Streik im Regionalverkehr Bahnkunden müssen mit Zugchaos rechnen

Die Bahngewerkschaften machen ernst: Ab 3 Uhr morgens wollen sie den Regionalverkehr stellenweise bestreiken. Vor allem in Bayern, Berlin und Hessen müssen Pendler mit Verspätungen und Ausfällen von Zügen rechnen - aber auch bundesweit dürfte es zu Störungen kommen.

DPA

Berlin/Nürnberg - Am Dienstag kommen erste Warnstreiks im Tarifkonflikt der deutschen Bahnbranche auf Zehntausende Pendler im Regionalverkehr zu. "Bundesweit sind erhebliche Störungen im gesamten Schienenverkehr zu erwarten", teilten die Gewerkschaften Transnet und GDBA mit. Zu den Aktionen, die im frühmorgendlichen Berufsverkehr anlaufen sollen, sind Beschäftigte mehrerer Privatbahnen und der bundeseigenen Deutschen Bahn (DB) aufgerufen. Auch bei Fernzügen könnte es Verspätungen geben.

Die "einzelnen Aktionen" sollten "nicht länger als drei Stunden dauern", sagte ein GDBA-Sprecher. Vor allem die Pendler in Großstädten müssten sich auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. In welchen Städten und Regionen genau die Schwerpunkte der Warnstreiks sind, ließen die Gewerkschaften aber zunächst offen.

Laut einem Transnet-Sprecher soll ein Schwerpunkt der Warnstreiks Bayern sein. Dort werden vom frühen Morgen an die Privatbahnen Arriva, Veolia sowie die Deutsche Bahn bestreikt. "Konzeptionell wird ganz Bayern betroffen sein, auch wenn wir nicht überall voll reinlangen", sagte der Sprecher. Der Fernverkehr könne ebenfalls beeinträchtigt werden: "Wenn ein Signal auf Rot steht, dann halten alle Züge." Gestoppte Regionalzüge könnten auch ICE und Intercity blockieren.

Zu spüren sein sollen die Warnstreiks nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen auch in Hessen und in der Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg. Die S-Bahn Berlin soll aber verschont bleiben. Weniger betroffen sein sollen Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Bahn empfiehlt Reisenden, sich vor der Fahrt unter der kostenfreien Info-Telefonnummer 08000-996633 und auf der Bahn-Internetseite zu informieren. Weitere Serviceinformation zum Streik finden Sie hier.

Streikwelle bis späten Vormittag

Beginnen sollen erste Arbeitsniederlegungen bereits in der Nacht gegen 3 Uhr. Die Streikwelle mit soll sich dann bis in den späten Vormittag ziehen. Die Aktionen sind zunächst auf Dienstag beschränkt. "Sollten wir damit nicht vorankommen, sind weitere Arbeitskampfmaßnahmen unausweichlich", hieß es von den Gewerkschaftsspitzen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beteiligt sich nicht an den Streiks.

"Wir hoffen, dass unser Signal von den Arbeitgebern verstanden wird", erklärten Transnet-Chef Alexander Kirchner und der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Die beiden Gewerkschaften sowie die Lokführergewerkschaft GDL verhandeln seit mehreren Wochen parallel mit sechs großen Privatbahnen und der DB über einheitliche Tarifstandards für die Branche. Damit soll ein Wettbewerb über die Lohnkosten vermieden werden. Die Einkommen bei privaten Konkurrenten liegen teils 20 Prozent unter DB-Niveau. Allein mit den Regionalzügen des Marktführers fahren täglich 3,4 Millionen Passagiere.

Bahn schlägt Schlichtungsverfahren vor

Um "Unannehmlichkeiten" für die Reisenden so gering wie möglich zu halten, will die Deutsche Bahn bundesweit mehrere hundert zusätzliche Mitarbeiter einsetzen. Verstärkt werde vor allem das Servicepersonal an Bahnhöfen und bei der telefonischen Reisendeninformation, teilte der Konzern mit.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kritisierte die angekündigten Warnstreiks als "unbegründet und kontraproduktiv". Der Konzern sei überzeugt, dass eine Lösung am Verhandlungstisch möglich sei. "Wenn die Gewerkschaften glauben, mit Verhandlungen derzeit nicht weiterzukommen, schlagen wir vor, in ein Schlichtungsverfahren einzusteigen." Dies hatten auch die Privatbahnen Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und die Hessische Landesbahn angeboten. Ein Sprecher sagte zu den Warnstreiks: "Wir haben dafür kein Verständnis."

Die privaten Bahnunternehmen Abellio, Arriva, Benex, die Hessische Landesbahn, Keolis und Veolia Verkehr wollen bislang an den regional unterschiedlichen Einkommensniveaus festhalten. Die Deutsche Bahn ist zu einem Branchenvertrag bereit, wenn das darin festgelegte Tarifniveau das des Bahn-Konzerns nicht zu stark unterschreitet.

Die Privatbahnen hatten ein Angebot vorgelegt, das die Gewerkschaften aber als inakzeptabel ablehnen, da es deutlich unter dem Niveau der Bahn liege. Auch eine Schlichtung, die von den Privatbahnen vorgeschlagen wurde, lehnten Transnet und GDBA ab.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
aggroberliner36 25.10.2010
1. Stichwort Mindestlohn
Zitat von sysopDie Bahngewerkschaften machen ernst:*Ab 3 Uhr*morgens wollen sie den Regionalverkehr stellenweise bestreiken. Vor allem*in Bayern, Berlin und Hessen müssen Pendler mit Verspätungen und Ausfällen von Zügen rechnen - aber auch bundesweit dürfte es zu Störungen kommen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,725234,00.html
Naja anders kann man ja heutzutage keine Lohnerhöhungen mehr durchsetzen, ausser die BRegierung würde endlich mal einheitliche Mindestlöhne festlegen.. ..wozu der Streik wieder führen wird weiss ich aber jetzt schon: Die Bahn wird die Kosten in Form von noch höheren Ticketpreisen an die Kunden weitergeben.
ChildInTime 25.10.2010
2. Mit fällt kein Titel ein
Zitat von aggroberliner36Naja anders kann man ja heutzutage keine Lohnerhöhungen mehr durchsetzen, ausser die BRegierung würde endlich mal einheitliche Mindestlöhne festlegen.. ..wozu der Streik wieder führen wird weiss ich aber jetzt schon: Die Bahn wird die Kosten in Form von noch höheren Ticketpreisen an die Kunden weitergeben.
Nichts für ungut, aber ein Ausstand, der den bestreikten Unternehmen überhaupt nicht wehtut, sondern nur unbeteiligten Dritten (Pendler, Schüler) schadet, ist kein Streik, sondern eine reine Willkürmaßnahme gegenüber denen, die jeden Monat brav in Form einer Monatskarte ihr Schärflein zu den Löhnen und Gehältern der Bahner beitragen. Und dazu noch diese widerwärtige Heuchelei ... nein, man will die Pendler nicht treffen, sicher ... Schön, wenn man einen so sicheren Arbeitsplatz wie diese Herrschaften hat; da kann man dann ja auch leicht mal die Stellen anderer gefährden. Ich halte das Streikrecht für eine der wichtigsten Errungenschaften, drücke in diesem Fall aber die Daumen für die Arbeitgeber.
achim68 25.10.2010
3. ...
Zitat von sysopDie Bahngewerkschaften machen ernst:*Ab 3 Uhr*morgens wollen sie den Regionalverkehr stellenweise bestreiken. Vor allem*in Bayern, Berlin und Hessen müssen Pendler mit Verspätungen und Ausfällen von Zügen rechnen - aber auch bundesweit dürfte es zu Störungen kommen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,725234,00.html
Ich denke mal laut... Züge werden verspätung haben, sie werden liegenbleiben, die liegen gebliebenen werden den Fernverkehr beeinträchtigen. Der Service wird von 0 auf -100 runtergefahren. Ähem... was zum Teufel wird anders sein als sonst???
Wattläufer 25.10.2010
4. Streik
Ich habe absolut kein Verständnis für den Streik. Die sollen nicht streiken, die sollen lieber pünktlicher fahren und einen besseren Service liefern ! Privatbahnen punkten nunmal durch ein etwas niederiges Gehaltsniveau und eine sparsame , kundennahe Verwaltung im Wettbewerb. Die DB dagegen hat Vorteile im Einkauf als Großkunde. Es wird Zeit daß die Beschäftigungsgarantie der DB-Eisenbahner fällt und entlassen wird wie in der freien Wirtschaft üblich !
ArnoNuem 25.10.2010
5. Nach Frankreich schauen
Zitat von ChildInTimeNichts für ungut, aber ein Ausstand, der den bestreikten Unternehmen überhaupt nicht wehtut, sondern nur unbeteiligten Dritten (Pendler, Schüler) schadet, ist kein Streik, sondern eine reine Willkürmaßnahme gegenüber denen, die jeden Monat brav in Form einer Monatskarte ihr Schärflein zu den Löhnen und Gehältern der Bahner beitragen. Und dazu noch diese widerwärtige Heuchelei ... nein, man will die Pendler nicht treffen, sicher ... Schön, wenn man einen so sicheren Arbeitsplatz wie diese Herrschaften hat; da kann man dann ja auch leicht mal die Stellen anderer gefährden. Ich halte das Streikrecht für eine der wichtigsten Errungenschaften, drücke in diesem Fall aber die Daumen für die Arbeitgeber.
Sicherer Arbeitsplatz bei den Komkurrenzunternehmen der Bahn - wo leben Sie denn? Und bei der Bahn AG ist der Arbeitsplatz bei Neueinstellungen seit Inkrafttreten der Bahnreform II auch nicht mehr sicher. Wenn Sie das Streikrecht schon verteidigen, dann sollen Sie dies auch mit aller Konzequenz tun. Oder beschweren Sie sich auch über nasses Wasser? Es gehört zu den zivilisatorischen Errungenschaften der Arbeierbewegung, dass es für gleiche Arbeit auch gleiches Geld geben soll. Das ist der Sinn von Tarifverträgen - im übrigen haben auch die Arbeitgeber ihren Nutzen. Wenn Drucker oder Journalisten streiken, sind neben den bestreiken Unternehmen auch Sie als Zeitungsleser betroffen. Wenn die Müllabfuhr streikt, sind Sie auch betroffen. So ist das nun mal bei "bürgernahen Dienstleistungen". Es gibt eben nicht nur die IG Metall, die so streiken kann, dass es die Bevölerung kaum merkt. Das Streikrecht ist für ALLE Beschäftigte unveräußerlich. Schauen Sie nach Frankreich: Da klappt es mit dem streiken doch auch, ohne das ein Teil der Bevölerung dem anderen Teil in den ücken fällt.
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