Billig und bequem Was Fernbusse im Vergleich mit der Bahn taugen

Kostenloses W-Lan an Bord, kalte Getränke und Zeitschriftenauswahl: Fernbusse arbeiten an ihrem Image. Billiger als die Bahn sind sie ohnehin, aber was taugt der Service? Stiftung Warentest hat sechs Anbieter unter die Lupe genommen - und bemängelte nur wenig.

city2city

Für Reisende, die auf ihrem Weg von A nach B weniger Geld ausgeben wollen, war es eine gute Nachricht: Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Busunternehmen der Bahn auf innerdeutschen Strecken über 50 Kilometern Konkurrenz machen - eine Änderung im Personenbeförderungsgesetz hat dies ermöglicht. Fernbuslinien verlangen für Tickets in der Regel niedrige Preise. Aber ist das der einzige Vorteil?

Stiftung Warentest sah sich den Service bei sechs Anbietern genauer an. Und kam zu einem überraschend positiven Ergebnis. Untersucht wurden unter anderem der Komfort im Fahrzeug und die Laune der Mitarbeiter.

Die Fahrer der neu gegründeten Unternehmen Dein Bus, Flixbus und Mein Fernbus seien "ausgesprochen freundlich und hilfsbereit" gewesen, urteilt Stiftung Warentest. Einzige Ausnahme war eine Fahrt mit der Deutschen Touring. "Der Bus ist kein Restaurant. Bitte unterlassen Sie das Essen", soll der Fahrer auf der Strecke von Hamburg nach Mannheim ins Mikrofon geraunzt haben, als ein Fahrgast sein Brötchen auspackte.

Bis auf wenige "Ausrutscher" bezeichnen die Tester die Bustouren als "angenehm". In einem Fahrzeug von Berlin Linien Bus (BLB) seien die Sitze bequem, sie böten auch für Größere ausreichend Beinfreiheit und ließen sich recht weit verstellen. Was bei der Bahn inzwischen pro Strecke vier Euro extra kostet, ist bei den Fernbussen übrigens im Fahrscheinpreis enthalten: die Sitzplatzgarantie.

Was gibt's gratis, was kostet extra?

Zusätzlich Geld verdienen die Buslinien jedoch, wenn Fahrgäste ein Fahrrad mitnehmen wollen: Es kostet bei BLB, Dein Bus, Flixbus und Mein Fernbus neun bis zehn Euro. Die Getränke sind durchweg günstig. Für Wasser, Cola und Bier verlangen die Unternehmen ein bis zwei Euro.

Da nun immer mehr Anbieter von Fernbusreisen auf den Markt drängen, buhlen die Unternehmen mit zusätzlichen Services um Kunden: Bei fünf der getesteten Anbieter können die Kunden im kostenlosen W-Lan surfen, BLB wirbt mit Gratis-Zeitschriften. "Die versprochenen Zeitungen und Magazine gab es auf unserer Fahrt aber nicht", berichten die Tester in der aktuellen Ausgabe von Stiftung Warentest.

Und wie zuverlässig sind die Fernbusse hinsichtlich Abfahrt und Ankunft? "Dass all unsere Probefahrten pünktlich ans Ziel kamen, dürfte eher Zufall sein", heißt es. Nicht immer sei die Verkehrssituation so entspannt, zitiert Stiftung Warentest einen Busfahrer. Für Reisende, die besonders schnell ankommen wollen, ist der Bus vielleicht nicht die erste Wahl. Oft dauert die Fahrt mehr als doppelt so lange wie mit der Bahn.

Auf der Strecke Frankfurt/Main bis Düsseldorf kalkuliert das Busunternehmen City2City vier Stunden ein, die Deutsche Bahn nur eine Stunde und 27 Minuten. Die Verbindung Stuttgart-München dagegen dauert bei Dein Bus (2:40) nur unwesentlich länger als bei der Bahn (2:12).

Umweltbewusste Menschen dürfen sich mit gutem Gewissen im Sitz zurücklehnen, schreibt Stiftung Warentest. Bei einem Vergleich der Emissionen einzelner Verkehrsträger hätten Reisebusse im Jahr 2010 am besten abgeschnitten. Laut Umweltbundesamt ist die Abgabe von Treibhausgasen geringer als bei der Bahn. Wem das nicht reicht: MeinFernbus bietet zudem ein Ticket an, bei dem die Kunden für eine CO2-Kompensation zahlen können.

jus



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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
slava grof 25.04.2013
1. verkehrte welt
schon eine bizarre situation: da subventionieren wir mit unseren steuergeldern den riesigen apparat bahn, und fahren dann trotzdem mit bussen durch die republik, weil die bahn so unverschämt teuer und umständlich ist.
suedseefrachter 25.04.2013
2.
Zitat von slava grofschon eine bizarre situation: da subventionieren wir mit unseren steuergeldern den riesigen apparat bahn, und fahren dann trotzdem mit bussen durch die republik, weil die bahn so unverschämt teuer und umständlich ist.
Bin frueher sehr oft mit der Bahn gefahren, aber die Preise sind tatsaechlich dramatisch angestiegen. Bei den meisten Strecken komme ich nun mit dem Flugzeug 50 Eur billiger und schneller an. Dafuer das die Bahn tatsaechlich von den Buergern finanziert wurde ist es schon eine besondere Dreistigkeit die Buerger nun mit derart hohen Preisen zu belasten. Fernreisen Ost West / Nord Sued kann man mit der Bahn jedenfalls vollkommen vergessen. Wenn ich denke die Waggons der 1er ICEs waren auch noch wirklich sehr komfortabel, alles danach wurde nur noch schlimmer. Ich denke meine letzte Strecke war Nuernberg - Koeln, oder Muenchen - Köln. Eine Wackelpartie ohne Ende und der ICE fuhr auch nur sehr langsam da die Gleise wohl wieder nicht dafuer passten. Nicht mal die deutschen Staedte sind ordentlich miteinander verbunden... Frankfurt - Koeln lobe ich mir, so sollte das ueberall sein.
OskarVernon 25.04.2013
3. Na und...?
Zitat von sysopcity2cityKostenloses W-Lan an Bord, kalte Getränke und Zeitschriftenauswahl: Fernbusse arbeiten an ihrem Image. Billiger als die Bahn sind sie ohnehin, aber was taugt der Service? Stiftung Warentest hat sechs Anbieter unter die Lupe genommen - und bemängelte nur wenig. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/stiftung-warentest-was-fernbusse-im-vergleich-mit-der-bahn-taugen-a-896431.html
Im Fernverkehr der DB AG ist es Glücksache, in einem der zeitlich passenden Züge überhaupt ein Fahrrad mitnehmen zu *dürfen* - und auch nicht kostenlos; und nein: Extra dafür ein handgepäck- *und* alltagstaugliches Faltrad anzuschaffen ist keine Option!
Zeugma 25.04.2013
4. Ja, der Umweltaspekt ...
Interessant und besonders hervorhebenswert halte ich den Umweltaspekt. Zu Hause zu bleiben, schont die Umwelt am meisten, aber da die Menschen gerne reisen, sollte man mal genaus schauen, in welchem Maße welcher Reisestil die Umwelt belastet. Der Ökojuppie vom Prenzlauer Berg mag noch so sehr über den Proll schimpfen, der seine Zigaretten mit dem Auto oder Mofa holen fährt, gegen seine Individualtrekkingreise nach Südostasien ("nächstes Jahr treken wir durch Neuseeland") ist das bestes Verhalten im Sinne unserer Umwelt. So, das war jetzt spitz formuliert. Ich gehöre ja eher selbst zu den Großstadtökos und wundere mich immer wie selbstverständlich das eigene Reiseverhalten nicht einmal ansatzweise kritisch gesehen wird oder durch Schönfärbereien ("es gibt jeden Tag Bioessen") übertüncht wird. Tja, und da sind die Rentner mit eher schmalem Budget, die sich per Reisebus auf den Weg in die Ferienwohnanlage machen am Ende die wahren Ökohelden.
volkerp 25.04.2013
5. Fernzug hat seit April weniger CO2 Ausstoß als Fernbus
Seit der Fernverkehr zu 75% mit Ökostrom fährt (01.04.2013) ist die CO2 Bilanz um etwa 50% besser als beim Fernbus.
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