeeinflussung seitens Stiftung Warentest überhaupt noch Beachtung schenken? Die Kritik an diesem staatlich subventionierten Restrudiment der Verbraucheraufklärung ist groß: http://daserste.ndr.de/panorama/produkttest107.html Versuche, den Markt zu manipulieren dürfen nicht aus Steuergeldern finanziert werden. Verbraucherverdummung fängt da an, wo Zusammenhänge falsch dargestellt werden, Schlussfolgerungen beschrieben werden, die offensichtlich an den Haaren herbeigezogen sind, die die "Tests" bei fachkundiger Überprüfung überhaupt nicht hergeben.
mundi 19.02.2014
4. Kein ewiges Leben
Eine Versicherung, so sie nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, sollte nur dann abgeschlossen werden, wenn der mögliche Schadensfall existenzbedrohend wäre. Dazu gehören weder, Reiserücktritts- noch Gepäckversicherungen. Es ist aber eine Frage der Mentalität. Besonders in Deutschland. Man erwartet Vollkasko vom Leben. Einen Teil der Risiken muß der Staat abdecken und für den Rest sorgen dann die Versicherungen. Es ist er Sieg Hoffnung über der Realität. Dabei erfährt man schnell, dass in der Praxis, außer Bagatellfällen, die Erwartungen nicht erfüllt werden. So sichert die Lebensversicherung (komischer Name) kein ewiges Leben, die Rechtsschutzversicherung nicht den Gewinn eines Rechtsstreites. Die Prämien bei manchen Versicherungen verursachen bereits im Vorfeld die finanziellen Engpässe, vor denen sie angeblich schützen würden. "Es gibt Schlimmeres als den Tod. Dies weiß jeder, der mal einen Abend mit einem Versicherungsvertreter verbracht hat". (Woody Allen)
ArnoNym 19.02.2014
5. Schwachsinnige Versicherungen
Zitat von sysopDPAWer im Reisebüro bucht, sollte dort mit dem Urlaub nur nach genauer Prüfung auch eine Reiserücktrittsversicherung abschließen. Denn oft ist laut Stiftung Warentest der schnelle Abschluss nicht der beste. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/stiftung-warentest-vorsicht-bei-versicherungen-im-reisebuero-a-954361.html
@SPON: Was an nachfolgendem Post ist so schlimm, daß er nicht freigeschaltet wird? Nicht nur im Reisebüro sondern auch online werden gern völlig unnötige und auch sinnlose Versicherungen mitverkauft. Man sollte schon sehr genau hinschauen, was man wirklich braucht, was in den angebotenen Paketen wirklich drin ist und was sie kosten. Oft geht's mit einer externen Versicherung günstiger. "Ganz super" ist eine Reiserücktrittsversicherung speziell bei Flügen. Bei einer Flugbuchung nach BKK für 700 € wird ein solches Paket für 30 € angeboten. Wir rechnen mal kurz nach: Von den 700 € sind gut die Hälfte Steuern, Gebühren und Treibstoffzuschläge, die man auf Antrag ohnehin zurückbekommt, selbst wenn das Ticket "non-refundable" ist. Bleibt im Zweifelsfall ein Schaden von knapp 350 €, von dem die Versicherung allerdings nur 80% erstattet, was 280 € macht. Da 30 € Versicherung schon bezahlt sind, habe ich mit Versicherung einen finanziellen Vorteil von lediglich 250 €. Geht's noch? 30 € Versicherung, um 250 € abzusichern? Pro 8 Flügen müßte 1 Reiserücktritt vorkommen, dessen Gründe die Versicherung anerkennt (und die sind recht restriktiv!).
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