Mehrtägiger Streik Was Lufthansa-Passagiere jetzt wissen müssen

Lufthansa-Kunden müssen sich auf einen mehrtägigen Streik mit vielen Flugausfällen einrichten. Die Flugbegleiter wollen am Freitag um 14 Uhr mit ihrem Ausstand beginnen. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Wann und wo wird gestreikt?

Von Mittwoch bis Freitag wollen die Flugbegleiter die gesamte Flotte an den drei Standorten Frankfurt, Düsseldorf und München lahmlegen. Betroffen sind dort alle Lang-, Mittel- und Kurzstrecken.

Das Düsseldorfer Arbeitsgericht hatte am Dienstag per einstweiliger Verfügung Streikmaßnahmen des Lufthansa-Kabinenpersonals untersagt. Die Entscheidung bezog sich aber nur auf den Dienstag und den Standort Düsseldorf. Das Arbeitsgericht Darmstadt, bei dem die Lufthansa eine einstweilige Verfügung gegen die Streiks der Gewerkschaft in Frankfurt und München beantragt hatte, fällte bis zum Dienstagabend keine Entscheidung. Der Richter schlug eine zehntägige Streikpause vor, dies lehnt die Lufthansa jedoch ab.

Nun könnte nur eine Schlichtung den Arbeitskampf beenden. Gewerkschaft wie Lufthansa erklären sich dazu zwar bereit, aber zu unterschiedlichen Bedingungen.

Der Arbeitskampf betrifft nur die Lufthansa selbst und nicht die Konzerntöchter Germanwings, Eurowings, Austrian Airlines, Swiss, Air Dolomiti oder Brussels Airlines. Auch einzelne Lufthansa-Fernstrecken, die von der Lufthansa Cityline betrieben werden, dürfen laut UFO-Streikfibel nicht bestreikt werden.

Die Lufthansa hat wegen des Streiks der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO für Mittwoch 930 Flüge an den Airports Frankfurt, München und Düsseldorf gestrichen. Von den Annullierungen seien insgesamt fast 100.000 Kunden betroffen, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit.

Wie erfahre ich, ob mein Flug betroffen ist?

Auf der Lufthansa-Webseite werden die Ausfälle gemeldet. Kunden, deren Flug streikbedingt gestrichen wird, können unter "Meine Buchungen" kostenfrei umbuchen oder ganz stornieren. Dort sollten auch Alternativvorschläge für ihre geplante Route zu finden sein. Außerdem werden Kunden, die ihre Mobilfunknummer im Kundenprofil oder unter "Meine Buchungen" auf Lufthansa.com hinterlegt haben, per SMS über etwaige Streichungen informiert.

Wie kann ich bei einem Flugstorno mein Ziel erreichen?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast das Recht, sein Flugticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

Die Lufthansa bietet innerdeutsch reisenden Kunden an, ihr Flugticket in eine Bahnfahrkarte umzutauschen. Das geht ebenfalls auf der Webseite "Meine Buchungen" oder an Lufthansa Check-in-Automaten.

Wer trägt die Kosten, wenn ich strande?

Nach der EU-Fluggastrechteverordnung muss eine Airline oder der Veranstalter seine gestrandeten Kunden betreuen - unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist oder nicht. Verpflegung samt Getränken sollte gestellt werden, und wenn sich der Flug auf einen anderen Tag verschiebt, muss die Airline oder der Veranstalter die Hotelkosten tragen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus?

Bei einer Pauschalreise ist die Rechtslage laut Reiserechtler Paul Degott etwas anders. Hier stellt sich nur die Frage, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe, warum dagegen verstoßen wird, spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise zurücktreten und den Reisepreis zurückfordern. Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht.

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Hotlines von Veranstaltern:

sto/mik/abl/dpa/Reuters



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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
tutnet 06.11.2015
1. Nach den Streikexzessen bei der Lufthansa in 2014/2015
sollte sich jeder Reisende fragen, ob er nicht bei einer anderen Airline besser aufgehoben wäre. Ich fliege seit vielen Jahren nicht mehr mit Lufthansa, der Service ist unterirdisch, da bieten andere Airlines deutlich mehr fürs gleiche Geld.
ecatepec12 06.11.2015
2. lufthansa
Ich fliege weiterhin Lufthansa, weil ich für anständige Löhne bin und nicht diese staatlich subventionierten Sklaventreiber aus dem arabischen Raum untertzützen möchte.
tutnet 06.11.2015
3. @2 ecatepec12
Sie können natürlich fliegen, mit wem Sie wollen, aber ich will für meine Planung Zuverlässigkeit und die ist nach so vielen Streikrunden bei der Lufthansa leider nicht mehr gegeben. Und nein, mit subventionierten arabischen Billigairlines fliege ich auch nicht, sondern weit überwiegend mit Star Alliance Mitgliedern.
woelfer15 06.11.2015
4. LH Daumen runter @ecatepec
Dann denken Sie auch gleich mal drüber nach, weshalb inzwischen so viele deutsche Piloten und Flugbegleiter lieber für die "subventionierten Sklaventreiber" arbeiten anstatt im Hartz 4 Paradies zu streiken?
2cv 12.11.2015
5. Auch UFO hat eines nicht realisiert....
...nämlich wie sich mittlerweile im Geschäftskundenumfeld die Prozesse verändert haben, und zwar ganz klar zum Nachteil auch für die LH. Ich bin in dieser Woche gleich bei 4 Flügen betroffen gewesen. Hier einige Beispiele, selbst unter der wohlwollenden Annahme daß Streik "mal drin sein muss": (1) Die Info kam per SMS, wunderbar. Umbuchungs-Link in der SMS: Fehlanzeige. OK, auf zur LH-App auf dem Handy. Dort wird mein Flug noch mit OK angezeigt (warum?), der Link zum Umbuchen: nicht vorhanden. Stattdessen mit Mühe und Not die Rufnr. des Frankfurter Service Centers in der App gefunden. ANruf dorthin: Besetzt. Dann durchgekommen - eine Bandansage: "alle Leitungen sind besetzt versuchen Sie es später noch einmal" (Was soll das, wieso soll ich für die Ansage noch bezahlen? Entweder die schalten "Callcenter-Capacity" zu oder übermitteln einen Besetzt-Ton, aber solch eine Ansage ist wirklich unterirdisch!) Nach 50x (und ich denke, es waren sogar noch mehr) habe ich hier aufgegeben. Also auf zur LH website. Auch hier: keine Convenience fürs Umbuchen, mit Mühe und Not (übrigens über die Google-Suchfunktion nicht in der Website mit den Daten meiner Buchung selbst) die Umbuch-Seite gefunden. Entgegen der Ansage (und auch im Text oben) *KEINE* direkte Möglichkeit zur Umbuchung, sondern erneut Verweis auf das Frankfurter Callcenter. GROT-TEN-SCHLECHT. "Natürlich" gibt es auch als FTL'er keinerlei Möglichkeit, eine Sonderfunktion über eine andere Hotline, einen Weblink oder sonstiges zu nutzen. Soweit zum Thema "Streikmanagement für Reisende".... (mehr folgt)
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