Buchungsrückgang Türkei sagt geplagter Tourismusbranche Finanzspritze zu

Erst der Treibstoffzuschuss für Airlines, nun 80 Millionen Euro für die gesamte Tourismusbranche: Die Türkei will das Geschäft mit den Urlaubern retten - und kündigt staatliche Subventionen an.

Antalyas Strände: Türkische Tourismusbranche leidet unter Buchungsrückgang
REUTERS

Antalyas Strände: Türkische Tourismusbranche leidet unter Buchungsrückgang


Die türkische Regierung macht einen zweistelligen Millionenbetrag locker, um die gebeutelte Tourismusbranche des Landes finanziell zu unterstützen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kündigte an, Unternehmen und Fremdenverkehrsbüros insgesamt mit umgerechnet knapp 80 Millionen Euro zu subventionieren. Zudem wolle man betroffenen Touristikbetrieben bei der Umschuldung helfen. "Wir werden die Schwierigkeiten in der Tourismusindustrie überwinden und unsere Position als eines der attraktivsten Reiseziele verteidigen", sagte Davutoglu.

Es ist nicht die erste staatliche Maßnahme dieser Art. Bereits im Januar kündigte der türkische Tourismus-Minister Mahir Ünal an, Ferienfliegern einen Treibstoff-Zuschuss von 6000 Dollar pro Flug zu gewähren - mit dem Ziel, Touristen anzulocken. Die Subvention gelte für Flüge im April und Mai und für Verbindungen nach Antalya und Alanya in der Südtürkei, Bodrum und Dalaman im Südwesten sowie Izmir an der Ägäis.

Angesichts der jüngsten Anschläge und der politischen Spannungen mit Russland machen immer weniger Menschen Urlaub zwischen Istanbul und Antalya. Allein im vierten Quartal 2015 betrugen die Einnahmen im Geschäft mit Urlaubern rund 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach dem Terroranschlag von Istanbul mit elf toten deutschen Touristen sind die Buchungen regelrecht eingebrochen - besonders bei den Deutschen, die traditionell gerne in die Türkei reisen.

Über ein Minus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr berichtete Anfang Februar beispielsweise TUI. Thomas Cook hat sein Angebot für den Sommer zurückgefahren. DER Touristik bezifferte das Minus Ende Januar auf 25 Prozent. Und Kreuzfahrtreedereien wie AIDA Cruises fahren türkische Häfen erst mal gar nicht mehr an. Aktuelle Ereignisse wie der Bombenanschlag in Ankara mit 28 Toten könnten die schlechte Buchungslage weiter beeinflussen.

Auch russische Urlauber kommen weniger zahlreich, seit Moskau die Bürger aufgefordert hat, auf Türkei-Urlaube zu verzichten. Die Beziehungen beider Länder sind auf einem Tiefpunkt. Hintergrund ist der Abschuss eines russischen Kampfjets durch das türkische Militär im syrischen Grenzgebiet im vergangenen Jahr.

Der Tourismus ist ein Schlüsselsektor der türkischen Wirtschaft. Ausländische Touristen brachten dem Land im vergangenen Jahr umgerechnet 28 Milliarden Euro ein. Das Auswärtige Amt rät Türkei-Reisenden derzeit, Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen in Istanbul und anderen Großstädten der Türkei zu meiden.

jus/Reuters/dpa/AFP



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deltachristoph 22.02.2016
1. Baden mit Leichen
Wer will den schon in der türkischen Ägäis baden, wenn da im Wasser Leichen schwimmen? Man muss ich auch fragen, wie ortsunkundige Syrer an der türkischen Küste leicht Schlepper finden und es der dortigen Polizei nicht gelingt, diese Kriminellen dingfest zu machen.
neurobi 22.02.2016
2.
Es ist nicht der Preis, der die Urlauber abschreckt, sondern die Politik der Regierung Erdogan, vom außenpolitschen Harakiri, über die schleichenden Islamisierung bis zur vermeidbaren Wiederaufnahme des Bürgerkriegs gegen die Kurden. Von daher wird die Förderung ins Leere laufen.
udo46 22.02.2016
3.
Zitat von neurobiEs ist nicht der Preis, der die Urlauber abschreckt, sondern die Politik der Regierung Erdogan, vom außenpolitschen Harakiri, über die schleichenden Islamisierung bis zur vermeidbaren Wiederaufnahme des Bürgerkriegs gegen die Kurden. Von daher wird die Förderung ins Leere laufen.
Genauso sehe ich das auch. Die Grossmannssucht des Kalifen von Ankara, die er mit immer drastischeren Mitteln zu befriedigen sucht, schreckt die ausländischen Touristen ab. Die zunehmende Islamisierung tut ihr Übriges. Er isoliert sein Land in extrem dümmlicher Weise, so dass sogar die ihm eigentlich wohlgesonnene NATO signalisiert hat, einen kriegerischen Gang gegen Russland oder Syrien würde diese n i c h t unterstützen. Aber Erdogan hat ja jetzt neue Freunde, die besser zu ihm passen.
DirkWein 22.02.2016
4. Unsinn
Die Türkei ist ein wunderschönes Land. Erhöhte "Terrorgefahr" besteht überall, auch im Herzen Europas Frankreich bzw. Paris. Wer aus politischen Gründen nicht in die Türkei fliegt sollte wissen, dass sie damit nur dem einfachen Bürger zahlen.
udo46 22.02.2016
5.
Zitat von DirkWeinDie Türkei ist ein wunderschönes Land. Erhöhte "Terrorgefahr" besteht überall, auch im Herzen Europas Frankreich bzw. Paris. Wer aus politischen Gründen nicht in die Türkei fliegt sollte wissen, dass sie damit nur dem einfachen Bürger zahlen.
Wunderschöne Länder gibt es viele. Die Terrorgefahr ist noch das kleinere Übel. Erdogan ist das eigentliche Übel. Und gerade der einfache Bürger hat Erdogan gewählt. Wenn es nach dem Willen dieses Herrn geht, dann werden dort bald saudische Zustände herrschen, wenn ihn keiner stoppt. Die ersten Ansätze sind schon sichtbar.
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