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Studie: Rechtsextremismus vertreibt Touristen

Rechtsextreme Gewalt, fremdenfeindliche Übergriffe und Wahlerfolge rechter Parteien: Die Deutschen haben einer Studie zufolge immer weniger Lust, ihren Urlaub in Sachsen und Sachsen-Anhalt zu verbringen.

Magdeburg - Die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos für die Forschungsgruppe Urlaub und Reisen belegen den Trend: Seit 2004 haben demnach insgesamt neun Prozent der potentiellen Sachsen-Urlauber aus Deutschland wegen rechtsextremer Vorfälle ihre Reisepläne geändert. In Sachsen-Anhalt liegt der Wert den Berichten zufolge bei elf Prozent. 15 Prozent wollen das Land zudem bis 2010 nicht zu ihrem Urlaubsziel machen, elf Prozent wollen Sachsen meiden. Die Meinungsforscher hatten im Oktober deutschlandweit 1000 Menschen im Alter ab 14 Jahren befragt.

NPD-Demo in Dresden: Immer weniger Touristen
DPA

NPD-Demo in Dresden: Immer weniger Touristen

Sachsen-Anhalts Wirte machen inzwischen mobil gegen Rechtsextremismus. Rund 1000 Gastwirte und Hotelbesitzer wollen Rechtsextreme zu unerwünschten Gästen erklären und haben dazu die Aktion "Rechtsextreme raus" gestartet. So sollte an NPD-Politiker kein Hotelzimmer oder Tagungsräume vermietet werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), Wolfgang Schildhauer, MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt. Auch der DEHOGA Brandenburg hatte kürzlich eine Initiative gestartet, Funktionäre rechtsextremer Parteien nicht zu beherbergen. Vorbild war die Weigerung eines Dresdner Hotelchefs, NPD-Funktionären Zimmer zu vermieten.

Auch Mecklenburg-Vorpommern beklagt Umsatzeinbußen in dreistelliger Millionenhöhe, zitierte die "Ostsee-Zeitung" aus der Ipsos-Studie. "Selbst wenn wir diese Zahl nur vorsichtig hochrechnen, ergeben sich für den Nordosten Umsatzeinbußen zwischen 120 und 200 Millionen Euro pro Jahr", sagte Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 400.000 Urlauber wären ohne das schlechte Image zusätzlich gekommen, so Fischer. "Wir müssen uns dringend Gedanken machen, wie wir mit diesem Problem umgehen." Je weiter man sich aus Mecklenburg-Vorpommern entferne, desto häufiger werde man auf Stichworte wie Lichtenhagen, Bützow oder die NPD angesprochen.

jjc/dpa

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