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Stillstand wegen Schnee und Eis: Winter friert europäischen Reiseverkehr ein

Tumulte auf Flughäfen, eisglatte Straßen, völlig überfüllte Züge: Das Winterwetter hat den Vorweihnachts-Verkehr in Europa vielerorts lahmgelegt. Besserung ist nicht in Sicht - immerhin stehen die Chancen auf weiße Weihnachten gut.

Frankfurt/London/Berlin - Europa kämpft mit dem Winterwetter: Auf Flughäfen in Deutschland, England, Frankreich, Belgien und den Niederlanden mussten Tausende Passagiere unter chaotischen Bedingungen ausharren, weil Flüge ausfielen oder um Stunden zu spät waren. Züge fuhren langsamer und waren komplett überfüllt, Straßen spiegelglatt. Für viele Menschen gab es in Deutschland kein Fortkommen mehr.

Extrem angespannt ist die Lage immer noch am Frankfurter Flughafen - dort verschlimmerten neue Schneefälle die Situation: "Die Flugpläne sind völlig durcheinander", sagte eine Sprecherin. Hier wurden allein bis Sonntagnachmittag knapp die Hälfte der rund 1300 Flüge gestrichen, so ein Fraport-Sprecher. Da weiterer Schneefall angekündigt ist könnten noch mehr der 1329 geplanten Flüge ausfallen. Betroffen sind vor allem Flüge mit Zielen in Deutschland und Europa, weniger Langstreckenflüge. Die Lande- und Startbahnen müssen permanent von Schnee und Eis befreit werden und sind daher nur eingeschränkt in Betrieb. Etwa 1000 Menschen mussten am Airport auf Feldbetten übernachten. Manche Fluggesellschaften brachten ihre gestrandeten Gäste auch in Hotels unter.

Insgesamt sei die Lage am Sonntag aber "geordneter" als am Tag zuvor, sagte der Sprecher. Am Samstag war es bei der Gepäckabfertigung zu Tumulten gekommen, die Polizei musste einschreiten.

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Schnee und Eis: Nichts geht mehr in Europa
Besonders betroffen von Flugausfällen und Verspätungen war die Lufthansa, für die Frankfurt ein Drehkreuz ist. Am Wochenende setzte die Airline einen Sonderplan mit erheblichen Streichungen von innerdeutschen und europäischen Flügen von und nach Frankfurt in Kraft. Wegen der schlechten Wetteraussichten fliegt die Lufthansa auch am Montag nur nach einem Rumpfplan. Langstreckenflüge sind nach Angaben des Unternehmens nicht betroffen.

Stillstand in Heathrow

Deutlich entspannter war die Lage am zweitgrößten deutschen Flughafen in München. 75 der geplanten 1100 Flüge seien gestrichen, doch das gehe auf Probleme auf anderen Flughäfen wie Amsterdam, Paris und Brüssel zurück, sagte ein Sprecher. Auch in Hamburg fielen zahlreiche Flüge aus. Der Flughafen in Hannover-Langenhagen wurde am Sonntagmorgen für eine Stunde geschlossen, um die Landebahn vom Schnee zu befreien.

Chaos auch in England: Schwer von dem Winterwetter getroffen ist Europas größter Passagierflughafen London-Heathrow, der nach starken Schneefällen bis Montag weitgehend geschlossen bleiben soll. Tausende Passagiere saßen fest. Dutzende Fluggäste schliefen teils unter Isolierfolien auf dem harten Fußboden im Transitbereich. Die Schließung des Drehkreuzes in London hatte Auswirkungen auf viele Fluggäste aus aller Welt, die von Heathrow nicht mehr weiterkamen oder gar nicht erst starten konnten. Am Montag soll der Airport wieder öffnen. Es sei aber aber auch dann und an den Folgetagen mit "weiteren Streichungen und Verspätungen" zu rechnen, teilte der Flughafen. Flugzeuge und Crews, die umgeleitet wurden, müssten erst wieder auf ihre normalen Positionen zurückgeholt werden.

Auch auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle sorgten Schnee und Eis für zahlreiche Ausfälle und Verspätungen. Die Behörden empfahlen den Fluggesellschaften, 40 Prozent der Flüge am Sonntag zu streichen. Am Samstag waren etwa 5000 Passagiere wegen des Winterwetters von London nach Paris umgeleitet worden. Mehrere Hundert von ihnen verbrachten die Nacht auf dem Flughafen. Auch US-Popstar Lady Gaga wurde Opfer des Winterwetters in Frankreich: Ihr für Sonntagabend geplanter Auftritt in Paris-Bercy musste abgesagt werden. Mehrere Lastwagen ihrer Tournee waren wegen der Schneefälle liegen geblieben.

In Brüssel bereiten sich derweil rund 1500 Passagiere auf eine zweite Nacht im Terminal vor, weil ihre Anschlussflüge nicht starteten. Die Flughäfen in Lüttich und Charleroi wurden am Sonntag wegen des starken Schneefalls zeitweise geschlossen.

Deutscher Wetterdienst prognostiziert neue Schneefälle

Auch im Bahnverkehr herrscht vielerorts Chaos. Die Deutsche Bahn riet sogar von Zugfahrten am Sonntagnachmittag ab und warnte vor überfüllten Waggons. Wegen der schwierigen Straßenverhältnisse und der vielen Flugausfälle sei mit "Kapazitätsengpässen" zu rechnen. Für den Nachmittag geplante Reisen sollten, wenn möglich, auf "weniger nachgefragte Zeiten" verschoben werden. Das seien vor allem die "Tagesrandlagen" abends oder morgens, sagte ein Bahnsprecher.

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Winterwetter: Ausfälle im Luft- und Bahnverkehr
Das Wetter sorgte zudem für zahlreiche Ausfälle und massenhaft Verspätungen von Zügen. Weitere Beeinträchtigungen gab es dadurch, dass die Bahn die Höchstgeschwindigkeit auf einigen Strecken, etwa zwischen Hannover und Würzburg, auf 160 km/h herabsetzte. Für das übrige deutsche Fernverkehrsnetz gilt bereits die eingeschränkte Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, was die Fahrzeiten der ICE-Züge zum Teil deutlich verlängert und auch im Regional- und Nahverkehr zu Verspätung führt.

Es schneit und schneit - und auch auf deutschen Straßen ist keine Entspannung in Sicht: Für den Wochenanfang wurden erneut chaotische Verhältnisse auf den Straßen befürchtet. Meteorologen sagen Schneefall mit Neuschneemengen von bis zu 15 Zentimeter in zwölf Stunden und Schneeverwehungen voraus. Zwar soll es in den kommenden Tagen mit Temperaturen auch über Null Grad von Westen her milder werden. Dann könnte aber gefrierender Regen für neue Probleme sorgen. Zum Ende der Woche werden wieder sinkende Temperaturen erwartet, so dass die Meteorologen dieses Jahr die Chancen für weiße Weihnacht als besonders gut einstufen.

Nur am Oberrhein und auf dem Feldberg liegt wenig Schnee

Der Chef des weltgrößten Salz-Herstellers K+S warnte allerdings, falls der Winter so streng bleibe, könne Streusalz knapp werden. Derzeit produziere sein Unternehmen an allen Standorten rund um die Uhr und habe auch zusätzliche Kapazitäten im In- und Ausland aktiviert, um die Aufträge erfüllen zu können, sagte Norbert Steiner der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Die Schneedecke in Deutschland ist schon jetzt ungewöhnlich hoch. Sogar in den Niederungen Norddeutschlands liegen 10 bis 20 Zentimeter. Wiesenburg, 75 Kilometer südwestlich von Berlin, hat mit 25 Zentimetern die höchste registrierte Schneehöhe in den Niederungen. In mittleren Lagen hält Gera in Thüringen mit 58 Zentimetern den Rekord. Auf den Gipfeln der Mittelgebirge liegen mehr als 50 Zentimeter, der Brocken ist mit 1,43 Meter Spitzenreiter. "Nur in einem Bereich Deutschlands hat Frau Holle ihre Bettwäsche nicht ordentlich ausgeschüttelt", sagte der Meteorologe Christoph Hartmann: Kaum 5 Zentimeter am Oberrhein und nur 33 auf dem Feldberg im Schwarzwald seien im schneebedeckten Deutschland "Negativrekord".

anr/dapd/dpa/Reuters

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irobot 19.12.2010
Ich wohne jetzt seit 1988 in Köln. Und so einen Winter habe ich hier noch nicht erlebt. Es schneit und schneit und schneit. Schon den ganzen Tag. Mittlerweile haben wir in der Südstadt sage und schreibe 15cm Schnee. Mann, was freue ich mich aufs Sauerland, wenn ich denn mit der Bahn dahin komme. Weiße Weihnachten! Was will man mehr?
2. Garnicht so schlimm ...
jomo3 19.12.2010
dass die zwanghafte Hypermobilität ein wenig gebremst wird. Passt doch zur besinnlichen Zeit ;-)
3. .
Haio Forler 19.12.2010
Zitat von irobotIch wohne jetzt seit 1988 in Köln. Und so einen Winter habe ich hier noch nicht erlebt. Es schneit und schneit und schneit. Schon den ganzen Tag. Mittlerweile haben wir in der Südstadt sage und schreibe 15cm Schnee. Mann, was freue ich mich aufs Sauerland, wenn ich denn mit der Bahn dahin komme. Weiße Weihnachten! Was will man mehr?
Dann sind Sie erst etwa maxinmal 30-35, stimmts ? ;)
4. .
miso98 19.12.2010
Zitat von jomo3dass die zwanghafte Hypermobilität ein wenig gebremst wird. Passt doch zur besinnlichen Zeit ;-)
Hartz 4 oder Taschengeld ??
5. Klimaerwärmung ade!
Berd 19.12.2010
Zitat von sysopTumulte auf Flughäfen, eisglatte Straßen, völlig überfüllte Züge: Das Winterwetter hat den Vorweihnachts-Verkehr in Europa vielerorts lahmgelegt. Besserung ist nicht in Sicht - immerhin stehen die Chancen auf weiße Weihnachten gut. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,735540,00.html
Man hat sich halt darauf verlassen, was Schellnhuber, Jones, Hansen und Co. jahrelang gebetsmühlenartig wiederholt haben: Es wird wärmer und es wird keine richtigen Winter mehr geben, weil der Mensch CO2 in die Luft bläst. Blöd nur, daß sich die Natur nicht an die Vorhersagen dieser Glaskugelleser halten mag. Gruß berd
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