Berlin - Was für ein Desaster: Die deutsche Hauptstadt kriegt ihre massiven Probleme im Bahnverkehr nicht in den Griff. Nach dem Ausfall der Berliner S-Bahn rollen die Züge nach Angaben der Bundespolizei zwar wieder - doch vorher hieß es für viele Fahrgäste: Stillstand, Warten. Tausende saßen fest. Am Donnerstagmittag hatte ein Stromausfall im Stellwerk Halensee weite Teile des S-Bahnverkehrs in Berlin und dem Brandenburger Umland zum Stillstand gebracht. Auch jetzt ist laut Bundespolizei noch mit Verzögerungen zu rechnen.
Die Züge der Linien S5, S7 und S75 fahren wieder zu ihren Endpunkten, auch die Züge der S1, S2 und S25 durch den Nord-Süd-Tunnel hätten wieder den Verkehr begonnen, teilte die Bahn am Donnerstag mit. Bei den Ringbahnlinien S41/S42 und deren Zubringerlinien laufen demnach die Vorbereitungen für die Wiederaufnahme des Betriebs.
Seit 11.45 Uhr fuhren im ganzen Berliner S-Bahn-Netz keine Züge mehr, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Tausende Fahrgäste blieben in den Zügen stecken. Oberste Priorität hatte die Evakuierung, sagte der Sprecher. Es wurde versucht, die Züge aus den Tunnels in den nächsten Bahnhof zu bringen. Die Fahrgäste mussten dann auf andere Verkehrsmittel umsteigen.
Beeinträchtigt waren zeitweilig auch der Regional- und Fernverkehr im Westen der Hauptstadt. Der Verkehr wurde umgeleitet. Inzwischen entspannte sich die Lage. Allmählich lief der Verkehr wieder an, zunächst in den Außenbereichen des S-Bahn-Netzes - im Norden, Osten und Süden Berlins. Seit etwa 14.30 Uhr fahren S-Bahnen und Regionalzüge auch wieder in der Innenstadt, sagte ein Bahnsprecher.
Den Fahrgästen war zuvor empfohlen worden, auf U-Bahnen und Busse auszuweichen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stockten ihre Wagenzahl auf, um die Ausfälle aufzufangen. U-Bahnen und Trams würden verlängert und zusätzliche Busse auf die Straßen gebracht, sagte Sprecherin Petra Reetz. "Wir fahren praktisch jetzt schon auf Berufsverkehr hoch." Dann seien 1250 Busse, 1000 U-Bahn-Wagen und 450 Straßenbahnwagen unterwegs. Üblicherweise falle das Angebot am Mittag 15 bis 20 Prozent geringer aus.
Die Ticketkontrolleure seien zudem abzogen und zur Information der Fahrgäste an Umsteigepunkten zur S-Bahn eingesetzt worden. Auch bei der Service-Hotline der S-Bahn, Telefonnummer 030 - 29743333, erhielten Nutzer des Nahverkehrs Informationen.
Stromausfall ereignete sich bei planmäßigen Wartungsarbeiten
Die Ursache für den rund dreistündigen Kollaps des Berliner S-Bahn-Verkehrs war nach Unternehmensangaben "ein technischer Defekt bei planmäßigen Wartungsarbeiten". Ein sogenannter Wechselrichter sei dabei zerstört worden, sagte ein S-Bahn-Sprecher.
Die Folge war ein Stromausfall in der Betriebszentrale in Berlin-Halensee. Von dort wird etwa die Hälfte des S-Bahn-Netzes elektronisch gesteuert. Ein Ersatz-Wechselrichter, der die Funktion des defekten Bauteils hätte übernehmen sollen, habe ebenfalls versagt, berichtete der Sprecher.
Die fraglichen Wartungsarbeiten seien zuvor schon etwa hundert Mal gemacht worden, ohne dass es ein Problem gegeben habe. Sie seien von Technikern der Bahn und von externen Firmen ausgeführt worden. Soweit bekannt, hätten diese dabei nichts falsch gemacht, sagte der Sprecher.
Durch den Stromausfall schalteten die Signale auf den betroffenen Strecken automatisch auf Rot. Die Züge durften deshalb nur im Schritttempo bis zur nächsten Bahnhof fahren.
"Man ist ja einiges gewohnt"
Am S-Bahnhof Friedrichstraße standen viele Fahrgäste wartend auf den Bahnsteigen. Chaos herrschte aber nicht. An den Busstationen war es etwas voller als sonst, die U-Bahnen rollten weiter. Ein Fahrgast am Potsdamer Platz berichtete, seine Bahn sei nach einer Stunde im Tunnel weitergefahren. "Wir sind regelmäßig informiert worden", sagte er. Mal sei in den Durchsagen von einem Stromausfall, mal von einem Software-Fehler die Rede gewesen. "Man ist ja von der Bahn einiges gewöhnt."
Bei der Berliner S-Bahn gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit dem Zugverkehr. Es kam wegen technischer Mängel und unzureichender Wartungsarbeiten häufig zu Verspätungen, Ausfällen und eingeschränkten Angeboten. Darüber hinaus führten Brandanschläge in Berlin und Brandenburg zu Unterbrechungen des Zugverkehrs. Das Unternehmen gehört zum Konzern der Deutschen Bahn.
Die S-Bahn Berlin befördert üblicherweise täglich rund 1,3 Millionen Fahrgäste. Das gut 330 Kilometer lange Streckennetz in Berlin und dem Umland hat gut 160 Bahnhöfe.
sto/jus/dapd/dpa/Reuters/AFP
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