Südafrika-Fünfkampf Adrenalinkick in der Wildnis

Mit Fernglas und Häkchen-Liste die "Big Five" suchen? Langweilig. Eine Safaritour im vergitterten Jeep? Macht doch jeder. Wer in Südafrika wirklich was erleben will, lernt Bungee-Springen, Surfen und Elefantenreiten - Todesangst inklusive.

Corbis

Von Agnes Fazekas


Sprung ins Leere

Mein Kopf hängt über die Kante und wird immer schwerer. Die Tiefe saugt. 216 Meter unter mir kräuselt sich der Bloukrans River durch das grüne Tal. Für die Zuschauer unten im Café am Steilufer sehen wir aus wie Ameisen - ab und an springt eine am langen Bindfaden hinunter. Vom Ufer sind wir weit weg, denn wir stehen auf einer Betonplattform unter der Fahrbahn der dritthöchsten Brücke der Welt.

Zwei Sekunden Todesangst, dann kopfüber baumeln. Der rote Gurt reißt an den Beinen "als ob die Haut abgezogen wird", so der O-Ton eines Mutigen. Clive, ein 150-Kilo-Mann mit hellen Augen im dunklen Gesicht, daueraufgeputscht von der Adrenalin-Ausdünstung völlig Fremder, drückt mir das rote Gummiseil in die Hand.

Ich frage mich, was ich hier mache. Warum ich mich nicht einfach wie die meisten anderen mit Tier-Abhakliste und knipsbereiter Kamera durch die Wildnis fahren lasse. Denn die Garden Route entlang der Küste, von Port Elizabeth Richtung George, gilt als das schönste Stück Natur Südafrikas und als Klassiker unter Safari-Touristen.

Wem jedoch die Bilderjagd zu langweilig ist, die Suche nach gepunkteter Hyäne, Springhase und weißem Hai, der garniert die Safari eben mit ein paar "Lifetime Experiences". Bungee-Springen, Surfen oder Seilbahnrutschen bietet die Active Garden Route. So kann sich jeder seinen persönlichen Südafrika-Fünfkampf zusammenstellen.

Über unseren Köpfen donnern die Autos, der Bass aus der Box wummert den HipHop direkt ins Kreuz. "100 Prozent Sicherheit" verspricht der Veranstalter. Sogar Prinz Harry sei gesprungen. Ich habe Südafrikanerinnen beim Sprung beobachtet, die sich vorher Mut angetanzt hatten. Und eine Koreanerin, die bereits beim Gang über das wacklige Gitter guckte, als ob es zum Schafott ginge und an der Kante mit gepresster Stimme flüsterte: "Einen Moment noch". Der Guide half ihr mit dem Zeigefinger sanft aus der Balance. Nach dem Sprung saß die junge Frau da wie vergessen. Genauso wie die Südafrikanerinnen, die etwas blutarm in die Gegend starrten, als sie sich erst mal ihre Zigaretten anzündeten. Kein Wunder, der Lebenssaft staut sich wohl noch irgendwo, bis er alles wieder an den richtigen Platz zurückspült.

Das ist der Nachteil an dieser Aktiv-Safari. Man hat keine Ausrede mehr. Dass es eben gerade nicht die Zeit war für Wale. Ich bin nicht gesprungen.



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biltong 28.03.2011
1. Touritour entlang der Garden Route
Nur gut, dass die meistens Pauschis mit Hilfe solcher Artikel schön auf die Garden Route geschickt werden, und der grandiose Rest des Landes somit von Adrenalin Noops verschont bleibt. Wer in Südafrika Adrenalin pur erleben will braucht weder Haitauchen noch Bungeejump, sondern muss einfach nur mit offenen Augen und Herz das Land bereisen. Hier findet man dazu mehr: http://mzansimylove.blogspot.com/
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