Streik am Dienstag: Passagiere können Lufthansa-Flüge kostenlos umbuchen
Noch stehen nicht mal Ort und Zeit des für Dienstag geplanten Ausstands der Flugbegleiter fest. Doch schon jetzt dürfen Lufthansa-Passagiere kostenlos ihre Flüge umbuchen. Die Gewerkschaft kündigte an, an mehreren Flughäfen die Arbeit niederzulegen - auch flächendeckende Streiks schließt sie nicht aus.
Frankfurt am Main - Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo spannt die Lufthansa und deren Kunden erneut auf die Folter. Sie kündigte zwar eine Ausweitung ihres Streiks für Dienstag an, ließ aber offen, wo und wann genau die Flugzeuge am Boden bleiben sollten. Die Flugbegleiter wollen länger als acht Stunden und an mehreren Orten streiken. Ufo will sechs Stunden vorher ankündigen, welche Flughäfen betroffen sein werden.
Lufthansa-Passagiere können wegen des Flugbegleiter-Streiks am Dienstag kostenlos ihre Flüge auf einen anderen Tag verschieben. Flüge bis zum 4. September könnten derzeit ohne Zusatzgebühren umgebucht werden, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Montag. Daneben habe die Airline begonnen, sich für den neuerlichen Ausstand zu rüsten. Details wollte der Sprecher nicht nennen, um der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo keinen Einblick in die Vorbereitungen zu geben.
Deutschlands größte Airline appellierte an die Gewerkschaft, die Belastungen für die Passagiere nicht weiter zu erhöhen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Vorstandsmitglied Carsten Spohr stellte sich am Montag gemeinsam mit dem Passage-Personalchef Peter Gerber der Diskussion mit den Flugbegleitern bei einer Versammlung in Frankfurt, wie ein Sprecher berichtete. Über das Wochenende hat es keine Kontakte zwischen den Tarifparteien gegeben, was beide Seiten bestätigten.
Ufo hatte zuvor ein "Abtauchen" des Vorstands beklagt. Seit Beginn des Arbeitskampfs in der vergangenen Woche habe sich die Lufthansa nicht gemeldet, sagte er. Die Lufthansa habe ihre Möglichkeiten über- und die Streikbeteiligung unterschätzt, erklärte Baublies. Da die Luftfahrtgesellschaft nicht in der Lage gewesen sei, am Freitag den Sonderflugplan aufrecht zu erhalten, "bleibt zu vermuten, dass dies am Dienstag auch nicht klappen dürfte".
Die Lufthansa hat bisher 3,5 Prozent mehr Lohn bei Ausweitung der Arbeitszeit geboten. Ufo fordert 5 Prozent mehr Lohn, bessere Einstiegsgehälter und eine deutliche Gewinnbeteiligung für die rund 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter und den Verzicht auf die Auslagerung der Arbeit in Teilzeitfirmen.
Flächendeckende Streiks möglich
Für den Fall, dass die Lufthansa am Dienstag nicht einlenkt, kündigte Baublies eine flächendeckende Ausweitung für Mittwoch an. Sollte das Unternehmen nach der zweiten Streikwelle am Dienstag bei seiner "arroganten Linie" bleiben, machten weitere Nadelstiche voraussichtlich keinen Sinn mehr, sagte Ufo-Chef Baublies. Der "Bild"-Zeitung erklärte er laut einer Vorab-Meldung: "Wir geben der Lufthansa noch bis morgen, Dienstag, eine Chance. Dann muss sie sich auf flächendeckendere Streiks einstellen."
Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa jedoch widersprach er dem: Am Mittwoch sei ein derartiger Ausstand "unrealistisch" und wegen der zu erwartenden Auswirkungen der zweiten Streikwelle auch nicht notwendig. "Am Mittwoch wird noch genug Chaos herrschen", sagte Baublies. Man wolle der Lufthansa zudem auch Zeit für eine Reaktion einräumen. Falls das Unternehmen die Streikfähigkeit der Flugbegleiter anerkenne und ihr Angebot nachbessere, könne sich der Arbeitskampf schnell in eine andere Richtung bewegen.
Ufo hatte am Sonntagabend auf ihrer Internetseite mitgeteilt, der Dienstag werde "sicherlich ausgeweitete Streiks in Bezug auf Orte und Zeiten beinhalten". Baublies lehnte das Ansinnen der Lufthansa ab, die Passagiere schon 24 Stunden vor der nächsten Streikwelle zu warnen. "Dann müssten wir den Streik ausweiten und 24 Stunden bundesweit in den Ausstand gehen." Das wolle man bislang noch vermeiden.
Ufo will nach wie vor erst sechs Stunden vor Beginn sagen, wo und wann gestreikt wird. In der Diskussion sind München, Düsseldorf und Berlin sowie erneut Frankfurt, wo die stärkste Auswirkung auf den Flugplan erzielt werden kann. Falls die Gewerkschaft am frühen Dienstagmorgen in den Ausstand treten wollte, müsste die Ankündigung am späten Montagabend erfolgen.
Taktik "sehr fluggastfeindlich"
Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels kritisierte die Ufo-Streiktaktik als "sehr fluggastfeindlich". Das kurze Zeitfenster lasse der Fluggesellschaft kaum eine Chance, die Passagiere rechtzeitig zu informieren. Die Lufthansa befinde sich daher in einer sehr schwierigen Lage. "Wir können ja nicht vorauseilend den Betrieb einstellen, denn dann müsste die Ufo ja nur noch Streiks ankündigen."
Die Kurzfristigkeit der Ankündigung "limitiere unsere Reaktionszeit enorm", räumte der Sprecher zudem ein. Insgesamt sind die Möglichkeiten der Lufthansa nicht nur wegen der kurzen Vorwarnzeit begrenzt. Ersatz-Crews stehen kaum bereit, und Tochter-Airlines wie Germanwings, die nicht bestreikt werden, haben nicht genug freie Plätze, um Tausende Lufthansa-Kunden aufzunehmen.
Das zeigte sich bereits am ersten Streiktag - statt wie angepeilt 64 musste die Lufthansa 190 Verbindungen annullieren. 26.000 Passagiere saßen fest, die Kosten dafür gehen nach Konzernangaben in die Millionen. Lufthansa verwies darauf, dass man die betroffenen Passagiere letztlich doch noch ans Ziel gebracht habe. Einige hundert mussten freilich im Terminal übernachten.
Zum Thema Streik bei der Lufthansa finden Sie hier Antworten auf die wichtigsten Fragen.
jus/dapd/Reuters/dpa
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