Frankfurt - Die Lufthansa plant für den Dienstag die Streichung von 160 Starts und Landungen in Frankfurt - nach rund 200 Ausfällen am Montag. Der Interkontinentalverkehr wird laut eines Sprechers der Airline weiterhin im vollen Umfang aufrechterhalten, der Flugplan innerhalb Deutschlands und Europas ausgedünnt.
Der Flugverkehr mit zahlreichen Umbuchungen und das Umsteigen auf die Bahn laufe "den Umständen entsprechend reibungslos", ergänzte eine Lufthansa-Sprecherin. Auch Air Berlin berichtete von einigen Ausfällen in Frankfurt. Die Passagiere werden aber ebenfalls umgebucht.
"Bislang läuft alles ruhig, die Passagiere haben sich darauf eingestellt", betonte ein Flughafen-Sprecher. Zudem komme dem Betreiber entgegen, dass ohnehin - auch wegen des Rosenmontags - nicht so viele Passagiere erwartet wurden. Im Vergleich zu einem Tag im Sommer mit etwa 180.000 Passagieren seien es derzeit nur rund 130.000.
Am Montag - dem dritten Streiktag - fielen wieder Hunderte Verbindungen aus. Es wurden laut Flughafenbetreiber Fraport insgesamt 240 Flüge annulliert. Rund 80 Prozent der Starts und Landungen konnten gestemmt werden, alle Interkontinental-Flüge fanden statt.
Verhärtete Fronten
Der Airport hat sich nach eigenen Angaben auf den Arbeitskampf eingestellt und Personal geschult, das einen Notbetrieb aufrecht erhält. Die Vorbereitungen für Dienstag liefen auf Hochtouren, sagte ein Fraport-Sprecher. Erwartet werde, dass insgesamt wieder rund 230 Verbindungen gestrichen werden müssten.
Die Aushilfen auf dem Vorfeld sind für die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) ein Sicherheitsrisiko. "Sie setzen Leute als Vorfeld-Kontrolleure ein, die den Job gar nicht machen dürfen", sagte GdF-Verhandlungsführer Markus Siebers im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Selbst nach internen Richtlinien dürfte der Flughafen diese Mitarbeiter da gar nicht einsetzen."
Die Fronten in dem seit Monaten schwelenden Tarifstreit sind verhärtet und eine schnelle Einigung ist nicht absehbar. In Anbetracht der verfahrenen Situation sei es "vorstellbar und sehr realistisch", dass auch am Mittwoch weiter gestreikt werde, sagte ein GdF-Sprecher. Wie bisher werde das 24 Stunden vorher angekündigt. Die Gewerkschaft verlangt deutliche Lohnerhöhungen für die 200 Flugzeug-Einweiser in Frankfurt.
Die Bundesregierung will die Streikwelle am größten deutschen Flughafen in Frankfurt nicht bewerten. "Die Tarifautonomie ist verfassungsrechtlich geschützt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Vorgänge im Tarifkonflikt würden beobachtet. Es obliege aber nicht der Regierung zu beurteilen, "ob eine Streikmaßnahme oder ob Forderungen einzelner Gruppen angemessen sind."
Bereits 40 Millionen Euro Umsatz verloren
Durch den Streik am Donnerstag und Freitag gingen Fraport nach früheren Angaben zusammen 3,5 bis vier Millionen Euro Umsatz verloren. Die Lufthansa büßte nach Analystenschätzungen an den beiden Tagen insgesamt 40 Millionen Euro an Umsatz ein.
Fraport riet Reisenden, sich rechtzeitig über ihre Verbindungen zu informieren. Ein Lufthansa-Sprecher hatte zudem darauf hingewiesen, dass Betroffene kostenlos stornieren oder umbuchen können. Reisende innerhalb Deutschlands haben außerdem die Möglichkeit, auf die Bahn umzusteigen.
Dieses Angebot wird derzeit von den vom Streik betroffenen Flugästen gut angenommen. Besonders auf den Nord-Süd-Strecken nach Stuttgart, München, Berlin und Hamburg seien mehr Fahrgäste unterwegs, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Es gebe dadurch aber keine Probleme. Am Hauptbahnhof und am Flughafen Frankfurt wiesen Mitarbeiter die neuen Passagiere ein, Züge seien verlängert worden. "Alles, was rollen kann, rollt", sagte der Sprecher.
Lufthansa- und Air-Berlin-Passagiere, die wegen des Streiks am Frankfurter Flughafen nicht fliegen können, dürfen ihr Ticket kostenfrei gegen eine Bahnfahrkarte tauschen. Das regelt eine Vereinbarung der Unternehmen.
dkr/dpa/Reuters
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