Frankfurt am Main - Am zweiten Tag in Folge drohen Reisenden am Frankfurter Flughafen erhebliche Einschränkungen. Die Mitarbeiter auf dem Vorfeld des Airports haben am Freitag erneut die Arbeit niedergelegt. Diesmal soll der Ausstand noch länger dauern als am Donnerstag. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat einen Ausstand der rund 200 Vorfeldlotsen, Einweiser und Verkehrsplaner von 8 bis 22 Uhr angekündigt.
Der Arbeitskampf am Donnerstag hatte von 15 Uhr bis 22 Uhr gedauert. In diesem Zeitraum fielen 172 der 526 ursprünglich vorgesehenen Flüge aus. Am Freitag sollen in der streikbedrohten Zeit 1082 Maschinen starten oder landen. 282 Flüge davon sind bereits gestrichen, wie ein Flughafen-Sprecher sagte. Unabhängig vom Streik gilt für den Airport derzeit außerdem ein gerichtlich verhängtes Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr.
Allein die Lufthansa hat 250 ihrer Verbindungen an ihrem Heimatflughafen annulliert. Betroffen sind vor allem die Kurzstrecken-Flüge. Bei Air Berlin fallen am Freitag 6 der geplanten 18 Flüge aus, sagte Sprecherin Alexandra Bakir, das betreffe Verbindungen von und nach Berlin und Wien. Kunden der Berliner Airline können ihr Ticket wie bei der Lufthansa in ein Bahnticket umwandeln. Bei Condor werden alle 29 Abflüge und Ankünfte stattfinden, die Airline rechnet an ihrem Hauptdrehkreuz allerdings mit Verzögerungen.
Die GdF will den Arbeitskampf in der nächsten Woche noch verschärfen, wenn der Betreiber Fraport nicht einlenkt. "Wir werden nicht zurückstecken", erklärte Tarifvorstand Markus Siebers am Freitagmorgen. Man werde bei einem Stillstand der Gespräche "definitiv" wieder streiken und erneut 24 Stunden vorher warnen.
Am Wochenende werde es voraussichtlich keinen Ausstand geben, so dass alle Beteiligten nachdenken könnten, sagte Siebers. Fraport-Sprecher Jürgen Harrer forderte die GdF hingegen erneut auf, kompromissbereit an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
"Wir fühlen uns erpresst"
Das Vorfeldpersonal ist eine kleine Berufsgruppe, hat aber eine zentrale Rolle bei der Abwicklung des Betriebs auf dem Flughafen, weshalb ihr Arbeitskampf Starts und Landungen stark behindert. Der Airport-Betreiber Fraport
und die Fluggesellschaft Lufthansa hatten den Streik kritisiert. "Wir fühlen uns erpresst", hieß es bei der Fraport. Auch andere Gewerkschaften und Verbände verurteilten das Vorgehen der GdF als unsolidarisch und egoistisch.
Fraport will auch am Freitag trotz des angekündigten weiteren Streiks mehr als die Hälfte der planmäßigen Starts und Landungen abwickeln. "Die Lernkurve unseres Zusatzpersonals zeigt nach oben", sagte Fraport-Vorstand Peter Schmitz mit Blick auf neu geschultes Personal. Hintergrund des Streiks ist ein Tarifkonflikt zwischen Gewerkschaft und Fraport.
Die Positionen in dem Tarifstreit zwischen GdF und Fraport sind verhärtet. Die Arbeit der Vorfeld-Kontrolleure ist mit der Eröffnung der vierten Landebahn in Frankfurt der GdF zufolge wesentlich anspruchsvoller geworden. Die Lohnentwicklung habe damit aber nicht Schritt gehalten, argumentieren die Arbeitnehmervertreter.
Der Flughafenbetreiber hatte zuletzt einen Schlichterspruch des früheren Hamburger Ersten Bürgermeisters Ole von Beust abgelehnt und eine nachfolgende Frist der Gewerkschaft verstreichen lassen. Man wolle lediglich auf der Grundlage des bisherigen Angebots weiterverhandeln, erklärte Personalchef Herbert Mai. Die GdF will den Spruch nach eigenen Angaben umsetzen. Mai bezifferte die verlangten Steigerungen auf 64 bis 73 Prozent im Vergleich zum bisherigen Stand.
Der Streik wird wohl noch bis mindestens Samstag Behinderungen im Flugverkehr verursachen. Für Reisende, die sich gegen den Streik rüsten wollen, hat SPIEGEL ONLINE hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen sowie Kontaktadressen und Telefonnummern der Fluggesellschaften zusammengestellt.
dkr/Reuters/dpa
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