Streiktag bei der Lufthansa: Flugbegleiter starten elfstündigen Ausstand in München

Nach Berlin-Tegel und Frankfurt haben am Münchner Airport die Streikaktionen der Lufthansa-Flugbegleiter begonnen. Bis Mitternacht wollen Stewardessen und Stewards die Arbeit niederlegen. Insgesamt musste die Fluglinie über 340 Flüge streichen.

Frankfurt - Palettenweise Wasserflaschen, Kartons voll mit Schokoriegeln - Nervennahrung für die Lufthansa-Passagiere, die wegen des Streiks nicht wie geplant abfliegen können. Über den Anzeigetafeln im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens steht in großen Buchstaben: "Boarding, Flying, Smiling".

Das Lächeln verging jedoch am Dienstag vielen Fluggästen bereits vor dem Einchecken: Die Lufthansa-Flugbegleiter der Kabinengewerkschaft Ufo streiken, Tausende Passagiere müssen umbuchen oder schlimmstenfalls auf den Flug ganz verzichten.

Während die achtstündigen Streikaktionen auf den Flughäfen von Berlin-Tegel und Frankfurt am Mittag beendet wurden, hat der Ausstand in München um 13 Uhr begonnen und soll bis Mitternacht dauern. Aufgrund der gestaffelten Streiks rechnet die Lufthansa, damit dass mehr als 340 der ursprünglich geplanten 1800 Flüge ausfallen werden. Davon betroffen sind rund 43.000 Passagiere.

Für Mittwoch rechnet die Fluglinie wegen der gestörten Umläufe mit weiteren Auswirkungen auf den Flugplan und hat bisher sieben Verbindungen abgesagt. Die zweite Streikwelle in dem festgefahrenen Tarifkonflikt fiel damit deutlich stärker aus als der Auftakt vom Freitag, als in Frankfurt 190 Flüge abgesagt wurden.

Die Ufo hat für die kommenden Tage flächendeckende Streiks angedroht, falls sich Lufthansa nicht bewegt. Am Mittwoch ist ein Streik in ganz Deutschland aber noch "unrealistisch" und wegen der Auswirkungen vom Dienstag auch nicht notwendig, hatte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies erklärt. "Am Mittwoch wird noch genug Chaos herrschen", sagte der Ufo-Chef.

Aufgrund der Streiks kam es zu diesen Flugausfällen:

  • Am Münchner Flughafen musste rund ein Drittel der Kurz- und Mittelstreckenflüge und die Hälfte der Langstrecken der insgesamt 450 Lufthansa-Flüge am Dienstag gestrichen werden. In der bayerischen Landeshauptstadt ist der Anteil der nicht bestreikten Lufthansa-Töchter am Flugplan relativ hoch, was die Situation für die Deutschland- und Europaflüge verbessert.
  • Am Frankfurter Flughafen wurden 217 Starts und Landungen der Lufthansa gestrichen, das war rund die Hälfte aller bei der Lufthansa geplanten Kurz- und Mittelstreckenflüge. Bei den Langstrecken war es rund ein Drittel, wie Unternehmenssprecher Thomas Jachnow sagte. Insgesamt - und auch bei anderen Airlines - mussten rund 250 Flüge auf dem größten deutschen Flughafen abgesagt werden, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport. Der Streik führte nach Angaben der europäischen Flugsicherung Eurocontrol dazu, dass in Frankfurt die Parkflächen für ankommende Maschinen knapp wurden. Daher erlitten "etwa 80 Flüge bei ihrer Ankunft in Frankfurt einige Verspätung".
  • Von und nach Berlin-Tegel sind laut Jachnow eine Handvoll an Kurz- und Mittelstreckenflügen ausgefallen, darunter vor allem Zubringerflüge nach Frankfurt und München. Dort haben die Stewards und Stewardessen ab 5 Uhr gestreikt.
  • Dagegen zeigten sich nur geringe Auswirkungen auf die Flughäfen in Nürnberg und in Nordrhein-Westfalen. In Düsseldorf sollten vier von insgesamt 670 geplanten Flügen ausfallen, wie ein Sprecher des größten nordrhein-westfälischen Airports am Dienstagmorgen sagte. Auch an den Flughäfen Dresden und Leipzig/Halle wurden mehrere Flüge gestrichen, teilten die Airports auf ihren Internetseiten mit.

    Ufo: "Streik für die Lufthansa"

    In einem offenen Brief bittet Ufo die Passagiere um Verständnis für ihre Ziele. Erst die umkämpfte Tarifstruktur mit langfristigen Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten ermögliche es den Flugbegleitern, ihren Beruf auch über viele Jahre auszuüben. Die Alternative seien "fliegende KellnerInnen" mit wenig Erfahrung und möglichen Defiziten in Sicherheitsfragen. In dem Brief heißt es: "Unser Streik ist nicht ein Streik gegen die Lufthansa. Sondern für die Lufthansa." In der derzeit abgebrochenen Tarifverhandlung mit der Lufthansa verlangt Ufo höhere Entgelte sowie Schutz vor Leiharbeitereinsatz und Jobauslagerungen.

    Die Lufthansa kritisierte Ufo erneut scharf: Dem Unternehmen fehle jedes Verständnis dafür, dass die Streikmaßnahmen "auf dem Rücken der Fluggäste häppchenweise im Stundentakt" angekündigt würden. Sie habe ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch gelegt, sagte die Sprecherin: Sie biete 3,5 Prozent mehr Lohn, den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, auf Leiharbeit und befristete Verträge. Das Unternehmen fordere die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren

    Am Freitag hatte die Gewerkschaft den Frankfurter Flughafen bereits für acht Stunden bestreikt. 26.000 Passagiere saßen fest, 190 Flüge fielen aus, der größte Flughafen Deutschlands wurde teilweise geschlossen. Vorübergehend durfte in ganz Europa kein Flugzeug mehr Richtung Frankfurt starten. Allein dieser erste Streiktag kostete die größte deutsche Fluggesellschaft Millionen.


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    insgesamt 21 Beiträge
    peter_30201 04.09.2012
    Gut, dass sich mal eine Gewerkschaft konsequent gegen Leiharbeit stellt! Ansonsten werden die Lohnabschlüsse der Tarifbeschäftigten mit einem steigenden Anteil Leiharbeiter zu viel schlechteren Konditionen erkauft; die [...]
    Zitat von sysopNach Berlin-Tegel und Frankfurt haben am Münchner Airport die Streikaktionen der Lufthansa-Flugbegleiter begonnen. Bis Mitternacht wollen sie die Arbeit niederlegen. Insgesamt musste die Fluglinie bisher rund 300 Flüge streichen. Streiktag an Flughäfen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,853816,00.html)
    Gut, dass sich mal eine Gewerkschaft konsequent gegen Leiharbeit stellt! Ansonsten werden die Lohnabschlüsse der Tarifbeschäftigten mit einem steigenden Anteil Leiharbeiter zu viel schlechteren Konditionen erkauft; die Gewerkschaft vertritt nur die privilegierten Arbeitnehmer.
    svenja01 04.09.2012
    Die derzeitigen LH-Bedingungen in der Kabine: - Durchschnittsverdienst in der Kabine mit Zulagen brutto 3200 EUR/Monat - aufgrund von steuerfreien Zulagen netto ca. 2400 EUR / Monat - steuerfreie Spesen: ca. 300 EUR / Monat [...]
    Die derzeitigen LH-Bedingungen in der Kabine: - Durchschnittsverdienst in der Kabine mit Zulagen brutto 3200 EUR/Monat - aufgrund von steuerfreien Zulagen netto ca. 2400 EUR / Monat - steuerfreie Spesen: ca. 300 EUR / Monat - mind. 12-14 Tage im Monat frei, davon 4 zusammenhängend - pro Monat ein Wunschflug im vorraus "requestbar" - LH sorgt mit Altersvorsorge für Pensionierung ab 55 Jahre - keine betriebsbedingten Kündigungen - sehr günstige private Flüge incl. Familienmitglieder. mein Kommentar zur Versachlichung der Debatte.
    bombi_22 04.09.2012
    Wie immer wenn in diesem unserem Land was schief läuft, hat BBC World News das Thema Lufthansastreik natürlich genüsslich aufgegriffen. Mit Erstaunen vernahm ich dort allerdings einen Aviation-Experten, der meinte, dass angesichts [...]
    Wie immer wenn in diesem unserem Land was schief läuft, hat BBC World News das Thema Lufthansastreik natürlich genüsslich aufgegriffen. Mit Erstaunen vernahm ich dort allerdings einen Aviation-Experten, der meinte, dass angesichts von CASH-RESERVEN von 1 Mrd € das LH Management den Streik gut aussitzen kann. Wäre es da nicht effizienter, sich ein bisschen aufeinander zuzubewegen?
    paloo 04.09.2012
    Der Image-Verlust fuer die Airline muss dramatisch sein. a) Wird jetzt alle Welt denken, LH sei ein Unternehmen, das seine Angestellten ausbeutet b) Wer kann das Risiko eingehen, bei LH Fluege zu buchen, wenn nicht gewiss ist ob [...]
    Der Image-Verlust fuer die Airline muss dramatisch sein. a) Wird jetzt alle Welt denken, LH sei ein Unternehmen, das seine Angestellten ausbeutet b) Wer kann das Risiko eingehen, bei LH Fluege zu buchen, wenn nicht gewiss ist ob die Belegschaft mal wieder streikt. Ich kann mich jedenfalls erinnern, jemals von einer anderen grossen internationalen Airline gehoert zu haben, die solch streikbedingte Probleme hatte. Mir scheint es nur so, dass sich die Flugbegleiter ins eigene Bein schiessen.
    Achmuth_I 04.09.2012
    ...dass die Manager Manager bleiben, wenn sie eine Mrd. € aussitzen. Schmerzen würde es sie nicht unbedingt, wäre ja nicht ihr Geld.
    Zitat von bombi_22Wie immer wenn in diesem unserem Land was schief läuft, hat BBC World News das Thema Lufthansastreik natürlich genüsslich aufgegriffen. Mit Erstaunen vernahm ich dort allerdings einen Aviation-Experten, der meinte, dass angesichts von CASH-RESERVEN von 1 Mrd € das LH Management den Streik gut aussitzen kann. Wäre es da nicht effizienter, sich ein bisschen aufeinander zuzubewegen?
    ...dass die Manager Manager bleiben, wenn sie eine Mrd. € aussitzen. Schmerzen würde es sie nicht unbedingt, wäre ja nicht ihr Geld.
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    • Dienstag, 04.09.2012 – 13:25 Uhr
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    Flugbegleiter: Bewerbung, Ausbildung, Gehalt
    Während der knapp dreimonatigen Ausbildung gibt es nur eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 380 Euro pro Monat. Angehende Flugbegleiter müssen sich neue Koffer und Schuhe kaufen; für die komplette Garderobe zahlen sie einen Eigenanteil von rund 300 Euro. Das Einstiegsgehalt liegt bei 1533 Euro, hinzu kommen eine Schichtzulage in Höhe von 16,3 Prozent, Urlaubsgeld in Höhe von 1023 Euro und "Abwesenheitsgeld" in Höhe von 42 Euro pro Tag bei kontinentalen Flügen und 48 Euro pro Tag bei interkontinentalen Flügen. Für Flugbegleiter, die bei dem Personaldienstleister Aviation Power angestellt sind, gelten andere Regeln.
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