Ryanair-Piloten Rund 42.000 deutsche Passagiere von Streik betroffen

Mitten in der Urlaubszeit haben Ryanair-Piloten ihren Streik begonnen. Das wirkt sich europaweit auf rund 55.000 Passagiere aus, am schwersten trifft es Deutschland.

Ryanair-Maschine in Weeze
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ryanair-Maschine in Weeze


Seit 3.01 Uhr streiken Ryanair-Piloten in Deutschland, der 24-stündige Ausstand soll am Samstag um 2.59 Uhr enden. Die Piloten wollen damit für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter kämpfen. Streiken wollten Ryanair-Piloten außerdem in Schweden, Irland, Belgienund den Niederlanden. Europaweit strich das Unternehmen vorsorglich von 2400 geplanten Flügen rund 400. Ryanair kündigte an, dass der Betrieb am Samstag wieder wie gewohnt laufen soll.

Europaweit sind rund 55.000 Passagiere betroffen, davon gut 42.000 in Deutschland. . Sie wurden über die Ausfälle informiert, so dass ein Chaos an den Flughäfen trotz Urlaubszeit ausblieb. Sie konnten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen. Weitere Entschädigungen lehnt Ryanair ab (was Passagiere jetzt wissen müssen, können Sie hier nachlesen).

  • Mit 250 Flugausfällen war Deutschland Schwerpunkt des Pilotenstreiks. Ryanair hat hier an elf Flughäfen Jets stationiert. An Standorten wie Frankfurt und Berlin blieben am Freitagmorgen sämtliche Flugzeuge am Boden, und an den Schaltern herrschte gähnende Leere. Im Laufe des Tages landeten die ersten Ryanair-Maschinen aus nicht bestreikten Ländern und hoben auch wieder mit neuen Passagieren zu weiteren Zielen ab.
  • In Belgien sollten am Brüsseler Flughafen am Freitag 26 von 46 Ryanair-Flügen ausfallen. Einem Sprecher zufolge sind davon sowohl ankommende als auch abgehende Maschinen betroffen. Am südlich von Brüssel gelegenen Airport Charleroi strich die Billig-Fluglinie 82 Flüge. Dort kamen am Freitagmorgen rund 30 Ryanair-Piloten zu einem Sitzstreik zusammen.
  • In Schweden strich Ryanair am Freitag 22 Starts und Landungen vom Flughafen Skvasta, etwa 100 Kilometer südlich von Stockholm. Größere Probleme habe es nicht gegeben, sagte Flughafen-Geschäftsführer Peter Steinmetz.
  • In Irland mussten am Freitag 20 Flüge gestrichen werde - es ist bereits der fünfte Streiktag der Ryanair-Piloten im Mutterland der Airline.
  • In den Niederlanden sollen trotz des Streiks alle Flüge planmäßig erfolgen, wie Ryanair ankündigte. Nach Informationen der Pilotengewerkschaften wurden in den niederländischen Jets sogenannte Managementpiloten und nicht streikberechtigte Leih-Piloten aus Belgien eingesetzt. Am Vorabend hatte ein niederländisches Gericht eine Klage des Billigfliegers gegen den Streik abgewiesen. Die Richter hatten Ryanair aber nicht untersagt, mit ausländischen Piloten den Streik zu brechen. Das Unternehmen fliegt in den Niederlanden vor allem vom Regionalflughafen Eindhoven.
  • Die österreichische Ryanair-Beteiligung Laudamotion strich 20 Flüge, weil die von Ryanair ausgeliehenen Flugzeuge und Besatzungen fehlten.

Gewerkschaft: Ryanair hat vernünftig gehandelt

Die deutsche Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zeigte sich am Freitag zufrieden mit dem Verlauf des Arbeitskampfes. Eine Verlängerung über Samstagmorgen sei nicht geplant, sagte Sprecher Janis Schmitt. "Wir werden uns den heutigen Tag anschauen und bewerten. Wir hoffen, dass Ryanair unser Signal verstanden hat und dann zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist." Weitere Streiks will die Gewerkschaft nicht ausschließen. "Wenn da nichts kommt, können wir uns auch weitere Aktionen vorstellen", sagte Schmitt.

Aus Sicht der Gewerkschaft hat Ryanair mit seiner umfassenden Absage der deutschen Flüge vernünftig gehandelt, da man so sämtliche betroffenen Passagiere rechtzeitig informieren konnte. Es sei durchaus auch im Sinne der Piloten, wenn Chaos an den Schaltern vermieden werde. Auch stünden die Flugzeuge nach einem Tag Pause am Samstagmorgen wieder dort, wo sie benötigt würden. In Berlin bemängelte hingegen eine Reihe von Passagieren, dass Ryanair nur diejenigen informiert habe, deren Flüge gestrichen wurden. Sie hätten sich auch eine Bestätigung für jene gewünscht, die fliegen können.

Die Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Video: Die Geschichte von easyjet und Ryanair - Kampf der Billigflieger

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren:

  • Die VC will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran. In den Vorschlägen sind zahlreiche Details etwa zu Dienstzeiten, Versetzungen oder Fixanteilen des Gehalts enthalten.
  • Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept infrage stellen würden.

aar/abl/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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Grummelchen321 10.08.2018
1. Wer
mit Ryan Air fliegt stützt auch in Deutschland das immer mehr um sich greifende Auslagern von ehemals festen Arbeitsplätzen. https://www.vcockpit.de/themen-und-positionen/ryanair-beschaeftigungsmodell.html
Hans58 10.08.2018
2.
42.000 Deutsche wären also in einem Zeitraum von 24 Std. mit Ryanair geflogen, Da ist garantiert kein einziger Spiegel Online Forumsteilnehmer von betroffen, denn die haben sich in den vergangenen Diskussionsrunden mehrheitlich gegen die Fluglinie ausgesprochen, vergleichbar dem ersten Beitrag hier...…….
tyfooniii 10.08.2018
3. Das passiert bei - Geiz ist geil!
Für die betroffenen Passagiere sicher nicht lustig, aber regt vielleicht mal zum denken an das für 39.99? nach Mallorca und Co. was nicht stimmen kann. Jeder Rainair Bucher sollte sich mal überlegen wie er sich bei 1.000? Brutto und mieser Sozialversicherung in seinem Job fühlen würde. Wer sich dann noch über diesen Streik beschwert hat für sich recht! Solche Assi- Unternehmen die in Deutschland keine Steuern zahlen und faire Unternehmen (Wettbewerber) aus dem Markt drängen gehören verboten. Aber wie gesagt, solange 39.99? den Verstand ausschalten bis es den eigenen Job mal trifft ist Geiz halt geil!
tobinator 10.08.2018
4.
Gibt es eigentlich irgendwo Zahlen zu den Arbeitsbedingungen des Ryanair-Personals? Bei den Lufthansastreiks standen doch auch immer überall die Gehaltssummen dabei, ein Vergleich wäre (für mich zumindest) interessant.
michael031056 11.08.2018
5. Ryanair und Ihr Despot
Wer mit Ryanair fliegt ist selber schuld! Wer für Ryanair arbeitet ist der dumme. So ein Firmenchef ist unsozial, ja er ist asozial und gehört aus dem Land gejagt! Die Gesetze Deutschlands dürfen es nicht zulassen, das die Mindeststandards nicht eingehalten werden. Mir persönlich, würde so ein Typ das nicht sagen. Ich würde kündigen und bei einer anderen Gesellschaft anheuern. Das Flugpersonal ist meist jung, gut gebildet, hat den Willen zu arbeiten und wird deshalb jederzeit einen anderen Job finden. Besser bezahlt wird dieser Arbeitsplatz sein und es wird nicht so einen asozialen Chef geben, der derartig herumpöbelt. So können wir nicht miteinander umgehen und miteinander arbeiten, denke ich. Der Druck, der auf dem Chef einer Firma, hier einer Fluggesellschaft, lastet, den hat er und andere sich selbst auferlegt. Deshalb darf und kann es nicht sein, das deren Unfähigkeit eine Firma zu leiten, auf die Angestellten abgewälzt wird, in dem man Sie anpöbelt und beleidigt. Wer seine Angestellten anständig behandelt, sie gut bezahlt und nicht ausnutzt, der wird zufriedene Mitarbeiter haben, die gerne für die Firma arbeiten und oft mehr tun, als sie es müßten. Im Team arbeiten können viele nicht, wissen noch nicht einmal was das eigentlich bedeutet. Weder so manche Angestellte, Arbeiter, als auch Chefs, kapieren was und wie Teamarbeit auszusehen hat und wie Sie geleistet werden muß. Klar braucht es Firmenstrukturen aber die werden immer übergreifend sein und in großer Abstimmung untereinander. Diese Teamleistung kann nur gemeinsam, wie ein gut geschmiertes Getriebe funktionieren. Jedes Sandkorn im Getriebe stört die Teamarbeit. Gibt es Störungen im Getriebe müssen die abgeklärt und repariert werden. Im Umkehrschluss heißt das, das es Störenfriede geben wird, mit denen man das Gespräch suchen und sich im schlimmsten Fall auch trennen muß. Sonst kann das Getriebe nicht gut laufen. Was auch immer dieser Chef der Fluggesellschaft gelernt hat, von Teamarbeit hat er nichts gehört. Deshalb und aus vielen anderen Gründen (z.B. die Preisgestaltung) wird diese Fluggesellschaft auch in Zukunft nicht profitabel arbeiten können.
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