Flughafen Köln/Bonn 70 Flüge fallen wegen Streik aus

In Nordrhein-Westfalen tritt der Sicherheitsdienst zum siebten Mal in den Ausstand. Am Morgen mussten bereits fast 50 Starts und mehr als 20 Landungen abgesagt werden. Reisende sollten sich schon vor der Anreise bei ihren Airlines informieren.

Flughafen Köln/Bonn: Leere Hallen nach Streikankündigung
DPA

Flughafen Köln/Bonn: Leere Hallen nach Streikankündigung


Köln - Im festgefahrenen Tarifstreit des privaten Sicherheitsgewerbes streiken Fluggastkontrolleure in Nordrhein-Westfalen erneut. Reisende müssen am Airport Köln/Bonn am Freitag Behinderungen bei Abflügen und Ankünften in Kauf nehmen.

150 Mitarbeiter traten dort seit den ersten Schichten um 4 Uhr in den Streik, wie Ver.di-Sprecher Özay Tarim mitteilte. Er kündigte an, dass die Zahl im Laufe des Tages auf etwa 220 Streikende steigen werde. Das seien - bis auf wenige Kräfte mit befristeten Verträgen - nahezu alle Beschäftigten.

Als Konsequenz hätten Fluggesellschaften bereits insgesamt 49 Starts und 21 Landungen gestrichen, teilte der Flughafenbetreiber am Morgen mit. In der Zeit von 4 Uhr bis 7 Uhr hätten 15 Abflüge auf dem Flugplan gestanden, lediglich vier Maschinen konnten starten. Derzeit sei nur eine Kontrollstelle für Reisende in den Terminals geöffnet.

"Es muss im Laufe des Tages mit erheblichen Beeinträchtigungen des Flugverkehrs gerechnet werden", warnte die Flughafengesellschaft. Zahlreiche Flüge waren bereits am Donnerstag abgesagt worden. Allein Germanwings stornierte nach eigenen Angaben 26 Verbindungen, Air Berlin 17 Flüge. Der Flughafen und die Airlines informierten auf ihren Internetseiten über Annullierungen. Betroffen waren etwa Verbindungen nach Berlin-Tegel und München.

Bereits in der Nacht zu Donnerstag war es den Angaben zufolge zu Arbeitsniederlegungen bei der Frachtkontrolle am Flughafen Köln/Bonn gekommen. Am Donnerstag streikten laut Ver.di außerdem mehr als 200 Objektschützer in Nordrhein-Westfalen.

Seit Januar wurden der Düsseldorfer Flughafen dreimal und der Flughafen Köln/Bonn jetzt insgesamt viermal bestreikt, auch in Hamburg legte das Sicherheitspersonal die Arbeit nieder. Mehrere hundert Flüge wurden gestrichen. Zehntausende Passagiere waren betroffen. Die Streikbereitschaft sei ungebrochen, die Mitarbeiter "stinksauer", heißt es bei Ver.di. Inzwischen drückt die Gewerkschaft ihre Lohnforderungen nicht mehr in Prozent, sondern in Euro-Beträgen aus.

"30 Prozent klingt für die meisten nach viel, aber in der untersten Lohngruppe sind das nur 2,50 Euro", erläuterte Özay Tarim. Für die Fluggastkontrolleure, die zur oberen Lohngruppe gehören, verlangt Ver.di ein Plus von 3,64 Euro. Die Arbeitgeber bieten nach Gewerkschaftsangaben für die Beschäftigten der untersten Lohngruppe 40 Cent mehr an.

Ver.di spricht davon, die insgesamt 34.000 Beschäftigten der Branche in NRW "aus dem Niedriglohnsektor" herausholen zu wollen. Die Arbeitgeber dagegen warfen der Gewerkschaft im Lauf der Gespräche vor, mit falschen Zahlen zu operieren.

Die wichtigsten Informationen für Passagiere:

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?

Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern. Die Fluglinien empfehlen, bei Inlandsflügen auf die Bahn auszuweichen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Hotlines von Veranstaltern:

abl/dpa/Reuters



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