Flüge gestrichen Warnstreiks treffen Zehntausende Reisende

Frankfurt, Köln/Bonn, München - an den zentralen Flughäfen Deutschlands streiken Bodenpersonal und Feuerwehr. Flüge werden gestrichen, viele Reisende müssen ihre Reisepläne ändern.

Passagiermaschinen der Lufthansa
DPA

Passagiermaschinen der Lufthansa


Zehntausende Fluggäste haben am Mittwochvormittag auf Deutschlands größten Flughäfen die Ausweitung des Warnstreiks im öffentlichen Dienst deutlich zu spüren bekommen. Insgesamt betroffen waren elf Flughäfen. Bauarbeiten auf einem Teil der Hochgeschwindigkeitstrecken der Bahn zwischen Hannover und Kassel erschwerten das Reisen zusätzlich.

  • In Frankfurt fielen 392 Flüge aus. Seit 8 Uhr schloss sich die Flughafenfeuerwehr dem Ausstand an und legte damit die Nordwestlandebahn still. "Wir haben genügend Kapazitäten auf der Süd- und der Centerbahn", sagte eine Fraport-Sprecherin.
  • In München wurden 740 Flüge gestrichen.
  • Am Flughafen Köln/Bonn legte die Feuerwehr die Arbeit bis 7.30 Uhr nieder. Im Laufe des Tages wurden weitere Ausstände erwartet, vor allem im Bereich der Flugzeugabfertigung und des Gepäckdienstes. Bislang wurden 103 von 276 geplanten Flügen gestrichen.
  • In Düsseldorf wurden zunächst 48 der insgesamt 590 Flüge annulliert.
  • An den Flughäfen Hannover und Bremen fielen 25 Flüge aus.
  • In Hamburg wurden nach Angaben des Betreibers insgesamt 31 Abflüge und 31 Ankünfte gestrichen.
  • Auf den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld wurden rund 100 Flüge vorsorglich annulliert.
  • Leipzig/Halle und Dresden strichen insgesamt rund 40 Flüge.

Insgesamt mussten die Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin wegen des Warnstreiks Hunderte Flüge streichen und die Passagiere auf andere Flüge oder die Bahn umbuchen.

Bsirske kritisiert Angebot der Arbeitgeber

Ver.di hat zu den Streiks an Flughäfen aufgerufen. Gewerkschaftschef Frank Bsirske verteidigte die Warnstreiks gegen Kritik. Sinn solcher Arbeitsniederlegungen sei es, Tarifverhandlungen zu beschleunigen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". "Ich hoffe, dass dieses Signal verstanden wird und wir bei der dritten Runde am Donnerstag und Freitag zu einer Einigung kommen."

Mit dem Streik reagiere Ver.di "auf ein Angebot, das den Beschäftigten einen Reallohn-Verlust zumuten will", sagte Bsirske. Er bestritt die Darstellung der Arbeitgeber, dass dieses Angebot drei Prozent für zwei Jahre betrüge.

Da die drei Prozent in zwei Stufen angeboten würden und jede der beiden Erhöhungen erst jeweils im Juni wirksam werden solle, betrage es auf zwei Jahre gerechnet nur 1,8 Prozent. Die Inflation werde jedoch in diesem und im nächsten Jahr zusammengenommen zwei Prozent betragen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière bewertete die Ausweitung der Warnstreiks im öffentlichen Dienst als unverhältnismäßig. "Für die Bestreikung ausgerechnet von wichtigen Flughäfen und Berliner Kliniken gibt es keinen vernünftigen Grund", sagte der CDU-Politiker in einer Mitteilung seiner Behörde.

Dies sei "umso ärgerlicher", da der bisherige Verhandlungsverlauf dafür keinen Anlass geboten habe. Den Gewerkschaften seien zuletzt eine Tariferhöhung von drei Prozent sowie weitere Zugeständnisse angeboten worden. "Darüber sollte man doch erst mal reden, anstatt zu streiken", sagte de Maizière.

Eine auf zwei Drittel des Tages ausgelegte Arbeitsniederlegung, die große Teile des gesamten Flugverkehrs behindere, sei kein Warnstreik, sondern "ein Streik, der mit wirtschaftlichen Millionenschäden verbunden ist und nicht mehr als 'Warnung' verstanden werden kann", sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer in einer verbreiteten Mitteilung. Der Streik richte sich formal gegen die öffentliche Hand als Tarifverhandlungspartner, treffe aber im Wesentlichen die Fluggesellschaften.

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Im Video: Lufthansa streicht fast 900 Flüge

ade/dpa



insgesamt 21 Beiträge
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ckha 27.04.2016
1. Streik im öffentlichen Dienst
Hallo SPON, könnt Ihr bitte in euren Berichten erwähnen das es sich hier um einen Streik des öffentlichen Dienstes handelt und nicht um einen Streik der Lufthansa. Die Fluglinien betreiben weder die Bodenabfertigung, die Gepäckverladung oder die Feuerwehr Danke
galeano 27.04.2016
2. Bsirske-Streiks durch deutsche Nuit debout ergänzen!!
Bsirske-Streiks beginnen fast immer mit fast linksradikaler Attitude. Enden meist Papiertiger-haft..-Ich erinnere selektiv an die Kita-Streiks mit ihrem mageren Ergebnis, besonders was die verweigerte Realisierung einer besseren sozialen und institutionellen Bewertung der Kita-ArbeiterInnen angeht. Streiks à la Bsirske-scheinradikal und letztlich schlapp töten im Gegensatz etwa zu den kämpferischen Streiks der GdL, der Piloten immer mehr jeden kollektiven Kampfesmut -wer sich nicht wehrt lebt verkehrt- jeden Optimismus zur Aufnahme eines gemeinsamen Kampfes für die eigenen Rechte der durch schlechte Bezahlung Gedemütigten usw. Es gibt inzwischen in Europa ermutigerende Beispiele breiten sozialen Widerstands gegen Kapitalistenarroganz- und Menschenschinderei durch Arbeitszeitverdichtung, Kündigungsrechtunterlaufen, Billiglöhnen- worüber man in den meisten , tendenziell neoliberalen Kapitalisteninteressen zuliebe gleichgeschaltet scheinenden BRD-Medien & leider auch auf Spiegel -online so gut wie n i c h t s erfährt- nämlich über die seit Wochen "sich ereignende" großartige N u i t d e b o u t (Nacht aufrecht auf den Beinen- auf großen Plätzen in vielen Städten) in F r a n k r e i c h gegen die Einführung der entwürdigenden und knebelnden französische Version der Agenda 2010 und Hartz-4-Gesetze !!! Eine Schande ! Und mir ist auch keine in den BRD-Medien veröffentlichte Solidaritäts-Erklärung von DGB-Bonzokraten mit der Nuit debout, die sich inzwischen auch auf K a n a d a ausgeweitet hat. Wie wäre es mit einem deutschen Auftakt der Nacht-aufrecht auf den Beinen in der Nacht zum 1. Mai, Herr Bsirske ????
Korken 27.04.2016
3. Diesmla leider notwendiges Übel
Bevor wieder geschimpft wird sollte man bedenken, dass es bei diesem Streik einmal NICHT um Einzelinteressen von Spartengewerkschaften mit überzogenen Privilegienforderungen geht sondern um Millionen von Beschäftigten des Öffentlichen Dienst der Kommunen und des Bundes. Viele Sparten der dort Angestellten verdienen nicht angemessen (obwohl es auch Gegenbeispiele gibt), in höheren Einstufungen sind die Gehälter kaum mehr mit der freien Wirtschaft konkurrenzfähig. Um fähige Leute zu bekommen und zu halten, darf ver.di hier nicht lockerlassen. Bisherige Streiks waren ebenso notwendig, da nur dadurch einigermaßen die Inflation ausgeglichen wurde! Sonst würde das Gehaltsniveau noch mehr sinken. Übrigens sollte man bedenken, dass es eine Mär ist vom sicheren Arbeitsplatz mit Privilegien zu sprechen! Das ist Schnee von vorgestern. Heutzutage ist der Standard ein Zeitvertrag und man zögert nicht, ihn auch einfach auslaufen zu lassen. Hinzu kommen niedrige Einstufungen, man kuscht eben, die wiederum eine niedrige Rente ergeben, auch unter Sozialhilfeniveau. Der ÖD hat erstmal rein gar nichts mit den gut eingepackten Beamten und deren Pensionen zu tun, es sind viele Arbeiter darunter, die eine zweijährliche mindestens Lohnanpassung an die Inflation verdienen, die berühmt berüchtigten "Schreibtischtäter", die nur arbeiten wenn sie wollen, ist der ÖD, der nun streikt, nicht.
Korken 27.04.2016
4. Diesmal leider notwendiges Übel
Bevor wieder geschimpft wird sollte man bedenken, dass es bei diesem Streik einmal NICHT um Einzelinteressen von Spartengewerkschaften mit überzogenen Privilegienforderungen geht sondern um Millionen von Beschäftigten des Öffentlichen Dienst der Kommunen und des Bundes. Viele Sparten der dort Angestellten verdienen nicht angemessen (obwohl es auch Gegenbeispiele gibt), in höheren Einstufungen sind die Gehälter kaum mehr mit der freien Wirtschaft konkurrenzfähig. Um fähige Leute zu bekommen und zu halten, darf ver.di hier nicht lockerlassen. Bisherige Streiks waren ebenso notwendig, da nur dadurch einigermaßen die Inflation ausgeglichen wurde! Sonst würde das Gehaltsniveau noch mehr sinken. Übrigens sollte man bedenken, dass es eine Mär ist vom sicheren Arbeitsplatz mit Privilegien zu sprechen! Das ist Schnee von vorgestern. Heutzutage ist der Standard ein Zeitvertrag und man zögert nicht, ihn auch einfach auslaufen zu lassen. Hinzu kommen niedrige Einstufungen, man kuscht eben, die wiederum eine niedrige Rente ergeben, auch unter Sozialhilfeniveau. Der ÖD hat erstmal rein gar nichts mit den gut eingepackten Beamten und deren Pensionen zu tun, es sind viele Arbeiter darunter, die eine zweijährliche mindestens Lohnanpassung an die Inflation verdienen, die berühmt berüchtigten "Schreibtischtäter", die nur arbeiten wenn sie wollen, ist der ÖD, der nun streikt, nicht.
ihawk 27.04.2016
5. Flughafen Wirtschaft
Lohndumping, unmenschliche Arbeitspläne und das Zusammenstreichen von freiwilligen Leistungen steht im Widerspruch zu den Milliardengewinnen die nicht mit einem Lohnkostenvorteil zusammenhängen. Das Management wird dich eiskalt üppige Erhöhungen der Bezüge genehmigen. Wieviel Menschenverachtung verträgt das Land. Wenn die AfD deutlich und flächendeckend über 30% springt, werden die politischen Analysten mal wieder im Dunklen fischen. Diese Streiks sind ein Ergebnis der "Politik Gnadenlos" von Angela Merkel.
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