Luftfahrt-Studie: Jeder dritte Pilot schon mal im Cockpit eingeschlafen

Eine Befragung der European Cockpit Association offenbart Beunruhigendes: Jeder dritte Pilot in Europa ist schon einmal ohne Absprache mit seinem Co-Piloten während eines Fluges eingeschlafen. Vier von fünf Piloten in Deutschland gaben an, sie hätten wegen Übermüdung Fehler gemacht.

Berlin - Sie gehen an Bord, obwohl sie zu müde sind: Nach einer Studie der European Cockpit Association (ECA) ist jeder dritte Pilot in Europa schon einmal ohne Absprache mit seinem Co-Piloten während eines Fluges eingeschlafen. Das berichtet die "Bild am Sonntag".

Die ECA hat die Ergebnisse ihrer Befragung von 6000 Piloten aus ganz Europa zusammenfasst. Beunruhigend ist auch, dass in Deutschland 92 Prozent der Piloten angaben, dass sie schon einmal Dienst getan hätten, obwohl sie zu müde zum Fliegen waren. Vier von fünf Piloten in Deutschland sagten gar, dass sie schon einmal wegen Übermüdung Fehler gemacht hätten.

Erst vor wenigen Wochen hat die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) die Flugdienstzeiten als gefährlich eingestuft: Mehr als zehn Stunden lange Flugdienste in der Nacht würden laut Wissenschaftlern zu Ermüdungserscheinungen führen, sagte Cockpit-Präsident Ilja Schulz.

Demnach würden die Vorschläge der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (Easa) zur Änderung der EU-Regeln 11, in Ausnahmefällen auch 12 bis 13 Stunden erlauben. Das sei eine "Gefahr für die Flugsicherheit", so Schulz. Die Easa sieht 14 Stunden als Höchstgrenze bei Kurzflügen und elf Stunden bei Nachtflügen vor.

Bis 2015 sollen die neuen Regeln umgesetzt werden

"Statt der Sicherheit der Menschen oberste Priorität einzuräumen, setzt man sie bewusst vermeidbaren Risiken aus", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg und warf der Behörde vor, die Sicherheit im Luftverkehr wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen.

Die Flugsicherheitsbehörde argumentierte, es seien zahlreiche wissenschaftliche Studien analysiert worden und alle betroffenen Gruppen angehört worden. Die zulässigen Arbeitszeiten wurden für die Länge der Strecke und die Anfangszeit differenziert. Die neuen Regeln sollen Mitte 2013 in das EU-Recht aufgenommen und bis Ende 2015 umgesetzt werden.

Bereits im vergangenen Jahr kam eine Studie der US-Flugsicherheitsbehörde zu diesem Ergebnis: Viele Piloten moderner Linienmaschinen sind derart an automatische Systeme gewöhnt, dass sie immer weniger von der klassischen Fliegerei verstehen - was dem Bericht zufolge bereits mehrere Abstürze verursacht haben soll.

jjc/dapd

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insgesamt 85 Beiträge
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1. optional
steve_burnside 18.11.2012
Da die eh mit Autopilot fliegen, find ich das jetzt eigentlich nicht sehr verwunderlich. Ist das nicht bei jedem so wenn man stundenlang dasitzt ? Aber beunruhigen tut's mich jetzt auch nicht wirklich.
2. Wer hätte das gedacht
info@pierreschmitz.de 18.11.2012
"Mehr als zehn Stunden lange Flugdienste in der Nacht würden laut Wissenschaftlern zu Ermüdungserscheinungen führen." Sagenhaft, was Wissenschaftler heutzutage so alles rausfinden. Ich vermute: Zehn Stunden lang Nasebohren in der Nacht führt auch zu Ermüdungserscheinungen!
3. Weniger arbeiten, weniger verdienen
ADie 18.11.2012
Insbesondere bei den billigeren Fluggesellschaften besteht das Gehalt zu einem wesentlichen Teil aus Überstunden- und Schichtzulagen. Diese Praxis müsste untersagt werden, um die Bedrohung der Flugsicherheit durch Überlastung einzudämmen.
4. Standby-Zeiten
Spiegelleserin57 18.11.2012
Zitat von steve_burnsideDa die eh mit Autopilot fliegen, find ich das jetzt eigentlich nicht sehr verwunderlich. Ist das nicht bei jedem so wenn man stundenlang dasitzt ? Aber beunruhigen tut's mich jetzt auch nicht wirklich.
es wurden ja auch die Standby-Zeiten gekürzt. Ich finde das schon sehr gefährlich. Der Autopilot ist nicht das Problem, nur bei wenn die Piloten doch mal per Hand eingreifen müssen wird es gefährlich. Ein Gewitter reicht schon. Ich würde mich nie komplett auf die Technik verlassen da ich schon einige Überraschungen mit Technik erlebt habe, so sicher ist das nie. Auchsollten prinzipell die Piloten mehr per Knüppel fliegen, sonst verlernen sie wie die "Handfliegerei funktioniert. auch wird den Piloten nachgesagt dass öfter mal Alkohol während der Arbeit im Spiel ist. Fliegerei mach halt nur Spaß wenn sie nicht zum ständigen Begleiter wird. Meilenweit das gleiche dürfte wohl auch mit der Zeit langweilig werden.
5. keine Probleme!
Spiegelleserin57 18.11.2012
Zitat von info@pierreschmitz.de"Mehr als zehn Stunden lange Flugdienste in der Nacht würden laut Wissenschaftlern zu Ermüdungserscheinungen führen." Sagenhaft, was Wissenschaftler heutzutage so alles rausfinden. Ich vermute: Zehn Stunden lang Nasebohren in der Nacht führt auch zu Ermüdungserscheinungen!
nur mit dem Unterschied dass es dabei wohl nie Tote geben wird! Haben sie sic h mal ernsthaft mit dem Pilotenleben beschäftgit oder nur immer nur in der Kabine gesessen?
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