München - Hunderte Maschinen bleiben am Boden: An mehreren deutschen Flughäfen hat der Warnstreik der Gewerkschaft Ver.di bei der Lufthansa begonnen. Am frühen Donnerstagmorgen legten Beschäftigte der Airline in Frankfurt, München und Düsseldorf die Arbeit nieder, wie Sprecher der Gewerkschaft und Lufthansa bestätigten. Die Passagiere werden gebeten, sich über die Internetseite über den Status ihres Fluges zu informieren.
Auch an weiteren Flughäfen waren Warnstreiks geplant. In Hamburg etwa versammelten sich die Mitarbeiter gegen 7.30 Uhr am Terminal und begannen dann offiziell mit dem Warnstreik, sagte eine Ver.di-Sprecherin. Rund 70 ihrer geplanten Starts und Landungen hatte die Lufthansa in der Hansestadt für Donnerstag gestrichen. Schwerpunkt der Aktionen sollte jedoch die größte Lufthansa-Basis in Frankfurt sein.
In München sind 240 Flüge der Airline annulliert worden. Betroffen seien sowohl Starts als auch Landungen, sagte ein Flughafensprecher am Morgen. Die meisten Passagiere seien vorher informiert worden und gar nicht erst zum Flughafen gekommen. Von Mittag an sollen die Flüge ab München wieder nach Plan starten.
In Düsseldorf sind 49 von den 57 bis mittags geplanten Flügen gestrichen worden. "Wir hatten hier eine sehr hohe Streikbeteiligung", sagt Lufthansa-Sprecher Florian Gränzdörffer. "Am Morgen war fast kein Check-in-Schalter geöffnet." Inzwischen könnten die Passagiere aber wieder ihr Gepäck aufgeben. "Wir hoffen, dass sich die Lage ab dem Mittag wieder normalisieren wird."
In Köln seien bis zum Mittag alle Lufthansa-Flüge annulliert worden - das sind acht Verbindungen. Vereinzelt fielen auch an den Flughäfen Münster und Paderborn Flüge aus.
Hintergrund sind die Tarifverhandlungen für rund 33.000 Lufthansa-Mitarbeiter, vor allem aus den Technik- und Serviceeinheiten. Ver.di will vor der für diesen Freitag geplanten zweiten Verhandlungsrunde den Druck erhöhen. Die Gewerkschaft verlangt 5,2 Prozent mehr Geld und Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Lufthansa hat hingegen von den Arbeitnehmern Nullrunden und längere Arbeitszeiten als Sparbeiträge gefordert.
Janine Peltier von Ver.di Hamburg sieht angesichts der unterschiedlichen Vorstellungen der Gewerkschaft und des Lufthansa-Konzerns derzeit kaum Chancen für eine schnelle Einigung. "Wir empfinden die Forderung vom Arbeitgeber auch als Provokation gegenüber der Gewerkschaft. Wenn wir jetzt nicht Stärke zeigen, dann wird das ganz, ganz schwierig, sich überhaupt zu einigen." Ein Lufthansa-Sprecher bezeichnete den Warnstreik als "völlig überflüssig und unverhältnismäßig".
Deutschlands größte Fluggesellschaft hat sich ein Sparprogramm verordnet. Der Konzern will unter anderem weltweit 3500 Stellen in der Verwaltung streichen und dadurch zusammen mit anderen Schritten sein Ergebnis im laufenden Geschäft um 1,5 Milliarden Euro verbessern.
Die wichtigsten Informationen für Passagiere:
Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?
Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Bei der Lufthansa können die Kunden ihr Flug- auch in ein Bahnticket umtauschen oder von vornherein kostenlos umbuchen.
Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?
Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern. Die Fluglinien empfehlen, bei Inlandsflügen auf die Bahn auszuweichen.
Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?
Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.
Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?
Fluglinien:
Flughäfen:
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.
Hotlines von Veranstaltern:
stk/jus/dpa
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