Streik in Hamburg: Flughafen rät Passagieren von Anreise ab

Die Flugzeuge fliegen, viele Passagiere bleiben jedoch am Boden: Am Hamburger Flughafen hat das Sicherheitspersonal die Arbeit niedergelegt. Nur eine der 20 Kontrollschleusen ist derzeit in Betrieb - Passagiere werden dazu aufgefordert, gar nicht erst anzureisen.

Streik: Lange Schlangen am Hamburger Flughafen Fotos
DPA

Hamburg - Nichts geht mehr. Durch beide großen Terminals am Hamburger Flughafen ziehen sich lange Schlangen. Das Sicherheitspersonal hat am frühen Freitagmorgen die Arbeit niedergelegt und den Betrieb nahezu zum Stillstand gebracht. Der Ausstand soll bis 23 Uhr dauern. "Wir gehen davon aus, dass der Flughafen heute lahmgelegt wird", sagte Verdi-Sprecher Peter Bremmer.

Die Rechnung der Gewerkschaft geht bislang auf. "Von 20 Kontrollspuren ist derzeit nur eine geöffnet", sagte eine Flughafensprecherin SPIEGEL ONLINE. 176 Abflüge seien für heute geplant, 19.000 Passagiere werden am Hamburger Airport erwartet. "Davon können wir wahrscheinlich nur einen Bruchteil abfertigen." Es sei mit Verzögerungen und Flugausfällen zu rechnen. "Die Wartezeit kann bis zu vier Stunden betragen", heißt es in einer Mitteilung des Flughafens. Passagieren wird auf der Webseite empfohlen, am Freitag nicht zum Flughafen zu fahren.

Die Gewerkschaft Verdi versucht mit dem Streik, Druck in den laufenden Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) zu erzeugen. Verdi fordert einen Stundenlohn von 14,50 Euro, bisher verdienen die Beschäftigten des Sicherheitspersonals am Hamburger Flughafen 11,80 Euro. Für die Passagierkontrolle des Airports ist die Bundespolizei verantwortlich, die aber diese Aufgaben an eine Privatfirma vergeben hat.

"Das kommt einer Schließung des Flughafens gleich"

Verdi-Vertreter Peter Bremme sagte, die Beteiligung an dem Streik liege bei 95 Prozent. Die Beschäftigten, die trotz des Streiks arbeiteten, seien befristet Angestellte, die um ihren Arbeitsplatz fürchteten.

Die Fluggesellschaften haben angekündigt, die Flüge nur mit leichten Verspätungen durchzuführen und nicht zu warten. Fluggäste werden gebeten, mit ihren Fluggesellschaften Kontakt aufzunehmen, um sich gegebenenfalls umbuchen zu lassen.

"Der Ausfall der Sicherheitskontrollen aufgrund eines Streiks kommt quasi einer Schließung des Flughafens gleich", sagte Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport, laut einer Pressemitteilung. "Passagiere können nach Hamburg kommen, Hamburg aber mit dem Flugzeug nicht mehr verlassen." Dieses Vorgehen treffe Passagiere, Flughäfen und Fluggesellschaften gleichermaßen. Dem Flughafen entstehe ein Umsatzverlust im mittleren sechsstelligen Bereich.

Wetterbedingte Ausfälle in München

Fluggäste am Münchner Flughafen müssen sich derweil wegen des Wetters am Freitag erneut auf zahlreiche Flugausfälle einstellen. 120 Flüge mussten annulliert werden, sagte ein Flughafensprecher am Freitag. Zwar seien die Start- und Landebahnen frei, das Chaos vom Vortag wirke sich aber weiter auf den Ablauf aus.

Am Donnerstag waren wegen heftiger Schneefälle mit 13 Zentimeter Neuschnee mehr als 300 Verbindungen gestrichen worden. Beide Startbahnen seien achtmal und damit so oft wie nie zuvor komplett geräumt worden, sagte der Sprecher. 470 Menschen seien in drei Schichten im Dauereinsatz gewesen, um das vier Quadratkilometer große Areal vom Schnee zu befreien. Etwa zwei Drittel des Flugverkehrs konnten abgewickelt werden. Gestrandete Passagiere wurden mit Decken, Feldbetten und Getränken versorgt.

Die wichtigsten Informationen für Passagiere:

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?

Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht zahlen müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

dkr/sto/dpa/AFP/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
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1. Das...
Bulle Geiger 18.01.2013
Würde nicht passieren, wenn staatliche Organe endlich dazu übergehen würden, ihre Pflichten wahrzunehmen und diese nicht an private Unternehmen übergeben würden. Diese Vorgehensweise sollte verboten werden.
2. Gute Reise!
Pandora0611 18.01.2013
Zitat von sysopDPADie Flugzeuge fliegen, viele Passagiere bleiben jedoch am Boden: Am Hamburger Flughafen hat das Sicherheitspersonal die Arbeit niedergelegt. 19.000 Fluggäste werden am Airport erwartet - und nur eine der 20 Kontrollschleusen ist derzeit in Betrieb. Streik an der Passagierkontrolle legt Hamburg Airport lahm - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/streik-an-der-passagierkontrolle-legt-hamburg-airport-lahm-a-878285.html)
Wer haute von Hamburg nach Frankfurt oder München will, wird enttäuscht. Er kommt nicht an Bord. Das gilt auch für Interkontinentalflüge. Der Beamtenbund argumentiert doch immer, daß *"hoheitliche Aufgaben"* nicht an Privatfirmen vergeben werden dürfen. Deshalb müssen sie Beamte sein! Aber anscheinend gilt das nicht für die *"Bundespolizei".* Warum werden hier nicht die *Bundespolizisten* eingesetzt, welche diese *hoheitliche Aufgabe* an eine *Privatfirma* abgegeben haben?
3. gehts noch ?
cepnik1 18.01.2013
14.50 euro die stunde, und dafuer nur dumm in der gegend rum stehen und auf das pispsen der Dedectoren hoehren, da sind ja schon 6 euro zuviel die stunde, allso irgend wo hoehrt es auf, hibis schon 14.50 euro die stunde zu bezahlen, wo so mancher facharbeiter fuer 8 euro die stunde richtig malochen muss, liebe verdi macht so weiter und ich hoffe doch mal das ihr irgendwann wo leeren kassen steht weil ihr keine mitglieder mehr habt !!! so ne mafia organisation wie euch braucht kein land, ups ich glaub in griechenland koennte man solche wie euch noch gebrauchen...... hab heute wegen euch meinen flug verpasst, damit ging mir heute ein auftrag floeten, die schlussfolgerung, mein client hat bei einer anderen firma unterzeichnet, eine aus asien, folgerichtig muss ich am montag 2 facharbeiter entlassen, aber macht ja nichts, solange eine aufgeblasene organisation die sich gewerkschaft nennt sich fuer 14.50 euro stundenlohn fuer hibis einsetzt, ich lach mich kaputt..............
4. Wozu brauchen wir noch Beamte?
Pandora0611 18.01.2013
---Zitat--- Für die Passagierkontrolle des Airports ist die Bundespolizei verantwortlich, die aber diese Aufgaben an eine Privatfirma vergeben hat. ---Zitatende--- ■ Die Bundespolizei hat also diese Aufgabe schon privatisiert. ■ Es gibt Privatschulen mit angestellten Lehrern, und die sind besser. ■ Post und Bahn wurden schon privatisiert. Dann kann man auch die Polizei, das Finanzamt, etc. privatisieren. Die Konsequenz muß sein, das Beamtentum abzuschaffen. Es ist ein Relikt aus der Kaiserzeit und die ist bekanntermaßen schon lange vorbei.
5. Um das mal in Zahlen auszudrücken...
kalle113 18.01.2013
hab ich mal nach- und mich hoffentlich nicht verrechnet: 11,80 €/h macht bei einer 40 Stunden-Woche knapp 1900 € monatlich - ohne Zuschläge, die da noch dazu kommen. Eine Steigerung auf 14,50 €/h entspricht 22,9%, monatlich wären das dann 2320 € plus Zuschläge - sagt mal, liebe Gewerkschafter, habt ihr eine an der Waffel? Diese Forderung ist ja wohl sowas von lachhaft, wenn man bedenkt, dass dieses sogenannte "Sicherheitspersonal" ungelernte Kräfte sind...
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