Flugbegleiter-Streik Lufthansa streicht bereits am Donnerstag Dutzende Flüge

Wegen des Streiks der Flugbegleiter wird die Lufthansa am Freitag nur ein Drittel ihrer geplanten Verbindungen ausführen können. Auch am Donnerstag müssen Passagiere bereits umdisponieren. Denn mehr als 40 Flüge wurden gestrichen, betroffen sind vor allem Fernstrecken.

Check-in-Halle in München: Freitag streiken die Lufthansa-Flugbegleiter bundesweit
DPA

Check-in-Halle in München: Freitag streiken die Lufthansa-Flugbegleiter bundesweit


Frankfurt - Bereits einen Tag vor dem für Freitag angekündigten flächendeckenden Streik der Flugbegleiter streicht die Lufthansa Dutzende Flüge. Knapp 50 Verbindungen wurden für Donnerstag annulliert, wie die Fluggesellschaft auf ihrer Internetseite mitteilte. Ein Großteil davon betrifft die besonders lukrativen Langstrecken, bei denen die Flugzeuge bereits am Donnerstag in Übersee abfliegen und am Freitag ihr Ziel in Deutschland erreichen sollen.

Zudem sind am Donnerstag einzelne innerdeutsche Flüge von den Streichungen betroffen, unter anderem eine Verbindung zwischen Berlin und Köln am Abend. Lufthansa begründet die einschneidenden Maßnahmen unter anderem damit, dass nach dem Streik möglichst schnell wieder ein stabiler Flugplan stehen soll. Auch für den Samstag sind bereits 13 Flüge abgesagt worden.

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat für den ganzen Freitag erstmals an allen Lufthansa-Flughäfen zum Streik aufgerufen. Es wäre der dritte Streiktag - zuvor waren die Flugbegleiter in Frankfurt, München und Berlin in den Ausstand gegangen, Zehntausende Passagiere waren an den Airports gestrandet.

In großen Zeitungsanzeigen entschuldigte sich die Fluggesellschaft bei ihren Kunden für die Unannehmlichkeiten. "Wir halten diesen Streik für unverhältnismäßig", schreibt der Vorstand. "Er fügt dem Unternehmen hohen finanziellen Schaden zu und beschädigt das Ansehen der Marke Lufthansa."

Deutschlands größte Fluggesellschaft habe die Zahl der Verbindungen "beherzt" und frühzeitig zusammengestrichen und hoffe, die verbliebenen Flüge umsetzen zu können, sagte der Sprecher. Die Kunden sollten sich beizeiten ein Bild machen können.

Für Freitag streicht die Lufthansa rund zwei Drittel ihrer Verbindungen. 1200 der 1800 für Freitag geplanten Verbindungen sind annulliert. Aktuelle Infos finden Reisende auf der Homepage der Lufthansa. Hier haben Passagiere, deren Flüge gestrichen wurden, auch die Möglichkeit, kostenfrei zu stornieren oder umzubuchen.

Bahn und Air Berlin stellen höhere Kapazitäten bereit

Air Berlin setzt am Freitag wegen der Flugausfälle beim Konkurrenten Lufthansa auf einigen Strecken größere Flugzeuge ein. Zwölf innerdeutsche Flüge mit höherer Kapazität seien bereits fest eingeplant, weitere würden noch geprüft, sagte eine Sprecherin. Ob auch zusätzliche Flüge eingeschoben werden können, werde ebenfalls noch geprüft.

Die Deutsche Bahn stellt sich wegen des geplanten Streiks auf mehrere tausend zusätzliche Fahrgäste ein. Sie will am Freitag zusätzliche Züge fahren lassen. "Bei Bedarf werden wir alles, was uns an rollendem Material zur Verfügung steht, auf die Schiene bringen", sagte ein Bahn-Sprecher. Der genaue Bedarf stehe noch nicht fest, deshalb könne man die zusätzlichen Kapazitäten nicht beziffern.

An allen wichtigen Verkehrsknotenpunkten stünden aber Reservezüge bereit. Zusätzliche Mitarbeiter sollen das zu erwartete Chaos auf den Bahnsteigen eindämmen. Die Lufthansa hat mit der Bahn für Flugausfälle oder verpasste Anschlussflüge ein Kooperationsabkommen: Passagiere können ihr Flugticket in ein Zugticket umwandeln. Vor allem auf den Strecken Frankfurt-München, Frankfurt-Berlin und München-Stuttgart rechnet die Bahn mit deutlich mehr Fahrgästen. Die Bahn empfiehlt, für Fernreisen am Freitag einen Platz zu reservieren.

Keine Schlichtung in Sicht

Die Hoffnungen auf eine Wende im Tarifstreit bei der Lufthansa schwinden unmittelbar vor dem geplanten 24-Stunden-Streik am Freitag. Bislang habe es keine persönlichen Gespräche über eine von Lufthansa-Manager Peter Gerber erneut ins Spiel gebrachte Schlichtung gegeben, berichteten die Fluggesellschaft und die Kabinengewerkschaft Ufo am Donnerstag übereinstimmend. Beide hatten von der jeweils anderen Seite verlangt, den ersten Schritt zu tun.

Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne und gegen die Auslagerung von Stellen. Nach Ansicht des Lufthansa-Managements sind Einschnitte nötig, da die harte Konkurrenz der Airline das Leben schwer macht. Bei Deutschlands größter Fluglinie arbeiten 18.000 Menschen im Bordservice.

Gerber hatte am Mittwoch eine auf wenige Vergütungsfragen verengte Schlichtung angeregt. Über den Einsatz von Leiharbeitern oder die Gründung einer internen Billiglinie mit geringeren Tarifen wollte er aber explizit nicht sprechen und behielt damit die bisherige Linie in der Schlichtungsfrage bei. Ufo-Chef Nicoley Baublies gab sich seinerseits verhandlungsbereit: "Alles, was diesen Streik abwenden kann, ist eine gute Idee. Da muss aber Lufthansa mit uns sprechen, wie wir das genau hinbekommen können", sagte er dem TV-Sender N24.

Allerdings ist für die Lufthansa der Schaden des für Freitag angekündigten bundesweiten Streiks längst eingetreten, erklärte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels. Die Fluggäste der Interkontinentalverbindungen aus dem Ausland seien längst umgebucht worden und auch für alle anderen werde nach anderen Reisemöglichkeiten gesucht. Normalerweise begrüßt Lufthansa an einem Freitag rund 170.000 Gäste. Sie werden auf allen möglichen Wegen auf die Absagen aufmerksam gemacht.

Auch andere Airlines könnten vom Lufthansa-Streik am Freitag betroffen sein. Landeverbote, wie sie an den beiden vergangenen Streiktagen vorübergehend ausgesprochen wurden, seien auch am Freitag nicht auszuschließen, sagte Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS). Ursache dafür ist der Mangel an Abstellplätzen, der sich durch die zahlreichen parkenden Lufthansa-Flugzeuge ergeben kann, die nicht wie sonst in der Luft sind.

Raab sagte, die betroffenen Flughäfen analysierten jeweils die Situation und bäten dann die DFS, Anweisungen an die Airlines zu geben. In der Vergangenheit betraf das Landeverbot lediglich Flugzeuge aus europäischen Abflughäfen, die noch nicht gestartet waren. Flieger in der Luft konnten ebenso landen wie Interkontinentalflüge. Umgeleitet wurde kein Flug wegen der bisherigen Streiks.

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Streik bei der Lufthansa: Flugausfälle in Frankfurt, Berlin und München

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insgesamt 7 Beiträge
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Pete127 06.09.2012
1. Schlichtung???
Zitat von sysopDPAWegen des Streiks der Flugbegleiter wird die Lufthansa am Freitag nur ein Drittel ihrer geplanten Verbindungen ausführen können. Auch am Donnerstag müssen Passagiere umdisponieren - mehr als 40 Flüge wurden gestrichen, betroffen sind vor allem Fernstrecken. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,854207,00.html
Wer eine Schlichtung anbietet, die von vornherein die Forderungen der Gewerkschaft ausschließt, ist offenbar nicht wirklich an einer Lösung des Tarifkonflikts interessiert. Was das Lufthansa-Management in diesem Tarifstreit bislang abgeliefert hat, ist einfach nur erbärmlich. Man setzt offenbar darauf, dass die öffentliche Meinung gegen die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter kippen wird. Insofern wünsche ich der UFO weiterhin viel Durchhaltevermögen und hoffe, dass sich auch andere Gewerkschaften ein Beispiel nehmen...
rs1985 06.09.2012
2. Wirtschaftlicher Schaden
Zitat von sysopDPAWegen des Streiks der Flugbegleiter wird die Lufthansa am Freitag nur ein Drittel ihrer geplanten Verbindungen ausführen können. Auch am Donnerstag müssen Passagiere umdisponieren - mehr als 40 Flüge wurden gestrichen, betroffen sind vor allem Fernstrecken. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,854207,00.html
Die Streikmaßnahmen der Flugbegleiter/-innen schaden hauptsächlich den Kunden der Lufthansa AG und der Lufthansa AG. Das bedeutet auch, dass sich die Flugbegleiter/-innen selbst Schaden zufügen. In wirtschaftlich, schwierigen Zeiten ist es nicht unüblich, dass große Unternehmen mehr Leih-/Zeitarbeit nutzen um Kosten zu senken. In wirtschaftlich, schwierigen Zeiten sind Tarifauseinandersetzungen immer schwierig, aber sollten durch Kompromisse und Zurückhaltung seitens der Angestellten geprägt sein. In erster Linie sollten die Angestellten und Mitarbeiter Solidarität gegenüber ihrem Arbeitgeber und den Kunden der Lufthansa zeigen. Am Ende der Tarifauseinandersetzung besteht nämlich die Gefahr, dass es zu massiven Entlassungen als Folge eines massiven Personalabbaus kommen kann.
Korken 06.09.2012
3. UFOs überzogene Sturheit auf dem Rücken der Passagiere
Zitat von Pete127Wer eine Schlichtung anbietet, die von vornherein die Forderungen der Gewerkschaft ausschließt, ist offenbar nicht wirklich an einer Lösung des Tarifkonflikts interessiert. Was das Lufthansa-Management in diesem Tarifstreit bislang abgeliefert hat, ist einfach nur erbärmlich. Man setzt offenbar darauf, dass die öffentliche Meinung gegen die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter kippen wird. Insofern wünsche ich der UFO weiterhin viel Durchhaltevermögen und hoffe, dass sich auch andere Gewerkschaften ein Beispiel nehmen...
Erbärmlich in der Tat. LH kommt schon sehr weit den Forderungen entgegen trotz dem sie rote Zahlen schreibt. Jammern auf hohem Niveau ist das, ausgetragen auf dem Rücken der Passagiere. Der Ast ist bald ab, dann gibts gar kein Geld mehr.
Dumb Bunny 06.09.2012
4.
Zitat von rs1985Die Streikmaßnahmen der Flugbegleiter/-innen schaden hauptsächlich den Kunden der Lufthansa AG und der Lufthansa AG. Das bedeutet auch, dass sich die Flugbegleiter/-innen selbst Schaden zufügen. In wirtschaftlich, schwierigen Zeiten ist es nicht unüblich, dass große Unternehmen mehr Leih-/Zeitarbeit nutzen um Kosten zu senken. In wirtschaftlich, schwierigen Zeiten sind Tarifauseinandersetzungen immer schwierig, aber sollten durch Kompromisse und Zurückhaltung seitens der Angestellten geprägt sein. In erster Linie sollten die Angestellten und Mitarbeiter Solidarität gegenüber ihrem Arbeitgeber und den Kunden der Lufthansa zeigen. Am Ende der Tarifauseinandersetzung besteht nämlich die Gefahr, dass es zu massiven Entlassungen als Folge eines massiven Personalabbaus kommen kann.
Gab's schon jemals einen Streik, bei dem nicht mit Personalabbau gedroht wurde? Die LH-Flüge, die ich buche, sind stets gut gebucht, und Bordpersonal ist Pflicht. Ich habe Zweifel, dass die Drohung "massiver Personalabbau" hier greift. Dass die LH bei einem Einstiegsgehalt von gut 1400 Euro weiter an Leiharbeit festhält, zeigt schon die Richtung an: Selbst das Wenige ist ihnen zu viel, trotz der Tatsache, dass Personalkosten in der Kostenstruktur der LH eine untergeordnete Rolle spielt. flugbegleiter.net - Verdienst (http://www.flugbegleiter.net/flugbegleiter/information/verdienst-402.html) Lufthansa Geschäftsbericht 2011 - Gewinn- und Verlustrechnung (http://berichte.lufthansa.com/2011/gb/konzernabschluss/gewinn-undverlustrechnung.html?cat=m)
spon-1203191786232 06.09.2012
5. Ein wirkliches
Zitat von KorkenErbärmlich in der Tat. LH kommt schon sehr weit den Forderungen entgegen trotz dem sie rote Zahlen schreibt. Jammern auf hohem Niveau ist das, ausgetragen auf dem Rücken der Passagiere. Der Ast ist bald ab, dann gibts gar kein Geld mehr.
Sparpaket wäre es wenn der Vorstand seine Verdoppelung des Gehaltes zurücknehmen würde. Die LH bietet derzeit eine Senkung des Stundeslohnes an, welche Gewerkschaft würde darauf eingehen. Der Vorstand sorgt für Verluste durch die Abenteuer bmi, Austrian, Brüssel Airways etc., verdoppelt sich dann das Gehalt und sagt jetzt die FBs sollen sich gefallen lassen , dass ihr Stundenlohn sinkt. Das ist Hohn. Wo ist denn die LH entgegengekommen?
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